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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es Streit über wilde Tiere gibt

Keine freie Wildbahn: Dieser Wolf lebt im Tierpark Hexentanzplatz in Sachsen-Anhalt in einem Gehege. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 03:52

Keine freie Wildbahn: Dieser Wolf lebt im Tierpark Hexentanzplatz in Sachsen-Anhalt in einem Gehege. Bild: dpa

Wölfe, Wisente, Biber: Die einen finden es wichtig, dass selten gewordene Wildtiere wiederkommen, die anderen fanden es ganz gut, dass sie weg waren. Warum sich manche von bedrohten Tierarten bedroht fühlen und was man da machen kann.

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          Wer will, dass unsere Umwelt wieder etwas wilder wird, muss sich auf hitzige Diskussionen gefasst machen. Die Menschen haben sich mit ihren Äckern, den vielen Ortschaften und einem riesigen Straßennetz breitgemacht, wo früher Wolf, Bär, Geier, Waldrapp oder Wisent ohne Einschränkungen leben konnten. Von natürlichen Hindernissen wie Flüssen oder Gebirgen einmal abgesehen. Und nicht nur diese Tiere wurden zurückgedrängt, auch für unscheinbare Arten wie den Feldhamster, Wiesenpieper oder Alpensalamander sieht es inzwischen schlecht aus. Solche kleinen Wilden können allerdings profitieren, wenn man die großen zurückholt, sie wieder ansiedelt und diese Gebiete unter besonderen Schutz stellt.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

           Um die biologische Vielfalt zu erhalten, braucht man natürliche Lebensräume. Deshalb wird oft um den Platz gestritten, aber eben nicht nur. Auch die Gefahr, die von Raubtieren oder sehr großen Arten ausgeht, ist ein wichtiges Argument. Auf der anderen Seite der Debatte stehen also zum Beispiel die Schäfer und Viehzüchter, die sich um ihre Herden sorgen, da inzwischen wieder mehr als siebzig Wolfsrudel im Land unterwegs sind. Im Jahr 2000 wurden die ersten Welpen in der Oberlausitz geboren, seither wurde es nie still um die Frage: Wie viel Wolf vertragen wir?

          Und während Naturschützer die Partei der Wölfe und anderer Wildtiere ergreifen, sich für deren Belange einsetzen und Vorurteile ausräumen, müssen gleichzeitig Lösungen gefunden werden, wenn Biber mit ihren Dämmen zum Beispiel die falschen Flächen unter Wasser setzen. Oder wer schützt den Wald vor den Wisenten im Rothaargebirge, die dort wieder frei durchs Gelände ziehen? Noch, denn ihr Fall landete schon mehrfach vor Gericht. Jene, die mit dem Holz möglichst schön gewachsener Bäume ihr Geld verdienen, möchten die Wisente aus dem Wald verbannen, weil die zotteligen Riesen offenbar gerne Buchenrinde knabbern und somit Schaden anrichten. Andere sehen sie wiederum als Gewinn für die Region, als Attraktion für Touristen, die sich daran gewöhnen müssten, beim Wandern auch einmal ein paar Bisons zu begegnen.

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          Zumindest wissen wir heute viel mehr über die Wildtiere, die man früher oft auch aus den falschen Gründen jagte. Berüchtigt waren zum Beispiel die Lämmergeier, was dazu führte, dass man die beeindruckenden Vögel in den Alpen ausrottete. Dabei greifen sie sich keine Beutetiere, sondern ernähren sich hauptsächlich von Knochen. Sie räumen in den Bergen also auf. Und diesen wichtigen Job dürfen sie seit einiger Zeit wieder ausüben: Heute nennt man sie eher bei ihrem zweiten Namen: Bartgeier. Sie werden in mehreren Zoos gezüchtet und in passenden Tälern ausgesetzt. Mit Erfolg, in den Alpen sind sie jetzt wieder öfter in der Luft zu sehen, wenn sie auf langen Erkundungsflügen ihre Kreise ziehen.

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          Die Geier muss niemand fürchten, doch wie sieht es mit den Wölfen aus? Sie müssen scheu sein und sollten nicht die Nähe des Menschen suchen. Ein Stichwort ist „Herdenschutz“, so können Elektrozäune helfen, die Raubtiere von den Schafen fernzuhalten. Und es genügt nicht mehr, allein auf die üblichen Hütehunde zu vertrauen. Diese können zwar eine Herde zusammentreiben, aber nicht unbedingt gegen Eindringlinge verteidigen. Dafür sind größere und kräftigere Rassen besser geeignet, die dann noch speziell trainiert werden müssen. Es sind also einige Aspekte zu bedenken, wenn wir wieder mehr Wildnis zulassen wollen.

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