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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie die Juden Jom Kippur feiern

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Junge Schofar-Spieler vor Rosch ha-Schana in Jerusalem Bild: EPA

Am Dienstag ist Jom Kippur. Beim wichtigsten Feiertag der Juden geht es um Versöhnung, um Reue und Vergebung. Über die Vorbereitung, die Rituale und die Bedeutung des Fests.

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          Nicht zum Aushalten ist das: Ein Streit unter guten Freunden bricht aus, oder ein Zwist in der Familie eskaliert. Die Wut auf jemanden, den man mag, wird immer größer. Ehe man sich versieht, sind auch schon gemeine und verletzende Worte gefallen. Und wenn die Gefühle wieder abkühlen, merkt man, dass es alles eigentlich gar nicht so gemeint war. Was aber bleibt, ist ein dicker Kloß in der Magengrube und der Wunsch, sich wieder zu vertragen. Doch manchmal braucht es viel Überwindung, bis man sich traut zu sagen: „Es tut mir leid”, oder „ich verzeihe dir.”

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          Für Juden weltweit ist dieser Moment der Versöhnung Teil ihres wichtigsten Feiertags – des Jom Kippur. Das Fest wird am zehnten Tag des Monats Tischri gefeiert. Der jüdische Kalender richtet sich nicht nach der Sonne, sondern nach dem Lauf des Mondes. Das bedeutet, dass Jom Kippur zwischen September und Oktober stattfindet. 2018 fällt der Tag der Versöhnung dann auf den kommenden Dienstag, den 18. September.

          Bild: Johannes Thielen

          Zehn Tage vorher feiern die Juden den Beginn ihres neuen Jahres, Rosch ha-Schana genannt. Danach hat man noch Gelegenheit, sich bis zum Jom Kippur ganz genau zu überlegen, wem man Unrecht angetan hat. Man soll bereuen und dafür um Verzeihung bitten, aber auch sich selbst ein Herz fassen und anderen vergeben. Denn nach dem jüdischen Glauben schreibt sich Gott die Taten aller Menschen auf und besiegelt so deren Schicksal – zum Guten oder Schlechten. Wer also rechtzeitig zum Tag der Versöhnung Reue zeigt, bekommt die Möglichkeit, in das Buch des Lebens, das Sefer Chajjim, eingetragen zu werden. Dort stehen nämlich die Namen aller, die Gutes getan haben. Deswegen wünschen sich Juden auch vor dem Jom Kippur eine gute Besiegelung: „Chatima Towa!“

          Am Vortag des Jom Kippur finden die letzten Vorbereitungen statt: Viele gläubige Juden besuchen die Mikwe. Das ist eine Art Bad, um am Festtag gegenüber Gott so rein wie möglich zu stehen. Nach dem Nachmittagsgebet isst man gemeinsam, und am Abend zünden die Mädchen und Frauen Kerzen an. Die Menschen versammeln sich in der Synagoge zum Gebet – dem Kol Nidreij. Darin werden alle Schwüre und Versprechen, die man vorher gemacht und doch gebrochen hat, aufgehoben. Denn alles, was jetzt zählt, ist ein reines Gewissen vor Gott.

          Jom Kippur dauert einen ganzen Tag lang. Niemand arbeitet oder geht zur Schule. Doch das heißt nicht, dass man seine Freizeit genießen soll. Die Menschen fasten und verzichten auf viele wichtige Dinge wie Essen oder Duschen. Auch Musik zu hören oder mit dem Handy zu spielen, ist tabu. Nichts soll davon ablenken, dass man über sein Leben nachdenkt. Aber auch das Schicksal anderer soll beachtet werden. Deswegen spenden viele zum Feiertag an arme Menschen.

          Fünf Gottesdienste finden während Jom Kippur statt, zusammen dauern sie zehn Stunden lang. Während dieser Zeit schmücken sich viele Gläubige in weiße Kleidung, als Zeichen der Freiheit von Sünden. Lederschuhe dürfen nicht getragen werden, da dafür Tiere sterben mussten, und das passt nicht zur Festtagskleidung. Nach dem letzten Gebet in der Synagoge bläst man abschließend in das Schofar, ein rituelles Horn. So endet dann der Tag der Versöhnung.

          In dem Sinne „Chag sameach!“ – ein frohes Fest.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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