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Wie erkläre ich’s meinem Kind : Was am Mars so interessant ist

Dann wollen wir mal: So stellt sich die Nasa vor, wie es aussieht, wenn der Lander „Insight“ auf dem Mars mit seinen Untersuchungen beginnt. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 06:38

Dann wollen wir mal: So stellt sich die Nasa vor, wie es aussieht, wenn der Lander „Insight“ auf dem Mars mit seinen Untersuchungen beginnt. Bild: Nasa via AP

Über fünfzig Sonden haben wir Menschen schon in Richtung des roten Planeten geschickt, Anfang der Woche ist wieder eine gelandet. Dass uns ausgerechnet der Mars so beschäftigt, hat drei Gründe.

          3 Min.

          Schon wieder eine Marssonde? Das werden sich nicht wenige Leute gefragt haben, als die amerikanische Weltraumbehörde Nasa am Montagabend live im Internet die geglückte Ankunft ihres Landers „Insight“ auf dem Mars feierte. Tatsächlich hatte unser roter Nachbarplanet schon jede Menge Besuch von der Erde. Mehr als fünfzig Raumfahrzeuge wurden schon zu ihm geschickt. Zwar kam nur etwa die Hälfte von ihnen heil – oder überhaupt – dort an, doch auch die andere Hälfte hat fleißig Daten geliefert und das nun schon seit 54 Jahren. Aktiv sind derzeit insgesamt acht Sonden am Mars im Einsatz. Sechs umkreisen ihn als Beobachtungssatelliten, zwei fahren beziehungsweise stehen auf seiner Oberfläche. Damit ist er der nach der Erde heute am besten überwachte Himmelskörper überhaupt. Selbst manche Gegenden unseres Heimatplaneten, einige Tiefseeregionen nämlich, sind nicht so genau kartiert wie die Oberfläche des Mars.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Warum ist das so? Warum interessieren sich die Forscher heute mehr für den Mars als beispielsweise für den Mond, der uns doch sehr viel näher ist? Oder für die Venus, unseren anderen Nachbarplaneten, der obendrein etwa die selbe Größe hat wie die Erde? Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe.

          Bild: Johannes Thielen

          Erstens ist der Mars gut zu erforschen, jedenfalls besser als die Venus. Deren Oberfläche ist von einer sehr dicken Wolkenschicht verhüllt, und die Bedingungen auf der Oberfläche sind sehr unwirtlich. Es ist doppelt so heiß wie in einem Backofen, und besagte Wolken bestehen aus Schwefelsäure. Keine der Landesonden auf der Venusoberfläche hat dort viel länger als eine Stunde durchgehalten.

          Zweitens aber gibt es auf dem Mars deutlich mehr zu erforschen. Der geologisch vielfältigste Himmelskörper des Sonnensystems ist zweifellos die Erde – nirgendwo sonst gibt es so viele verschiedene Minerale, Gesteine und Landschaftsformen und solch vielfältige Wetterphänomene wie auf unserer Heimatwelt. Doch danach kommt gleich der Mars. Er hat zwar nur etwa den halben Durchmesser der Erde und ein Viertel ihrer Oberfläche, ist ihr aber ansonsten in vielem verblüffend ähnlich. So rotiert er fast so schnell um die eigene Achse: ein Marstag dauert 24 Stunden und 37 Minuten. Die Drehachse des Mars steht zudem nur unwesentlich schiefer als die der Erde, und er ist nur etwa anderthalb mal so weit von der Sonne entfernt, so dass deren Wärme dort noch gut spürbar ist.

          All dies zusammen bedeutet, dass es auch auf dem Mars einen Wechsel der Jahreszeiten gibt.  Außerdem hat er ebenfalls eine Atmosphäre. Sie ist zwar dünner als die unsrige und besteht aus einem Gas, das man nicht atmen kann, aber dafür ist sie wenigstens durchsichtig. Damit gibt es Wind und auch so etwas wie Wetter auf dem Mars: kleine Windhosen genauso wie ausgedehnte Stürme. Und obendrein besitzt der rote Planet, wie man heute weiß, reichlich Wasser.

          Es ist nur leider nicht flüssig. Vielmehr sitzt es gefroren an den Polkappen und unter der Oberfläche als mit Eis vermischter Sand. Das macht das Marswetter dann doch etwas eintöniger als das auf der Erde: Es regnet nie, Schnee fällt auch keiner, und die wenigen Wolken, die es gibt, sind aus Eiskristallen. Flüssiges Wasser ist auf dem Mars nämlich nicht oder nur sehr vorrübergehend möglich. Das liegt nicht nur daran, dass es dort saukalt ist – im Mittel rund minus 60 Grad und damit etwa so kalt wie in den kältesten Gegenden der Erde im Winter –, sondern vor allem an der dünnen Luft. Denn je niedriger der Luftdruck, desto geringer die Temperatur, bei der Wasser zu kochen beginnt. Auf dem Mars ist er so gering, dass dort verschüttetes Wasser selbst bei diesen extremen Minusgranden sofort verdampfen würde. Es gibt daher auch keine Meere, Seen oder Flüsse.

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          Das heißt, heute gibt es auf dem Mars dergleichen nicht. Vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren dagegen muss es auf dem Planeten eine Zeit lang einmal richtig nass gewesen sein. Denn man findet dort jede Menge Flusstäler, die irgendwann ausgetrocknet sind, und der Rover „Curiosity“ fährt seit über sechs Jahren in einem Krater herum, der einmal mit einem See gefüllt war.

          Auf der Erde gediehen in solchen Gewässern  vor dreieinhalb Milliarden Jahren schon Mikroben. Eine der großen Fragen ist nun, ob sich damals auch auf dem Mars Lebensformen entwickelt haben – und wenn ja, ob das unabhängig von der irdischen Biosphäre geschah. Wenn es welche gab, dann könnten sich davon versteinerte Reste erhalten haben. Einige Forscher halten es sogar für denkbar, dass solche Marsmikroben bis heute überdauert haben – tief im Marsboden, wo dank vulkanischer Wärme und hohem Druck zumindest sehr salziges Wasser flüssig geblieben sein könnte. Aber auch als Fossilien wäre die zweifelsfreie Entdeckung und Erforschung marsianischer Lebensformen etwas so Interessantes, dass die Wissenschaftler alle Marsgegenden, die als mögliche Fundorte in Frage kommen, so genau untersuchen wollen, wie sie können.

          Am besten wäre es natürlich, man könnte dazu nicht nur ferngesteuerte Sonden einsetzen sondern Menschen. Womit wir auch schon beim dritten Grund für das gesteigerte Interesse am Mars wären. Er ist bis auf weiteres das bei weitem realistischste Ziel für den Menschheitstraum, andere Planeten mit eigenen Augen zu erkunden.  Eine Marsexpedition wäre allerdings langwierig – allein die Anreise dauert mindestens sechs Monate. Sie wäre ziemlich teuer und für die beteiligten Astronauten einigermaßen gefährlich. Die Kosten vor allem sind es, die ein bemanntes Marsprogramm bisher verhindert haben. Eine Schätzung der Nasa aus dem Jahr 1989 kommt auf eine Summe von etwa einer Billion Dollar nach heutiger Kaufkraft – und damit etwa so viel Geld, wie die Amerikaner ihr Eingreifen im Irak zwischen 2003 und 2011 gekostet hat. Moderne Technik und internationale Zusammenarbeit könnte die Sache aber irgendwann erschwinglich machen, und spätestens dann wird man es versuchen – vor allem dann, wenn „Insight“ oder eine der nächsten geplanten Robotersonden etwas besonders Interessantes finden.

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