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Full House

Von PETER-PHILIPP SCHMITT

10. Mai 2021 · Im Frühling findet eigentlich die größte Möbelmesse der Welt in Mailand statt, aber nicht in diesem Corona-Jahr. Neuheiten gibt es trotzdem jede Menge.


Atelier

Atelier heißt ein Stuhl, den das Stockholmer Studio TAF 2018 für das Restaurant im schwedischen Nationalmuseum entworfen hat. Nun haben die beiden Architekten Gabriella Gustafson und Mattias Ståhlbom die Kollektion um einen Barhocker erweitert, der ebenfalls aus massivem Holz gefertigt ist. Produziert wird die kleine Stuhlfamilie, die es in sechs Farben gibt, von der finnischen Marke Artek.


Wireline


Wireline ist eine Hängeleuchte, die nur aus der Lichtquelle, einer LED in einer gerippten Borosilikatglas-Röhre, und dem stromführenden Kabel besteht, einem Gurt aus farbigem, thermoplastischem und abgeflachtem Gummi. Entworfen haben das skulpturale Objekt die beiden italienischen Designer Andrea Trimarchi und Simone Farresin (Flos), die schon 2009 ihr Studio Formafantasma in Amsterdam gegründet haben.


BC 09 Basket

BC 09 Basket hat ein Untergestell aus leicht gebogenen Metallstreben. Auf ihnen ruht eine Platte, die aus Holz oder Stein sein kann. Den Couchtisch (Janua) gibt es in vielen Formen und Größen. Auch einen dazu passenden Esstisch (BC07) hat das Hamburger Studio Hoffmann und Kahleyss Design (Birgit Hoffmann und Christoph Kahleyss) entwickelt, mit einer Platte, die bis zu drei Meter lang sein kann.


S 5000 Retreat

S 5000 Retreat bietet mit seinen hohen Trennwänden Lärm- und Sichtschutz. Damit ist das Sitzelement mit seiner Basis aus gebogenem Stahlrohr besonders gut für Großraumbüros und öffentliche Gebäude geeignet. Die Ursprungsidee in Form eines Tagesbetts stammt schon aus den dreißiger Jahren, der britische Designer James Irvine machte in den Neunzigern daraus ein Sofasystem. Nun hat seine Witwe Marialaura Rossiello-Irvine seine Arbeit für Thonet noch einmal überarbeitet. Entstanden ist ein flexibles Sofasystem aus ein-, zwei- oder dreisitzigen Grundmodulen mit montierbaren Anbautischen und den variabel einsetzbaren Trennwänden


KN 06

KN 06 besteht aus einer muschelförmigen Sitzschale aus Fiberglas, die glänzend lackiert oder mit Stoff oder Leder bezogen sein kann. Den bequemen Sessel des italienischen Designers Piero Lissoni (Knoll International) gibt es mit vier festen Beinen oder einem drehbaren, höhenverstellbaren Fuß, der entweder vier Beine und Gleiter oder – wie hier zu sehen – fünf Beine mit Rollen hat.


Taba

Taba wird ein altes Spiel der Gauchos aus Argentinien genannt, das ursprünglich aber aus dem antiken Griechenland stammt. Gespielt wird mit kleinen Knochen, die wie Würfel geworfen werden. Der in Buenos Aires geborene Schweizer Designer Alfredo Häberli ließ sich davon zu asymmetrischen Sitzelementen (Moroso) inspirieren, die beliebig im Raum hin-und hergeschoben werden können.


Circus

Circus entsteht nach einer alten Glasbläsertechnik. Dabei werden milchig weiße Streifen aus Glas auf geschmolzenes Glas aufgetragen, sodass ein Streifenmuster entsteht. Die Pendelleuchte, die der Art-Direktor der Marke Karman, Matteo Ugolini, zusammen mit dem in Deutschland geborenen Designer Edmondo Testaguzza gestaltet hat, soll dabei auch von ihrer Form her an ein Zirkuszelt erinnern.


La Tourette

La Tourette geht zurück auf Le Corbusier. Der Architekt baute 1960 das gleichnamige Kloster in Éveux bei Lyon. Jasper Morrison wiederum bekam 1997 den Auftrag, einen Stuhl für den Speisesaal der Dominikaner zu entwerfen (siehe rechts unten). Nun hat der Brite auch einen passenden Esstisch hinzugefügt, ebenfalls Teil der Kollektion Équilibre d'Hermès.


Polar

Polar wird von der japanischen Möbelmarke Karimoku New Standard produziert. Das Unternehmen arbeitet bevorzugt mit jungen Designern aus Europa zusammen, wie etwa dem Schweizer Moritz Schlatter. Er hat den kompakten gepolsterten Sessel gestaltet, den es in einer niedrigeren Version ohne und einer etwas höheren auch mit Armlehnen gibt. Sie bestehen, wie ein kleiner optionaler Beistelltisch, aus japanischer Eiche.


