https://www.faz.net/plus-edition/junge-sprachtalente-hessens-die-grosse-kommunikatorin-und-der-fleissige-stille-12719842.html

Junge Sprachtalente aus Hessen : Die große Kommunikatorin und der fleißige Stille

  • -Aktualisiert am

Christoph H.: Der 18 Jahre alte hochbegabte Schüler besucht in seiner Freizeit gern das Liebieghaus. Bild: Sick, Cornelia

Zwei Schüler aus Hessen gewinnen den Bundeswettbewerb für Fremdsprachen. Gegen mehr als 1000 Konkurrenten haben sie sich durchgesetzt. Aber auch Begabte haben es in der Schule nicht immer einfach.

          3 Min.

          Nicht der Erfolgswille hat Debora D. nach eigener Einschätzung zum Sprachgenie gemacht, sondern der Wunsch nach einer Tätigkeit, die intellektuell herausfordert, ihr aber auch spielend zufällt. Mit einem anderen Schüler aus Hessen, Christoph H., gewann Debora im Bundeswettbewerb für Fremdsprachen. Bundesweit wurden nur sieben Schüler ausgezeichnet.

          Ihre wilden Korkenzieherlocken hält eine grasgrüne Haarspange zusammen. Nach wenigen Minuten fallen Debora drei Strähnen ins Gesicht, doch sie bemerkt es nicht. Lebhaft redet sie weiter. Sie müsse nicht drei Stunden am Tag Fremdsprachen büffeln wie in anderen Fächern, etwa in Mathematik oder Geschichte, um besonders gut zu sein, sagt die siebzehnjährige Schülerin. Sie entwickele ihre Sprachkenntnisse ständig, indem sie mit internationalen Freunden kommuniziere und eifrig lese. Sogar nachts im Bett lerne sie etwas dazu, wenn sie „How I met your mother“ auf Englisch auf dem Bildschirm anschaue. Jedoch spricht sie nicht allein deshalb fünf Sprachen fließend: Debora unterhält sich auf Persisch, Französisch, Englisch und Japanisch, sie belegt auch Romanistik-Seminare an der Goethe-Universität.

          Deborah Darabi: Die hochbegabte 17 Jahre alte Schülerin wuchs zweisprachig auf.
          Deborah Darabi: Die hochbegabte 17 Jahre alte Schülerin wuchs zweisprachig auf. : Bild: Wonge Bergmann

          Langeweile im Kindergarten

          Im Unterschied zu Debora widmet sich Christoph, der in Kriftel wohnt und in Hofheim in die Main-Taunus-Schule geht, den Fremdsprachen täglich zwei bis drei Stunden. Während dieser Zeit liest er englische oder französische Bücher. Besonders gern befasst er sich mit französischsprachiger kanadischer Literatur. Das liegt an dem halben Jahr, das er in der elften Klasse in Quebec verbracht hatte. Die Quebecer verkörpern nach seiner Einschätzung eine Mischung aus „bayerischer Gemütlichkeit und französischem Savoir-vivre“, sagt der achtzehnjährige Schüler. In dieser Umgebung habe er sich sehr wohl gefühlt. Er entschied sich, allein nach Quebec zu ziehen, seine Familie förderte die Sprachbegabung wenig. Die Mutter lebte in ihrer Jugend in Südamerika, brachte ihm aber kein Spanisch bei. Vor zwei Jahren belegte er Spanisch- und Chinesisch-Kurse an der Volkshochschule in Frankfurt.

          Debora wuchs zweisprachig auf. Ihre Eltern stammen aus Iran und förderten das Sprachtalent ihrer Tochter von klein auf. Als sie mit fünf Jahren an ihrem Wohnort in Ober-Ramstadt eingeschult wurde - sie langweilte sich im Kindergarten - und Schreiben lernte, brachte ihr die Mutter auch die persische Schrift bei. Heute besucht Debora das Goethe-Gymnasium in Frankfurt. Außerdem ist sie Mitglied des europäischen Jugendparlaments. Dort saugt sie Wissen durch den Austausch mit anderen auf. Sie genießt es, über Politik zu diskutieren und von ihr zu lernen.

          Vielversprechend: Die beiden Sprachtalente aus Hessen beherrschen mehrere Sprachen.
          Vielversprechend: Die beiden Sprachtalente aus Hessen beherrschen mehrere Sprachen. : Bild: Rüchel, Dieter

          „Ärzte ohne Grenzen“ als Berufsziel

          Christoph hingegen begeistert sich kaum für Gruppenprojekte. Um sich intellektuell weiterzuentwickeln, liest er lieber, als sich zu unterhalten. In seiner Freizeit schlendert er durch Museen. Am liebsten besucht er das Liebieghaus. Sonntags nimmt er an Führungen teil. Er bringt immer einen kleinen Notizblock mit, schreibt eifrig mit, damit ihm nichts entgeht. Nach dem Abitur im nächsten Sommer möchte er Sinologie oder Kunstgeschichte studieren. Noch weiß er nicht, welchen Beruf er einmal ergreifen will.

          Debora strebt ein konkreteres Ziel an. Sie möchte einen Beruf ausüben, der der Gemeinschaft nutzt und gleichzeitig ihre eigenen persönlichen Interessen befriedigt. In genau dieser Reihenfolge. Momentan bewirbt sie sich für ein Stipendium an einer amerikanischen Eliteuniversität für den nächsten Herbst. An der Brown University könne man sich auf Komparatistik und Neurologie spezialisieren, das sei ihre „Traum-Kombi“. Anschließend möchte sie für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeiten.

          Leiden unter Missgunst

          Tatkräftig möchte sich Debora, wie sie sagt, für andere einsetzen. Die unangenehmen Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht habe, änderten nichts an ihrer philanthropischen Einstellung. Ihre Mitschüler hatten sie im Französischunterricht wegen ihrer sprachlichen Überlegenheit ausgeschlossen, „rollten mit den Augen“, wie sie es ausdrückt, wenn sie sich gemeldet habe. Dieses Verhalten setzte sie unter Druck, so dass sie Französisch abwählte.

          Auch Christoph leidet unter der Missgunst seiner Mitschüler. Es kränkt ihn, dass sie ihn kritisch mustern, wenn er wieder die beste Arbeit geschrieben hat. Er blickt betroffen ins Leere, als er dies schildert. Augenblicke später strahlt er aber wieder: Begeistert erzählt er von der Cambridge-Zertifikats-Prüfung.

          Topmeldungen

          Zukunftstechnologie: Batterieforschungszentrum in Münster

          US-Hilfen für grüne Produkte : Der Subventionswettlauf beginnt

          Muss die EU mit neuen Schulden und mehr Subventionen auf das US-Hilfspaket für grüne Produkte reagieren, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu wahren? Nicht nur Ökonomen sind skeptisch.
          Guter Tag für Porsche: VW- und Porsche-Chef Oliver Blume (links) und Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke beim Börsengang Ende September in Frankfurt

          Fast Entry : Porsche steigt in den Dax auf

          Eine sehr gute Kursentwicklung seit dem Börsengang lässt die Porsche AG sogleich in den Dax springen. Nur noch zwei Autohersteller auf der Welt sind wertvoller.