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Kampf gegen die PKK : Türkei marschiert in den Irak ein

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Türkische Truppen an der Grenze zum Irak Bild: REUTERS

Im Kampf gegen kurdische Rebellen der PKK sind in der Nacht türkische Bodentruppen in den Nordirak eingerückt. Laut Medienberichten sollen 10.000 Soldaten bis zu zehn Kilometer tief ins Land eingedrungen sein.

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          Im Kampf gegen kurdische Rebellen der PKK sind türkische Bodentruppen in der Nacht zum Donnerstag in den Nordirak eingerückt. Das teilte der Generalstab der türkischen Armee am Freitag mit. Demnach richtet sich die Bodenoffensive nur gegen die PKK. Mit dem von der Luftwaffe unterstützten Einsatz solle verhindert werden, dass der Nordirak zu einem Rückzugsgebiet für Terroristen werde. Laut Medienberichten sind daran 10.000 Soldaten beteiligt. Sie sollen etwa zehn Kilometer in irakisches Territorium eingedrungen sein.

          Das Parlament in Ankara hatte der Regierung im Oktober grenzüberschreitende Militäreinsätze gegen die PKK erlaubt. Die türkische Luftwaffe flog seitdem mehrfach Luftangriffe auf mutmaßliche PKK-Stellungen im Nachbarland. Im Dezember waren türkische Bodentruppen bereits in den Nordirak eingedrungen. An der damaligen Offensive waren aber lediglich etwa 500 Soldaten einer Spezialeinheit beteiligt.

          Offensive trotz Winterwetters

          Der türkische Außenminister Babacan hatte am 19. Februar gegenüber CNN-Türk erklärt, die Option für eine Bodenoffensive gegen die PKK liege weiter auf dem Tisch. Die Entscheidung werde auch in Abhängigkeit von der Jahreszeit getroffen. Der Beginn einer Offensive war daher nicht vor dem Ende des Winters erwartet worden. Noch liegt im kurdischen Südosten der Türkei und im Nordirak viel Schnee; die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt. Zudem hatte die PKK seit Monaten auf türkischem Boden keinen Anschlag mehr verübt.

          In der südosttürkischen Provinz Sirnak (Archivbild)

          Journalisten der liberalen türkischen Zeitung „Taraf“ hatten Ende Januar PKK-Stellungen im Nordirak besucht, vor allem auf dem Berg Kandil, und waren mit der Überzeugung zurückgekehrt, die PKK sei in einem Maße geschwächt, dass sie den Waffen abschwöre und sich für die Türkei nun die Gelegenheit für eine politische Beilegung des Kurdenkonflikts eröffne.

          Peschmerga ziehen Kräfte zusammen

          In den neun Stunden vor dem Beginn der aktuellen Bodenoffensive hatten türkische Kampfflugzeuge vor allem Stellungen der PKK nahe der grenznahen Städte Zap, Hakurk und Avasin bombardiert. Während des Nachmittags erfolgten die Einschläge alle fünf Minuten. Auf der gegenüberliegenden türkischen Seite der Grenze hatten in den letzten Tagen in jenen Dörfern, die die türkische Armee während des Bürgerkriegs von 1984 bis 1999 zwangsevakuiert hatte, die türkischen Soldaten ihre Ausgangslager eingerichtet.

          Ein Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte in der nordirakischen Stadt Arbil sagte, seit Donnerstag habe man etwa 2000 zusätzliche kurdische Kämpfer („Peschmerga“) in die Nähe der Grenze verlegt, „um sich der türkischen Armee entgegenzustellen, falls das notwendig werden sollte“.

          Befürchtungen über die Stabilität in der Region

          Die amerikanischen Streitkräfte im Irak erklärten, sie seien darüber informiert worden, dass die Bodenoffensive zeitlich begrenzt und ausschließlich gegen kurdische Rebellen gerichtet sei. Die Vereinigten Staaten und der Irak hatten die Türkei dazu aufgefordert, größere Militäroperationen im Nordirak zu unterlassen. Sie befürchten, dass die vergleichsweise stabile Lage in der Region gefährdet werden könnte. (Siehe auch: Berlin und EU kritisieren türkische Bodenoffensive im Nordirak)

          Ankara wirft der autonomen kurdischen Regierung im Nordirak vor, nicht ausreichend gegen die PKK-Rebellen vorzugehen, die die Grenzregion als Rückzugsgebiet für ihren Kampf gegen die Regierung in Ankara nutzen. Die PKK kämpft seit 1984 für eine Autonomie im Südosten der Türkei. Sie wird von der Türkei, der EU und den Vereinigten Staaten als terroristische Organisation eingestuft. In dem Konflikt wurden seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet.

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