Ova und Unda

Ova und Unda gehören nicht unbedingt zusammen. Der Pouf und der Beistelltisch der Kölner Designerin Meike Harde ergänzen sich zwar, können aber auch einzeln genutzt werden. Der quadratische Hocker Unda, 65 mal 65 oder 80 mal 80 Zentimeter groß, ist mit Schaumstoff gefüllt und einem Stretch-Stoffbezogen, den Tisch Ova bietet die niederländische Marke Pode ebenfalls in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialien an: in Eiche, MDF oder Keramik.


N02

N02 besteht aus wiederverwerteten Kunststoffabfällen. Die Stuhlfamilie hat Oki Sato, Gründer des Designstudios Nendo, aktuell noch um diesen Barhocker erweitert. Auch der hat in der Rückenlehne eine Falte, die inspiriert wurde durch ein Stück Papier auf Satos Schreibtisch. Sie gibt zusätzlich Halt für die obere und untere Rückenpartie. Die Stühle sind in sieben erdig warmen Tönen erhältlich, die auf die Heimat des dänischen Herstellers Fritz Hansen verweisen.


Akira

Akira nimmt wenig Platz ein. Der Sekretär mit der geschlossenen Form ist 110 Zentimeter breit, 134 Zentimeter hoch und 45 Zentimeter tief. Die Schreibfläche lässt sich mit einer Push-to-open-Funktion herausziehen, darunter befindet sich ein Ablagefach. Auch an zwei Steckdosen hat der Designer Mathias Hahn gedacht. Schönbuch bietet den Schreibtisch in einer Vielzahl von matten Lackfarben an.


Noa

Noa ist aus Buchenholz gefertigt. Die dänische Architektin Eva Harlou wollte ein Bett gestalten, in dem man den ganzen Tag verbringen kann. Steht es dann doch einmal im Weg, lässt es sich einfach wegrollen. Neben Einzel- und Doppelbett mit zwei unterschiedlichen Kopfteilen bietet das Kölner Unternehmen Auping dieses Tagesbett an, geeignet auch für eine überdachte Terrasse.


La Tourette

La Tourette soll an die Kirchenbänke im Kloster Sainte-Marie de la Tourette erinnern. Die Bänke haben, wie Jasper Morrison erzählt, verlängerte Kufen, die ihnen Halt geben, damit sie nicht nach hinten kippen können. Davon ließ sich der britische Designer inspirieren. 1997 entstanden 100 Stühle, produziert von Hubert Weinzierl in Paris. Nun hat sie Hermès in seine Kollektion aufgenommen, auch in dieser Version mit Armlehnen.


Mini Coupé

Mini Coupé ist eine kleine Version der Leuchte Coupé, die der italienische Architekt Joe Colombo mit größerem Lampenschirm vor mehr als 50 Jahren für Oluce entworfen hat. Seit 1968 ist sie Teil der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Die abgewandelte Tischleuchte ist nun statt 40 nur 34 Zentimeter hoch, ihr Kopf ist beweglicher und in Schwarz, Bronze, Gelb und Rot zu haben.


Desert

Desert ist mit einem Stoff bezogen, der aus wiederverwertetem Kunststoff besteht. Für den Sessel mit seinem Stahlrohrgestell werden genau 27 recycelte PET-Flaschen benötigt. Aus ihnen wird Garn gesponnen, aus dem die weiche und besonders strapazierfähige Textilie gewebt wird. Der Entwurf, zu dem auch ein Hocker (17 PET-Flaschen) gehört, stammt vom Designteam der dänischen Marke Ferm Living.


Stay

Stay lässt sich werkzeuglos spielend leicht immer wieder neu konfigurieren. Das modulare System von Klaus Michel und Henrik Bettels (Vario) setzt sich aus einem 80 mal 71 mal 46 Zentimeter großen Sitzelement sowie Seiten-und Rückwänden in verschiedenen Höhen zusammen. Damit lässt sich ein Büro schnell umgestalten, für kleine Arbeitsrunden oder größere Besprechungen. Auch Tischelemente lassen sich ergänzen sowie Kleiderhaken, Whiteboards oder auch Magazinträger.


Rider

Rider kommt nicht zur Ruhe. Eine kleine Bewegung reicht, und die Schaukelliege des italienischen Designer-Duos Ludovica und Roberto Palomba (Zanotta) beginnt zu schwingen. Der 1,70 Meter lange und etwa einen Meter hohe Rahmen wird aus steifem Polyurethan geformt und dann mit braunem oder schwarzem Rindsleder bezogen. Die Auflage besteht ebenfalls aus dem Kunststoff und einer Polyesterfaser.


