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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was den berühmtesten Ritter aller Zeiten so beliebt macht

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Von Avalon, heißt es in der Sage, wird Artus eines Tages wiederkehren: Manche halten die mythische Insel für den Glastonbury Tor, auf dessen Kuppe die Ruine des Turms von St. Michael’s steht. Bild: Picture-Alliance

Mehr als achthundert Jahre alt sind die Geschichten um König Artus. Dass sie bis heute so beliebt sind, hat seinen Gründe – in der Herrschaft und in den Vorlieben des berühmtesten aller Ritter.

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          Für den sagenhaften König Artus, den berühmtesten Ritter aller Zeiten, war das Pfingstfest, das wir am kommenden Sonntag feiern, das wichtigste Fest im ganzen Jahr – weit vor Ostern und Weihnachten. Die anderen Feste kommen in den Geschichten, die von Artus erzählen, fast gar nicht vor, und wenn doch, dann laufen sie nicht immer gut für Artus ab. Weihnachten zum Beispiel: Artus will, so steht es in einem der Romane, ein großes Fest feiern und friert dann doch allein in seiner Burg vor sich hin, während ein Fremder Artus‘ Frau Ginover anhimmelt.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Pfingsten aber ist sein Lieblingsfest – „was immer man von Artus erzählt, das ist an Pfingsten geschehen“, schreibt der mittelalterliche Dichter Wolfram von Eschenbach um das Jahr 1200.

          Wie sein wohl etwas älterer Kollege Hartmann von Aue beschreibt auch Wolfram von Eschenbach den König Artus nach französischen Vorbildern, die wiederum auf noch ältere Texte zurückgreifen. Es gibt sogar Bruchstücke aus dem frühen Mittelalter, die einen Krieger beschreiben, der Artus schon ein bisschen ähnelt.

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          Aber wenn die Geschichte einen wahren Kern hat, dann wird der in der Folge kräftig ausgeschmückt. Die Schriftsteller, die über ihn schreiben, geben ihm eine Frau (Ginover), einen Lieblingsritter (sein Neffe Gawan), einen Zauberer (Merlin), einen Aufpasser für die anderen Ritter (Keie), ein Schwert (Excalibur) und einen runden Tisch, an dem alle Ritter gleichberechtigt sitzen können – keiner muss ans Fußende, wie das bei einem normalen Tisch nötig wäre, alle schauen dem König ins Gesicht.

          Damit hebt sich Artus von allen anderen Herrschern ab, und vielleicht hören wir deshalb so gern die Geschichten, die von ihm handeln: Jeder kann zu ihm kommen, alle werden erst einmal freundlich behandelt, wenn sie kein Verbrechen begangen haben, jeder darf sich etwas vom König wünschen – und das bringt Artus und den Hof nicht selten in Bedrängnis, denn es gibt unverschämte fremde Ritter, die sich vom König dreist die Königin wünschen und mit ihr davonreiten wollen.

          So eine Bedrängnis kann sogar zu Pfingsten geschehen, wie Wolfram von Eschenbach schreibt. Am Ende seines Artus-Romans „Parzival“ aber ist alles wieder im Lot, der König hat – nicht durch Kämpfen, sondern durch geschicktes Verhandeln – den Frieden zwischen den Rittern herbeigeführt. Denn obwohl Artus in seinen jungen Jahren wohl ein großer Kämpfer war: am liebsten feiert er Feste und lässt sich abenteuerliche Geschichten erzählen. Noch ein Grund, sich gern an ihn zu erinnern, auch viele Jahrhunderte später.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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