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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum wir zittern, um nicht zu erfrieren

Einmummeln hilft: Wenn es kalt wird, verkriecht man sich am liebsten in Mantel, Schal und Mütze. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 05:08

Einmummeln hilft: Wenn es kalt wird, verkriecht man sich am liebsten in Mantel, Schal und Mütze. Bild: Picture-Alliance

Bei kaltem Wetter und Schnee macht es großen Spaß, draußen zu sein. Nur wenn wir zu frieren beginnen, hört der Spaß langsam auf. Bevor es sogar gefährlich werden kann, kennt der Körper ein paar Tricks zu seinem Schutz.

          3 Min.

          Das Schöne an diesen frostigen Tagen ist doch: Die Kälte bringt so viel Schnee mit sich, dass Schlitten fahren selbst an kleinen Hügeln in der Stadt richtig Laune macht – vorausgesetzt, man hat sich warm genug angezogen, mit zahlreichen Schichten. Am besten zwei Paar Socken, eine Fleece-Jacke, eine lange Unterhose und einen Schneeanzug. Ansonsten hält der Spaß im Schnee nämlich nur kurz an, bevor man bei den Minustemperaturen bitterlich beginnt zu frieren.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frieren, so unangenehm es sich auch anfühlt, ist eigentlich ein Schutzmechanismus des Körpers, der uns davor bewahren soll, zu unterkühlen oder gar zu erfrieren. 

          Damit im menschlichen Organismus alles so funktioniert, wie es soll – von der Verdauung über das Atmen bis hin zu der Bewegung – benötigt der Körper eine bestimmte Temperatur, etwa 37 Grad. Steigt die Temperatur im Organismus an, spricht man von Fieber. Das kennt jeder: Man fühlt sich matt und müde. Sinkt die Körpertemperatur, nennt man dies Unterkühlung. Der Körper beginnt zu zittern, und zuerst werden Finger und Zehen frostig.

          Dass es zuerst die Hände und Füße trifft, ist kein Zufall. Der Körper will das genau so. Sein Ziel ist es nämlich, das Körperinnere warmzuhalten.  Das macht er, indem er die Blutgefäße an seinen äußeren Rändern, also die in den Ohren, Händen und Füßen, enger stellt. So fließt dort weniger Blut hindurch, weniger Wärme geht verloren. Auf diese Art spart der Körper das warme Blut für die lebenswichtigen Organe im Körperinneren: Herz, Lunge, Leber, Gehirn.

          Bild: F.A.Z.

          Und auch das Zittern hat seinen Sinn. Durch die Bewegung der Muskeln wird Wärme produziert, die helfen soll, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.

          Bei extremer Kälte reichen diese gut durchdachten Prozesse im Körper aber nicht mehr aus, die Körpertemperatur sinkt deutlich unter 37 Grad ab. Begibt sich der Mensch dann nicht ins Warme, drohen Unterkühlung, Erfrierungen oder gar der Tod.

          Wie schnell ein Körper beginnt auszukühlen, hängt von zahlreichen Faktoren ab: Außentemperatur, Nässe, Wind, Kleidung und Körperbau. Fettpolster etwa wirken schützend. Auch das Verhältnis der Körperoberfläche zum Volumen spielt dabei eine Rolle. Was das heißt, kann man sich gut an zwei gleich großen quaderförmigen Bausteinen anschauen: In beiden ist gleich viel drin, beide haben also das gleiche Volumen, wie man sagt, und beide haben auch die gleiche Oberfläche. Wenn man sie jetzt zusammenschiebt und sich vorstellt, die beiden wären zusammen ein Körper, ist jeweils eine der sechs Seiten beider Bausteine nicht mehr außen: die Seite, die den anderen Baustein berührt. In beiden ist immer noch gleich viel drin, aber das Außen ist um diese beiden Seiten kleiner geworden. Für uns Menschen heißt das, so unfair es auch ist: Kinder haben im Verhältnis zum Körpervolumen eine größere Oberfläche als Erwachsene. Sie geben so schneller Wärme ab und kühlen rascher aus.

          Stellt der Körper aufgrund zunehmender Kälte immer mehr Gefäße in der Peripherie eng, werden Zehen, Ohren und Nase nicht nur kalt, sondern beginnen auch zu schmerzen. Begibt man sich nicht spätestens jetzt ins Warme, fangen Zellen in den betroffenen Körperteilen an, ihre Funktion einzustellen, und sterben ab. Ihnen fehlt schlichtweg die Durchblutung, die sie zum Leben brauchen. Passiert das mit immer mehr Zellen, etwa an der Fingerkuppe, kommt es zum Erfrieren einzelner Finger. Das zeigt sich zum Beispiel durch blass-gräuliche Färbungen der Haut und Gefühllosigkeit. Es können sich auch Blasen und Geschwüre bilden.

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          Ab etwa 32 Grad Körpertemperatur hört der Organismus mit dem Zittern auf. Er hat selbst dafür keine Kraft mehr. Dann lassen plötzlich auch die Schmerzen nach, weil die Nerven keine Informationen mehr weiterleiten. Die Bewegung wird eingeschränkt, und auch das Denken fällt immer schwerer. Mit weiter fallender Körpertemperatur stellt der Körper immer mehr Funktionen ein. Das Herz schlägt langsamer, man wird bewusstlos und holt seltener Luft. Kommt dann nicht bald Hilfe, die den betroffenen Mensch wieder aufwärmt, droht der Kältetod.

          Tiere übrigens, die einen Winterschlaf halten, senken ihre Körpertemperatur extra ab, ohne Schaden davonzutragen. Sie wollen, dass Atmung und Herzschlag bei der Kälte verlangsamt werden. Damit verbrauchen sie weniger Energie und müssen während des Schlafs nicht aufwachen, um zu fressen.

          Wir Menschen können das nicht. Deshalb müssen wir uns bei Minusgraden dick einpacken, um voller Freude im Schnee zu toben.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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