Maluma

Maluma bedeutet so viel wie rund und weich. Die Pendelleuchte der Japanerin Fumie Shibata besteht aus mundgeblasenem Glas in den Farben Rose, Deep Plum und Earthy Moss. Der Lampenschirm hat einen Durchmesser von 23,5 Zentimetern, ist 35 Zentimeter hoch und wiegt knapp zwei Kilogramm. Für die Designerin und ihr Tokioter Studio S ist es die erste Zusammenarbeit mit der dänischen Marke Fritz Hansen.


Michael

Michael hat einen runden Sitz aus Kork. Seinem Hocker hat der niederländische Designer Richard Hutten Beine aus pulverbeschichtetem Stahlrohr verpasst. Modus bietet ihn in zwei Höhen an, 48 und 77,5 Zentimeter, und in den Farben Weinrot, Graublau, Dunkelgrau und Silbergrau. Der Kork ist zu 100 Prozent wiederverwertet, und zwar aus Korkgranulat, das in Form gepresst wird.


Cut

Cut soll tischgewordene Architektur im Raum sein. So sagt es der Designer Peter Fehrentz, der seit vielen Jahren für die Hamburger Marke More von Bernhard Müller arbeitet. Der Tisch wirkt leicht, was an den sehr dünnen, nur 2,8 Zentimeter dicken Massivholzplatten liegt, die an der Tischkante auf 0,8 Zentimeter auslaufen. Die Oberflächen gibt es geölt, gewachst oder matt lackiert.


Magritta

Magritta trägt seinen Namen zu Ehren des Surrealisten René Magritte. Auch der Designer des Sessels, der aus Chile stammende Italiener Roberto Matta, hat sich in ihm und mit ihm verewigt. Den gepolsterten Polyurethan-Apfel, der in einer Melone (dem Hut) zu stecken scheint, hatte Matta 1970 entworfen. Gufram bringt den schrägen Klassiker nun in den neuen Apfelfarben Rot und Gelb zusätzlich zum einst originalen Grün heraus.


Stay

Stay wird als flaches Paket geliefert und kann dann mit nur vier Schrauben selbst zusammengebaut werden. Der Stuhl aus Holz ist sehr massiv. Der Däne Andreas Lund (Bolia) sieht sich mit seinem Werk ganz in der Tradition des skandinavischen Designs. Es ist langlebig und nachhaltig. Sollte ein Teil kaputtgehen, lässt es sich einfach austauschen.


Re

Re hat eine längere Entwicklungsphase hinter sich. Der Stuhl von Antonio Citterio, ein, wie es heißt, in jeder Hinsicht nachhaltig produzierter Stuhl mit markantem Design, besteht aus recyceltem thermoplastischem Technopolymer von Kunststoffabfällen. Das Leichtgewicht (Kartell) ist stapelbar, für drinnen und draußen geeignet, und in Weiß, Schwarz, Grau, Grün und Taubengrau zu haben.


Ivy

Ivy zählt zu den ersten mobilen Leuchten der tschechischen Marke Brokis. Sie wird mit einem Akku betrieben und kann drinnen wie draußen eingesetzt werden. Die Tischleuchte, die durch Berührung gesteuert wird und drei Helligkeitsstufen hat, ist eine Erweiterung der gleichnamigen Leuchtenfamilie, die mit der Idee von rankenden Efeupflanzen spielt und von der Prager Designerin Lucie Koldova erarbeitet wurde.


GN02

GN02 wird aus einem Quadrat geschnitten. Die drei Teile lassen sich dann wie ein Puzzle zusammensetzen oder auch nicht; sie lassen sich nämlich auch einzeln nutzen. Der Beistelltisch von Günter Neunzig und seinem Studio G90 (Janua) hat ein Gestell aus pulverbeschichtetem oder lackiertem Bewehrungsstahl, die Platten sind aus Marmor oder verschiedenen Hölzern: Eiche, Nuss- oder Kirschbaum.


Roll

Roll kann auch mitten im Raum stehen. Denn das Bücherregal von Claudio Dondoli und Marco Pocci (Bonaldo) lässt sich an der Wand oder eben auch – als Raumteiler – an der Decke befestigen. Die Böden sind aus Holz, die Streben aus Metallrohren. Die schmalste Version ist 96 Zentimeter breit, lässt sich aber fast beliebig erweitern, auch durch ein Fernsehmodul mit Wandbefestigung.


New Classic

New Classic wirkt auf den ersten Blick wie aus der Zeit gefallen. Doch Fabio Novembre hat sich vom Chesterfield-Sofa nur inspirieren lassen. Der Italiener spielt mit den voluminösen Formen, verzichtet auf die typische rautenförmige Steppung, verbindet stattdessen zwei unterschiedliche Materialien, Leder und Stoff. Es ist Novembres erste Arbeit für Natuzzi, die größte italienische Möbelmarke.


Fotos: Hersteller

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Quelle: F.A.Z. Magazin

Veröffentlicht: 07.05.2021 16:25 Uhr