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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie ein Stau entsteht

Ein Phänomen, zwei Begründungen: Stau Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 02:47

Ein Phänomen, zwei Begründungen: Stau Bild: AFP

Heutzutage wissen wir auch bei der längsten Fahrt in den Urlaub, wann wir etwa ankommen werden. Bis wir auf einmal im Stau stehen. Für seine Entstehung gibt es zwei Erklärungen – eine langweilige und eine interessante.

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          „Wann sind wir endlich da?“ Noch vor ein paar Jahren konnte man autofahrenden Eltern mit dieser Frage ganz schön auf die Nerven gehen. Heute haben die meisten Leute ein Navi im Auto, und da kann man die voraussichtliche Ankunftszeit genau ablesen – auch von der Rückbank aus –, und bei längeren Strecken stimmt die Vorhersage der Geräte oft auf die Minute genau.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es sei denn, man steht auf einmal im Stau. Wie kann das passieren? Darauf gibt es eine langweilige und eine interessante Antwort. Die langweilige ist langweilig, weil sie sich jeder denken kann: Irgendetwas blockiert auf einmal die Fahrbahn. Nur ganz selten ist es etwas Spannendes, meist ist eine Baustelle der Grund oder die Sperrung der Straße nach einem Unfall, und die Autos drängen sich oder müssen anhalten, bis das Hindernis wieder beseitigt ist. Interessanter ist, dass Staus auch völlig ohne plötzliche Blockaden oder auch nur Fahrbahnverengungen auftreten können, sondern einfach so, aus dem Nichts sozusagen.

          Bild: F.A.Z.

          Das geschieht meistens dann, wenn so viele Autos auf der Straße sind, wie überhaupt draufpassen. Halten die Autos den empfohlenen Abstand voneinander (Regel: Die Hälfte der Tachoanzeige in Metern), dann sind das zum Beispiel bei lauter vier Meter langen PKW, die alle mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h fahren, etwas über 1800 Autos pro Stunde und Fahrspur, die an einem neben der Straße stehenden Zuschauer vorbeifahren.

          Doch angenommen, ein Auto bremst ein klein wenig ab – sagen wir, weil dort drin ein Kind sitzt, dem auf einmal schlecht geworden ist und der Vater am Steuer nun von einem Moment auf den anderen nach einem Parkplatz Ausschau halten muss. Der nachfolgende Autofahrer bremst nun ebenfalls, aber mit etwas Verzögerung, denn zwischen dem Aufleuchten der Bremslichter vor ihm und seinem Tritt auf die Bremse vergeht Zeit. In dieser Zeit verringert sich der Abstand zwischen den beiden Autos, weswegen der zweite Fahrer etwas stärker bremsen muss als der erste.

          Dem Fahrer hinter diesem wird das gleiche passieren, und er wird noch langsamer werden und so weiter – bis noch ein paar Autos weiter hinten ein Fahrer ganz anhalten muss. Er, und alle hinter ihm, stehen plötzlich im Stau. Bis ein solcher „Stau aus dem Nichts“ sich wieder auflöst, dauert es eine Weile, denn das Wiederanfahren jedes Autos geschieht nun ebenfalls jeweils mit Verzögerung. Und je mehr Autos stehen geblieben sind, desto länger dauert es, bis es wieder vorwärts geht.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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