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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Oma und Opa plötzlich zu einer Risikogruppe zählen

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Gerade wäre Abstand ein Liebesbeweis: Mädchen an Großvaters Schulter Bild: Picture-Alliance

Ältere Menschen sind besonders gefährdet, vom neuartigen Coronavirus schwer krank zu werden. Das lässt sich medizinisch erklären. Aber was können Enkelkinder tun, damit die Großeltern fit bleiben?

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          Mittlerweile sind sie sich eigentlich alle einig, Politiker und Wissenschaftler. Sie sagen: Es wird kaum noch zu verhindern sein, dass sich das neue Coronavirus in Deutschland, in Europa und über die ganze Welt ausbreitet. Das ist erst einmal keine gute Nachricht. Der Trost dabei: Für die allermeisten, vermutlich etwa vier von fünf Menschen, stellt das Coronavirus keine große Gefahr dar. Erwischt es einen, dann ist man zwar stark erkältet, hat Husten, Schnupfen, etwas Fieber und fühlt sich schlapp. Nach einigen Tagen ist das aber überstanden, und man ist wieder gesund.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bleibt die Frage: Was ist mit diesem einen von fünf Menschen? Der zeigt, zumindest der Statistik nach, deutlich schwerere Symptome, wenn er am Coronavirus erkrankt. Er bekommt eine Lungenentzündung, Atemnot oder kann sogar an der Erkrankung sterben. Nun weiß man mittlerweile, dass nicht alle Menschen dasselbe Risiko haben, dieser eine Mensch von fünf zu sein. Sondern es gibt Gruppen, die sind deutlich gefährdeter, schwerkrank zu werden, falls sie das neuartige Coronavirus erwischt.

          Zu diesen sogenannten Risikogruppen zählen Menschen, die schon eine Krankheit haben – etwa Diabetes, Bluthochdruck, eine Immunschwäche oder eine Herzerkrankung. Und es zählen ältere Menschen dazu, auch wenn sie gesund sind. Manche sprechen davon, dass zu den älteren Menschen in dem Fall schon alle zählen, die über fünfzig Jahre alt sind. Die meisten Experten sagen aber: Wer jenseits des 65. Lebensjahres ist, der zählt als alt und gehört damit erst zur Risikogruppe. Besonders gefährlich kann das Virus für einen werden, wenn man älter ist und Vorerkrankungen hat. Also gleich die Kriterien beider Risikoguppen erfüllt. Da kommen wir zu einer schlechten Nachricht: Diese Kombination kommt leider häufig vor, denn normalerweise wird man eher im Alter krank. Und das hat einen relativ einleuchtenden Grund: Je älter ein Mensch wird, umso älter wird auch sein Körper. Und wie bei einem Auto oder Haus: Dinge, die viel in Gebrauch sind, verschleißen und zeigen größere oder kleinere Macken.

          Eine Abwärtsspirale

          Der menschliche Körper ist 24 Stunden am Tag im Einsatz. Dass er da nach 60, 70 Jahren am Herzen, an der Lunge, an den Knochen oder den Augen etwas Verschleiß zeigen kann, das darf wirklich nicht überraschen und gehört einfach zum Leben dazu. Typische Altersbeschwerden sind schmerzende Gelenke, schlechte Augen und ein abnehmendes Hörvermögen, aber eben auch ein schwächeres Immunsystem. Und da sind wir an dem Punkt, warum ältere Menschen, auch wenn sie eigentlich gesund sind, anfälliger für schwere Verläufe einer Corona-Infektion sein können.

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          Unser Immunsystem ist dafür da, Krankheitserreger zu erkennen, sie einzufangen und zu bekämpfen, möglichst bevor sie Schaden anrichten können. Und wenn sie uns doch schon krankgemacht haben, dann sorgt das Immunsystem dafür, dass die Erreger ihre Wirkung verlieren. Ist das Immunsystem aber schon alt, dann kann es nicht mehr so viele und vor allem nicht mehr so schnell wichtige Immunzellen zur Abwehr bereitstellen. Die Produktion läuft schleppender, die Krankheitserreger haben mehr Zeit, Schaden im Körper anzurichten. Manches Mal sind die Immunzellen, die der Körper im Alter noch hat, auch schon voller Macken, so dass sie zwar in großer Anzahl da sind, aber nicht mehr richtig funktionsfähig. Auch dann braucht der Körper sehr viel mehr Zeit und Kraft, Viren und Bakterien zu bekämpfen. Und so entsteht dann schnell eine Abwärtsspirale, die ältere Menschen eben selbst bei vermeintlich harmlosen Erkrankungen schwer leiden lassen kann. Wenn der Körper es nicht schafft, Erreger fix zu identifizieren, zu bekämpfen und unwirksam zu machen, wenn diese also Zeit haben, nicht nur Husten auszulösen, sondern etwa wirklich die Lunge zu schädigen, dann ist der betroffene Mensch kränker und noch viel schwächer, Abwehr- und Immunzellen herzustellen. Es entsteht so die Gefahr, dass er immer kränker wird oder sehr viel Zeit braucht, um wieder auf die Beine zu kommen.

          Um ältere Menschen genau davor zu schützen, empfehlen Experten eben nun, dass sie vor allem soziale Kontakte und Großveranstaltungen meiden, dass sie sich von Erkrankten fernhalten und sich immer besonders gut die Hände waschen. Jüngere Menschen können sie dabei unterstützen, indem sie für Älltere einkaufen, sie in keinem Fall krank besuchen, sondern nur telefonieren und vielleicht statt einer Umarmung nur mal freundlich Nicken und etwas Nettes sagen. Und was auch noch wichtig ist: Selbst wenn das Immunsystem schon alt ist, man kann versuchen, es in Form zu halten, indem man viel an die Luft geht, sich bewegt, gesund isst und Freude am Leben hat.

          Wer also seinen Großeltern in den kommenden Wochen etwas Gutes tun will, der besucht sie nur, wenn er wirklich sicher gesund ist. Und dann geht er mit ihnen spazieren, bringt einen Obstsalat statt Kuchen mit und hat ein paar vergnügliche Stunden mit ihnen. So bleiben Großeltern sehr wahrscheinlich vital.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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