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Neue Häuser : Das Wohnmöbel von Wandlitz

Anja und Falko Drews wollten zwar ein kleines Haus - auf Annehmlichkeiten und Komfort jedoch nicht verzichten. „Es ging nicht einfach darum, ein paar Quadratmeter zu streichen, sondern alles, was man sich wünscht, auf wenig Fläche unterzubringen“, stellt Architekt Bonauer klar. Denn ein kleines Haus hat nicht weniger Funktionen zu erfüllen. Er und sein Kollege Michael Bölling mussten also reduzieren und zugleich dem Bau ein Maximum an Leistung abverlangen. Zunächst muss in einem solchen Haus der Eindruck von Enge unbedingt vermieden werden. Der derzeit im Wohnungsbau vielbeschworene Einklang von innen und außen hat hier wirklich Bedeutung. Raumhohe Fenster sind in diesem Fall kein architektonisches Mätzchen, sondern sorgen optisch für mehr Weite. Im Wohn-Essküchen-Bereich lässt sich der Raum über eine dreiteilige Hebeschiebetür nach außen öffnen.

Funktional, ohne kalt zu wirken

Gezielt gesetzte Öffnung im rückwärtigen Teil sorgen für Durchblick bis ins Grün des angrenzenden Nachbargartens. Andererseits darf zu viel Offenheit wiederum auch nicht sein. Denn sonst sitzt man wie im Glaskasten - und das ist in einem Haus, das allein seiner geringen Größe wegen kaum Rückzugsmöglichkeiten bietet, auch nicht wünschenswert.

Um das Hab und Gut der Bewohner unterzubringen, planten die Architekten so viele Wandschränke wie möglich. Hinter deren raumhohen Türen verschwinden im Flur auch Waschmaschine, Trockner und die Haustechnikanlage. Damit die Einbauten perfekt im Holzständerbau sitzen, kam es nicht nur auf eine exakte Planung im Vorfeld an, auch die Holzbauer mussten millimetergenau arbeiten.

Ordnung, Klarheit und Übersicht sind in einem kleinen Raum essentiell. Doch kühl und rein funktional soll er auch nicht wirken. Das gelingt durch die sämtlich mit gekälkter (heißt wirklich so) Eiche gestalteten Oberflächen der Einbaumöbel. Die Wahl des Fußbodenbelags bereitete Architekten wie Bewohnern einiges Kopfzerbrechen. Als Hundehalter plädierten die Bauherren für eine robuste und pflegeleichte Lösung. Schließlich fiel die Wahl auf betongraue Feinsteinzeugfliesen. Falko Drews war froh, dass er während der einjährigen Bauzeit beruflich nicht mehr so eingespannt war. „Mit der Suche nach dem Boden kannst du dein Leben zubringen, wie die Japaner auf der Suche nach der perfekten Kirschblüte“, sagt er im Rückblick über die Zeit des Hausbaus.

Was heißt klein?

Das Ausmaß, dass das Vorhaben im Laufe der Zeit annahm, führte schließlich auch dazu, dass es sich vom Refugium für die Ferien zum neuen Wohnsitz wandelte. „Da musste irgendwann die Entscheidung her“, erzählt Markus Bonauer, „denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob jemand nur gelegentlich Zeit in einem Haus verbringt oder dort lebt.“ Größer bauen war ausgeschlossen, das versagte die Bauordnung. Ein kleines Haus aber, das stand für alle Beteiligten fest, muss etwas bieten. Für Falko Drews gehören das vergleichsweise großzügige Bad und die darin integrierte, schöne Sauna unbedingt dazu. Zu den Extras zählt auch der schöne Kamin im Wohnzimmer, der sich so drehen lässt, dass er bei geöffneter Schiebetür die Terrasse wärmt. Außerdem haben sich die Bewohner einen Weinkühlschrank geleistet, der gut verborgen im Einbauschrank steht.

Wenn Drews davon erzählt, wie er in den neunziger Jahren erst in London lebte, dann für längere Zeit nach Lateinamerika reiste und irgendwann mit nichts als einem Rucksack zurückkehrte, entwirft er von sich das Bild eines Mannes, der sich (fast) selbst genug ist. „Man will ja nicht von den Dingen besessen werden“, sagt er. Und doch war es für ihn ein weiter Weg vom Unternehmer aus der Modewelt, mit sechzig Paar Schuhen („Und das als Mann!“) und Porschefahrer, der im Begriff ist, sich vor den Toren Berlins einen Zweitwohnsitz zu gönnen, zu einem, der am Ende Ernst macht und wirklich Ballast abwirft.

Spannend war dieser Prozess auch für die Architekten. Ein Auftrag wie das Haus in Wandlitz zwingt, neu über Begriffe nachzudenken: Was ist klein? Was heißt sich bescheiden? Was ist Luxus? Wie viel Raum braucht man wirklich? „Wir haben eine Tendenz zu immer mehr und immer größer, aber das wird uns in Zukunft nicht helfen“, ist sich Bonauer sicher.

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