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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Quallen wichtig sind

Polypen, Partyteller, Quallen-Chips

Wie sich Quallen vermehren, ist besonders ungewöhnlich: Im Inneren des Quallenschirms liegen auch die Fortpflanzungsorgane. Da diese Tiere Zwitter sind, können sie sowohl Eier als auch Samen bilden. Die befruchteten Eier werden im Mundarm ausgebrütet. Daraus entwickeln sich Larven, die ins Wasser abgegeben werden. Sie schwimmen zum Meeresboden, halten sich dort fest und wachsen zu Polypen. Bei Quallen sind diese zwischen einigen Millimetern und mehreren Zentimetern groß. Die Polypen der Aurelia aurita, der bekannten Ohrenqualle, werden beispielsweise fünf Millimeter groß.

Polypen sind wirklich faszinierend, denn nach allem, was die Forscher heute wissen, sind Polypen zumindest theoretisch unsterblich. Wenn sie nicht gerade von Schnecken gefressen werden. Schneidet man einen Polypen in zwei Teile, stirbt er nicht, sondern beide entwickeln sich wieder zu vollwertigen Polypen. Das funktioniert, weil Polypen Stammzellen besitzen, aus denen sie die fehlenden oder beschädigten Teile nachwachsen lassen. Zu bestimmten Jahreszeiten schnürt der Polyp einen Teil seines Körpers ab und bildet daraus mehrere tellerförmige Gebilde. Das sieht aus wie ein Stapel winzige Partyteller, die über dem Meeresboden schweben. Diese abgetrennten Bereiche werden zu winzigen Baby-Quallen, so genannten Ephyralarven, die nach ihrer Trennung vom Polypen wegschwimmen. Der Polyp bleibt, nachdem er den Quallennachwuchs abgegeben hat, auf dem Meeresboden, wächst nach, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Doch Quallen sind nicht nur eklig und glitschig, sondern auch sehr nützlich für das Ökosystem, einige Arten fressen sogar Plastik wie Forscher herausfanden. Außerdem sind sie nicht nur für Fische und Schildkröten genießbar. Auch wir Menschen können problemlos die weniger giftigen Quallen essen. In der asiatischen Küche werden sie zum Beispiel als Salat mit Gurke gegessen. Dänischen Wissenschaftlern ist es sogar gelungen, „Quallen-Chips“ herzustellen.

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Die Qualle ihrerseits bevorzugt Algen und kleine Krebstiere. Das Problem ist, dass mit abnehmendem Fischbestand die Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde der Quallen immer weniger werden. Da Quallen anpassungsfähiger sind als Fische und mit Schwankungen des Sauerstoffgehalts im Wasser besser umgehen können, vermehren sie sich stärker und sind dadurch häufiger anzutreffen.

Weil sich Quallen nicht gegen die Strömung bewegen können, werden sie häufig bei ungünstigem Wind an den Strand gespült. Dort sorgen sie dann für Ekel, Neugier und Quallen-Schlachten. Spürt eine Qualle eigentlich, wenn sie angepiekt oder durch die Gegend geworfen wird? Obwohl Quallen nur ein primitives Nervensystem besitzen, können sie Reize aus ihrer Umgebung wahrnehmen. Sie bemerken sehr wohl, wenn sie statt im Wasser zu schwimmen auf dem Trockenen sitzen. Quallen wissen, wo oben und unten ist und aus welcher Richtung der Wind weht, können nach allem, was wir heute wissen, jedoch weder Schmerz empfinden noch kommunizieren. Sie sind also eher mit im Wasser waberndem Wackelpudding vergleichbar. Trotzdem wäre es netter, wenn man den gestrandeten salzigen Wackelpudding, anstatt ihn durch die Gegend zu werfen oder anzupieken, wieder zurück ins Wasser bringt. Und sei es zum Fischefüttern.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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