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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum wir nicht wissen, wann die Schule wieder anfängt

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Wann sind hier wieder Schüler? Bild: Reuters

Das Coronavirus ist gefährlich. Aber es ist auch gefährlich, das Leben monatelang anzuhalten. Bei der Entscheidung, wann und wie es wieder weitergeht, auch mit der Schule, muss man ein paar Dinge berücksichtigen.

          2 Min.

          Fünf Wochen nicht zur Schule gehen – das klingt natürlich erst mal super. Doch auch viele Kinder haben schnell gemerkt, dass diese Zeit nicht nur schön ist. Das Kino ist geschlossen. Die Freunde zu besuchen, ist nicht erlaubt. Die Großeltern auch nicht. Und das Lernen funktioniert auch nicht immer so gut wie in der Schule, dabei wollen die meisten Schüler ja am Ende doch etwas lernen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So ähnlich ist es auch mit dem Leben der Erwachsenen. Manchen geht es auch schlechter. Großeltern sind traurig, dass sie ihre Enkel nicht sehen dürfen. Viele Menschen haben Angst um ihre Arbeit, weil sie in Betrieben gearbeitet haben, die jetzt geschlossen sind. Es gibt noch mehr Probleme: Weil Grenzen nicht mehr so leicht überschritten werden können, finden viele Produkte aus anderen Ländern nicht mehr so schnell ihren Weg nach Deutschland. Irgendwann können auch Produkte knapp werden, die in der Krise benötigt werden. Aus früheren Krisen weiß man: All diese Sorgen machen ebenfalls manche Menschen krank, einige sterben sogar. Darum sind sich viele Leute einig: Ein paar Wochen Pause hält das Land durch, auch wenn es wehtut – ein paar Monate eher nicht.

          Deshalb würden viele Leute nach den Osterferien gerne wieder normal weiterarbeiten. Doch das ist nicht so leicht. Alle hoffen, dass das neue Coronavirus in Deutschland dann nicht mehr so weit verbreitet ist wie vorher, doch es ist dann nicht aus der Welt verschwunden. Deshalb kann man sich immer noch anstecken – vor allem, weil das Virus oft von Menschen verbreitet wird, die noch gar nicht bemerkt haben, dass sie krank sind. Wenn wieder mehr Menschen unterwegs sind, stecken sich wieder mehr Menschen an: Die Welle kann jederzeit von vorn beginnen.

          Es gibt also zwei Gefahren: Auf der einen Seite die Gefahren, die das Anhalten des öffentlichen Lebens birgt. Auf der anderen Seite die Gefahren vor allem für kranke und auch für alte Leute, wenn das Leben weitergeht und sich das neue Coronavirus wieder ausbreitet. Viele Menschen wollen zwischen diesen Gefahren nicht abwägen: Es fühlt sich so an, als würde man entscheiden, welchen Menschen es schlecht gehen soll – gar nicht schön.

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          Also suchen Politiker und Wissenschaftler jetzt nach einem Weg, wie beides gleichzeitig geht: Das Land wieder ans Laufen zu bringen und die gefährdeten Menschen zu schützen. Dafür gibt es mehrere Ideen:

          Wenn Deutschland wirklich nur noch sehr wenige Coronavirus-Infizierte hat, können die Behörden jeden einzelnen Infizierten zu Hause unter Quarantäne stellen, so wie in den ersten Wochen der Krise. Vielleicht gibt es auch bald neu entwickelte Tests, mit denen jeder schnell herausfinden kann, ob er das Coronavirus hat und lieber zu Hause bleibt. Vielleicht werden Restaurants wieder geöffnet, aber Großveranstaltungen wie Popkonzerte bleiben erst mal verboten.

          Was genau passiert, darüber diskutieren Politiker und Wissenschaftler gerade. Wie sie sich entscheiden, das wird auch davon abhängen, ob das Coronavirus in den nächsten Wochen wirklich zurückgedrängt wird. Helge Braun, ein enger und einflussreicher Mitarbeiter von Bundeskanzlerin Merkel, hat schon gesagt: Die jungen Leute dürfen sich wahrscheinlich zuerst wieder frei bewegen. Das sind doch schöne Aussichten für die Kinder!

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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