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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie eine Kerze brennt – und wie sie erlischt

Der Docht ist nur ein Transportmittel: Kerzenflamme aus der Nähe. Bild: picture alliance / dpa Themendienst Franziska Gabbert

Kerzen sind aus der Vorweihnachtszeit nicht wegzudenken. Wenn man nicht nur verträumt in die Flamme schaut, sondern einmal genauer hinsieht, gibt es einiges zu entdecken. Und zu erklären.

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          In vielen Familien gehören brennende Kerzen zur Adventszeit: Vier Kerzen auf dem Adventskranz stehen für die Adventssonntage, Woche für Woche wird eine weitere angezündet. Und mit der Schönheit eines Weihnachtsbaums mit echten brennenden Kerzen kann die Kunstlichtkonkurrenz einfach nicht mithalten. Allerdings auch nicht mit ihrer Gefährlichkeit: Um die fünfzehntausend Mal kommt es jedes Jahr in Deutschland in der Advents- und Weihnachtszeit zu Wohnungsbränden, die durch Kerzen vor allem auf Adventskränzen und Weihnachtsbäumen entstanden sind. Leute, die da lieber auf Nummer Sicher gehen und ihre Christbäume mit elektrischen Lichterketten schmücken, kann man gut verstehen.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Lange Zeit waren Kerzen die beste Möglichkeit, um in dunklen Räumen für Licht zu sorgen: Ihr Feuer war zwar empfindlicher als das von Fackeln, aber sie rußten und stanken weniger. Wohl schon vor vierzigtausend Jahren haben Menschen mit Dochten und brennbaren Flüssigkeiten Flammen genutzt. Damals war es noch kein Wachs, sondern Talg oder Tran, also tierische Fette und Öle. Wenn man die verbrennt, stinkt das aber auch.

          Bild: F.A.Z.

          Außerdem kann man Wachs und damit auch Kerzen ganz gut transportieren und lagern. Noch ein Vorteil, allerdings: So richtig hell wird es mit Kerzenlicht einfach nicht. Wer heutzutage bei Kerzenschein liest, wird ermahnt, doch das Licht anzuschalten, um sich nicht die Augen zu verderben. Dabei gab es jahrhundertelang, bis zur Erfindung des elektrischen Lichts, einfach nichts Besseres zum Lesen, wenn es dunkel geworden war.

          Heute verbinden wir Kerzen mit Festlichkeit und Gemütlichkeit. Es ist schön, verträumt in die Flammen zu schauen. Und es ist interessant, mal etwas genauer hinzuschauen. Wie eine Kerze brennt, ist nämlich ziemlich raffiniert. Genau genommen: Was bei einer Kerze brennt. Es ist nämlich nicht der Docht. Der transportiert nur geschmolzenes Wachs so weit in den heißen Bereich der Flamme, bis es verdampft.

          Es ist dieser Wachsdampf, der brennt. Und weil oben im Docht das Wachs damit weniger wird, unten aber noch genügend flüssiges Wachs da ist, wird flüssiges Wachs nachgesaugt in die Flamme. Das funktioniert aber nur auf kurze Entfernung: Wenn der Docht zu viel flüssig gewordenes Wachs in der Nähe der Flamme weggesaugt hat und die Kerze dadurch kleiner geworden ist, kommt das flüssige Wachs nicht mehr bis ganz in die Spitze des Dochts. Die verkokelt und wird ebenfalls ein bisschen kürzer.

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          Wenn man genau in eine Kerzenflamme schaut, kann man übrigens erkennen, dass zwischen der Flamme und dem Docht ein kleiner Abstand ist. Erst ein Stück vom Docht entfernt sind die Bedingungen für die Reaktion von Wachsdampf und Sauerstoff aus der Luft gegeben – bei etwa 250 Grad. 

          Und wenn sich die Flamme noch weiter vom Docht entfernt? Dann erlischt sie. Genau das passiert, wenn wir eine Kerze auspusten: Die Flamme wird so weit weg von der nötigen Temperatur und dem Reaktionsgemisch geblasen, dass sie nicht weiterbrennen kann. Ohne Feuer funktioniert auch der Nachfluss von flüssigem Wachs nicht mehr, und der Docht kokelt noch ein bisschen, bis auch er erlischt. 

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