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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was Emissionshandel ist

Mitte August: Klimaaktivisten protestieren auf dem Dortmund-Ems Kanal vor dem Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 04:23

Mitte August: Klimaaktivisten protestieren auf dem Dortmund-Ems Kanal vor dem Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Bild: dpa

Unternehmen müssen für das Recht bezahlen, CO2 und andere Treibhausgase freizusetzen: So funktioniert der Emissionshandel. Aber warum funktioniert er nicht so, dass wir die Klimaziele sicher erreichen?

          3 Min.

          Ein Treibhaus ist meist aus Glas oder Kunststoff, so dass die Sonnenstrahlen hineinkommen und das Innere aufwärmen, die Wärme aber nicht einfach wieder entweichen kann. Das ist gut, wenn Pflanzen darin wachsen, für die es ohne diese extra Wärme draußen zu kalt wäre. Aber es ist nicht gut, wenn sich die ganze Erde in eine Art Treibhaus verwandelt, weil sich die Zusammensetzung der Luft und der Atmosphäre durch uns Menschen verändert. Man spricht von Treibhausgasen und meint damit, dass diese Bestandteile der Luft verhindern, dass Energie in den Weltraum entweicht. Immer mehr Kohlendioxid und andere Treibhausgase sorgen für die Erderwärmung, und die Erderwärmung sorgt dafür, dass das Leben auf der Welt schwieriger wird. Stürme werden heftiger, Überschwemmungen höher und Dürren unangenehmer. Deshalb überlegen sich Politiker, wie man sinnvoll etwas gegen den Klimawandel tun kann. Denn ganz viel von dem Kohlendioxid und den anderen Treibhausgasen ist schon in der Atmosphäre und kann da nicht mehr herausgeholt werden.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Wirtschaftsforscher haben sich deshalb schon vor gut fünfzig Jahren eine Sache ausgedacht, die sich erst einmal ziemlich schlau anhört: den Emissionshandel. Emission ist ein anderes Wort für Ausstoß, emittieren bedeutet ausstoßen. Kurz gesagt muss jedes Unternehmen oder jeder Energieerzeuger ein Recht kaufen, um eine bestimmte Menge CO2, wie man Kohlendioxid abkürzt, ausstoßen zu dürfen. Wenn es mehr emittiert, muss es nachkaufen, wenn es weniger braucht, darf es die ungenutzten Rechte, Zertifikate genannt, weiterverkaufen. Und noch einen Clou gibt es dabei: Man kann die Mengen vorher festlegen, sodass alle Verursacher von CO2 zusammen nicht mehr ausstoßen als vorher abgemacht.

          Bild: F.A.Z.

          Mit dem Emissionshandel könnte man eigentlich ziemlich zielgenau festlegen, wie man das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Abkommen tatsächlich erreichen kann. In Paris haben vor fünf Jahren mehr als 190 Staaten, also fast alle, anerkannt, dass sich die mittlere durchschnittliche Temperatur durch den menschengemachten Treibhauseffekt um höchstens 1,5 Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung steigern darf, sonst wird es richtig schlimm. Aber wenn das so einfach ist, warum setzt man dann die Menge der Emissionsrechte nicht einfach auf das Level, sodass dieser maximale Temperaturanstieg nicht überschritten wird?

          Daniel Ziegler beschäftigt sich den ganzen Tag mit Emissionshandel. Als wir ihn neulich auf dem Dach des nagelneuen Kohlekraftwerks Datteln 4 getroffen haben, hat er erklärt, was die Zertifikate für sein Unternehmen bedeuten. Daniel arbeitet für Uniper. Die betreiben viele Kraftwerke, die noch mit den fossilen Brennstoffen betrieben werden, durch die das Klima geschädigt wird. In Datteln können sie so viel Strom herstellen, dass davon eine Million Haushalte versorgt werden können. Dass die Mengen nicht einfach im Sinne des Klimaschutzes strenger verringert werden, liegt daran, dass die Haushalte so viel Strom verbrauchen und dass die Erzeuger teure Anlagen gebaut haben, die sie gern weiter betreiben würden, um Geld zu verdienen und Leute zu beschäftigen.

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          Auf dem Tablet einen Film schauen, ein Brot im Toaster rösten oder zukünftig auch mit dem Elektroauto in den Urlaub fahren – für das alles brauchen wir Strom. Und weil wir aus Klimaschutzgründen auch lieber heute als morgen vom Erdöl unabhängig werden wollen, werden wir künftig noch deutlich mehr Strom brauchen. Am besten fürs Klima sind erneuerbare Energien, dafür haben wir aber noch nicht genügend Anlagen gebaut. Wirtschaftsforscher sagen sogar, ohne Strom aus heißen Regionen werden wir unseren Bedarf nicht decken können.

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          Die Unternehmen wie das von Daniel Ziegler erhalten entweder von der Abteilung für Emissionshandel beim Umweltbundesamt Emissionsrechte zugeteilt oder müssen sie an einer Energiebörse in Leipzig einkaufen. Durch den Preis für CO2 können seine Chefs erkennen, ob es sich noch lohnt, weitere Kohlekraftwerke zu betreiben und zu bauen oder nicht. Gegenüber von Datteln 4 stehen noch die zwei alten Schornsteine von Datteln 1 bis 3. Diese alten Blöcke verursachen für den Energieerzeuger Uniper zu hohe Kosten. Sie sind abgeschaltet. Das liegt auch am Emissionshandel. Alle, die jetzt noch viel Strom aus Kohlekraftwerken verbrauchen, können vor den nächsten Wahlen darauf drängen, Emissionsrechte stärker zu verknappen. Dann könnte man den Emissionshandel so einstellen, dass auch die Klimaschutzziele erreicht werden. Es liegt also wieder mal an uns allen.

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