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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Woher die besonderen Tage im Kalender kommen

Bilbo feiert Geburtstag, und in aller Welt feiern Tolkien-Fans mit ihm den „Welt Hobbit Tag“: Szene mit Ian Holm in der Verfilmung von „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ aus dem Jahr 2001. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 03:08

Bilbo feiert Geburtstag, und in aller Welt feiern Tolkien-Fans mit ihm den „Welt Hobbit Tag“: Szene mit Ian Holm in der Verfilmung von „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ aus dem Jahr 2001. Bild: Picture-Alliance

Ostern, Tag der Arbeit, Hobbit-Tag – das ganze Jahr über gibt es im Kalender besondere Tage. Manche kennt jeder, manche sind ziemlich unbekannt. Wer legt die eigentlich fest?

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          Am 1. Januar erscheint das Jahr noch ganz neu und frisch. Alles ist möglich, denkt man. Es gibt natürlich im Jahresverlauf ein paar Termine, die für alle feststehen und die man gar nicht im Kalender nachschlagen muss: Heiligabend zum Beispiel ist immer am 24. Dezember, der 1. Mai und der 3. Oktober sind immer frei, genauso wie der 1. Januar, der Neujahrstag. Es gibt auch Termine, die immer an anderen Tagen im Jahr liegen: Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt zum Beispiel.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Sie hängen mit dem Mond zusammen – je nachdem, wann im Frühling eines Jahres der Mond zum ersten Mal voll ist, finden diese Feste früher oder später im Jahr statt. Es gibt sie bei uns schon lange; andere, an denen wir frei haben, sind neuer: Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ etwa oder der 3. Oktober als „Tag der deutschen Einheit“. Der wurde früher am 17. Juni gefeiert und dann, nach der deutschen Wiedervereinigung von 1990, auf den Oktober verlegt.

          So kommen viele solcher Gedenktage zustande: Etwas passiert, und weil man sich daran erinnern will, tut man das seitdem an diesem Datum. Es ist ein bisschen so, wie wenn man Geburtstag feiert, nur dass man – anders als am 3. Oktober – an seinem Geburtstag nicht automatisch frei hat und alle anderen mit einem.

          Aber wenn man es genau nimmt, ist der ganze Kalender schon voll mit Gedenktagen, und manche Daten sind sogar mehrfach belegt: Es gibt den Weltfriedenstag, den Tag der Blockflöte, den Welteisbärentag und den Tag der Zahngesundheit, den Welt-Tollwut-Tag oder den Weltvegetariertag. Und am 22. September feiern Tolkien-Leser den „Welt Hobbit Tag“, aus Anlass der Geburtstage von Bilbo und Frodo Beutlin. 

          Einen solchen Gedenktag kann jeder ausrufen. Entweder an einem Tag, der mit der Sache, an die er erinnern will, zusammenhängt. Oder an einem anderen Tag im Kalender, der noch nicht so voll ist. Und wenn jemand genügend andere Menschen findet, die dabei mitmachen, dann kann es sein, dass der Tag es sogar auf eine der Listen schafft, die – wie zum Beispiel in Wikipedia – solche Gedenktage sammeln. Offiziell anerkannt, zum Beispiel durch eine religiöse oder politische Organisation, werden aber nur wenige, und auf einen zusätzlichen freien Tag sollte man nicht hoffen. Trotzdem ist es bei manchen gut, dass es sie gibt. Wenn man sich zum Beispiel am Welttoilettentag klar macht, dass sehr viele Menschen noch immer krank werden, weil es bei ihnen keine funktionierende Abwasserentsorgung gibt.

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