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Marathon-Läuferin Luminita Zaituc : Am Ende der langen Straße

  • -Aktualisiert am

Würde gerne binnen zweieinhalb Stunden den Frankfurter Marathon am Sonntag hinter sich bringen: Luminita Zaituc, hier mit Betreuer Bild: dpa

Die frühere Siegerin beim Marathon in Frankfurt wird sich in diesem Jahr am Main vom Leistungssport verabschieden. Laufen wird Luminita Zaituc weiterhin – aber ganz anders.

          Es ist schon eine sonderbare Geschichte, wie Luminita Zaituc von der Laufbahn auf die Straße kam und von einer Mittelstreckenläuferin zu einer erfolgreichen Marathonläuferin wurde. Es war im Jahr 2000, beim Trainingslager auf Teneriffa, wie so oft. Sie lief jeden Tag diese endlos lange Straße entlang, vom Hotel aus schnurgerade durch die eintönige Landschaft. Um der Hitze zu entgehen, ging es schon um sieben Uhr morgens los. Eigentlich seien lange Strecken nicht so ihre Sache gewesen, sagt die rumänische Athletin, die seit 1995 deutsche Staatsbürgerin ist.

          Jeden Tag ist sie entgegen der Trainingspläne trotzdem ein Stück weiter hinausgelaufen. „Ich wollte wissen, wohin diese Straße führt“, erzählt die damals 32 Jahre alte Läuferin. Sie stillte ihre Wissbegierde, erreichte am Ende des Weges ein Hotel – und kehrte wieder um. Nach 2:36 Stunden – die Zeit hatte sie genau gestoppt – erreichte sie fast dehydriert, aber enthusiastisch wieder ihren Startpunkt. „Ich will Marathonläuferin werden“, habe sie damals gesagt. Heute sagt sie: „Mit der Entscheidung habe ich wohl recht gehabt.“

          Erst Mittelstrecken, dann Marathon

          Die Einundvierzigjährige schaut mit Genugtuung auf ihre zwei Karrieren zurück. Die erste Laufbahn, das waren WM- und EM-Teilnahmen und deutschen Meistertitel über die Strecken von 1500 bis 10.000 Meter. Danach folgte, gewissermaßen als zweiter Bildungsweg, die Marathondistanz. Am Sonntag schließt sich der Kreis für Luminita Zaituc. Vor genau acht Jahren, im Oktober 2001, lief sie als Neueinsteigerin in Frankfurt sensationell ihre Bestzeit und gewann den Marathon bei schlechtem Wetter in starken 2:26:01 Stunden. Ein Jahr später wurde sie hier Zweite (2:29:57), im Jahr 2003 siegte sie abermals (2:29:41). An diesem Sonntag geht sie wieder an den Start – es wird der letzte Marathon ihrer Leistungssportkarriere sein. „Ich weiß das Publikum dort sehr zu schätzen“, sagt die 1,65 Meter große Frau. Nur das Wetter sei aus ihrer Erfahrung in Frankfurt „immer launisch. „Ich wäre schon zufrieden, wenn es in diesem Jahr nicht so windig wäre.“

          Mit Wehmut und Gedanken an den Abschied trägt sich Luminita Zaituc noch nicht. Sie hatte sich viel vorgenommen für dieses Jahr und so manche Enttäuschung erlebt. „Es lief irgendwie nicht nach Plan, obwohl ich so gekämpft habe“, sagt sie. Die Europameisterschafts-Zweite von 2002 musste bei der Heim-WM in Berlin nach gut der Hälfte der Strecke aussteigen. Ein früh in dieser Saison erlittener Muskelfaserriss bremste im Nachhinein ihre Ambitionen. Luminita Zaituc kurierte die Verletzung nicht richtig aus, zog die Belastung zu früh wieder an, um die Vorbereitung nicht noch weiter zu stören – und verletzte sich wieder. Für ihren Auftritt in Frankfurt heißt das: „Ich will das alles vergessen machen und habe mich neu motiviert.“

          2:30 als Ziel für Frankfurt

          Die Läuferin, die in Bukarest geboren wurde, 1990 in Hamm eine neue Heimat fand und seitdem für die LG Braunschweig startet, würde gerne in einer Zeit um 2:30 Stunden in die Frankfurter Festhalle einlaufen. Eine vordere Plazierung erscheint bei dem in diesem Jahr erlesenen Starterfeld bei den Frauen unmöglich. „Ich werde mein Rennen laufen und nicht auf die anderen schauen. 2:25 Stunden schaffe ich nicht mehr“, sagt sie.

          Das Training gemeinsam mit ihrem Coach und Lebensgefährten Dumitru Dobre hat sie jedenfalls noch nicht gedrosselt auf der Schlussrunde ihrer Karriere. Seit 1983 schon trainiere sie jeden Tag, meist sogar zweimal, erzählt die hagere Ausdauerexpertin, die dreimal den Düsseldorf Marathon und einmal den Köln Marathon gewann. Ein Leben für den Laufsport – seit 26 Jahren: Donnerstags und sonntags je eine Tempoeinheit, an den restlichen Tagen der Woche stehen zwei Einheiten auf dem Programm. Vor ihrer Haustür im westfälischen Hamm habe sie beste Bedingungen, erzählt Luminita Zaituc. Ruhige Straßen, eine reiche Auswahl an Waldwegen und eine Bahn in einem Stadion befinden sich in ihrer Nähe. „Da kann man laufen ohne Ende“, sagt sie und lacht.

          International ohne große Erfolge

          Laufen ohne Ende – das wäre auch eine passende Überschrift für ihre Karriere. Ob sie im Rückblick einiges anders machen würde? „Es bringt ja nichts, jetzt noch irgendetwas zu bedauern“, sagt sie. Doch hätte sich ein früherer Wechsel der Vielstarterin auf die Marathondistanz wohl bezahlt gemacht. So lief sie im Jahr 2001 noch auf allen Strecken – im Sommer und Winter, in der Halle und im Freien, zwischen 1500 Meter, Crosslauf und 42,195 Kilometer. National war Luminita Zaituc, die der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehörte, immer vorne mit dabei, international blieben ihr die großen Erfolge verwehrt. Und nun nähert sich das Ende eines Lebens im Laufrhythmus. So ganz abrupt werde sie nicht aufhören können, sagt sie. „Es ist sehr schwer zu sagen: Morgen höre ich auf zu laufen und mache gar nichts mehr. Das werde ich auch nicht tun.“

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