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F.A.Z. Podcast für Deutschland : Virologe Drosten: „Wird ein quälend langer Winter mit vielen Arbeitsausfällen“

Christian Drosten im Januar in Berlin. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 31:10

Christian Drosten im Januar in Berlin. Bild: dpa

Der Virologe Christian Drosten fürchtet, dass Deutschland in der Forschungspolitik doch nicht die richtigen Schlüsse aus der Pandemie zieht, da sich im Ukrainekrieg die Prioritäten ändern. Er empfiehlt im Interview Merkel als Vorbild.

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          Der Virologe Christian Drosten sieht die Gefahr, dass die Ampelregierung wegen des Ukrainekriegs nicht angemessene Schlüsse aus der Corona-Pandemie zieht. Im F.A.Z.-Podcast für Deutschland sprach er am Freitag von „eindeutigen Signalen“, dass wegen zusätzlicher Etatbelastungen „das Forschungsbudget in Deutschland reduziert werden wird ab dem nächsten Haushalt“.

          Andreas Krobok
          Leiter Audio/Video bei FAZ.NET.

          Drosten, der das Institut für Virologie am Berliner Klinikum Charité leitet und selbst Forschungsgeld beantragt, sieht Deutschland ins Hintertreffen geraten. In Amerika würden „jetzt ganz große Programme“ zur Pandemie- oder Impfstoffforschung aufgelegt. Drosten lobte die Politik der früheren Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie habe „in der letzten Wirtschaftskrise“ entschieden, dass nur bei Forschung nicht gespart werde, „weil das uns in Zukunft rettet“. Er führte den Umgang mit den Affenpocken als Beleg dafür an, dass sich die Strukturen hierzulande nicht genug verändert hätten. „Wir brauchen unbedingt das nächste Mal, wenn jetzt so ein möglicherweise pandemisches Problem kommt, sofort eine Registrierung von Patienten in klinischen Beobachtungsstudien, und wir brauchen gleich Kontrollgruppen.“ Bei den Affenpocken sehe er „da nicht allzu viel an Verbesserungen“.

          Deutschland habe im Kampf gegen Corona „in der ersten Welle mit am besten abgeschnitten“. Danach hätten „künstliche Kontroversen“ in den Medien einen Vertrauensverlust verursacht und effiziente Gegenmaßnahmen verhindert. Außerdem habe Deutschland ein „Föderalismusproblem“. Die „speziellen Probleme in Bayern, Sachsen, Thüringen“ während der Delta-Welle im Herbst 2021 seien „schon so eine Sache von diesem Föderalismus“.

          Das RKI warnt vor einem erhöhten Infektionsdruck im Sommer wegen der Verbreitung der Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5. Drosten aber sagte, er habe mit Blick auf den Sommer „im Moment keine allzu großen Bedenken“. Vom frühen Herbst an müsse man aber mit vielen Arbeitsausfällen rechnen. „Wir haben vielleicht nicht mehr so stark das Problem auf der Intensivstation, sondern einfach bei allen Arbeitgebern“, sagte Drosten: „Die werden das merken, und die werden das über quälend lange Zeit merken in dem kommenden Winter.“

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