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John Wood : Vom Manager zum Weltverbesserer

Wood buchstabiert Entwicklungshilfe mit dem ABC der Bosse Bild: F.A.Z. - Anna Mutter

Bahundanda hat John Woods Leben verändert: Der Büchermangel in dem Dorf in Nepal schockierte den Microsoft-Manager derart, dass er kündigte und „Room to Read“ gründete. Jetzt wächst die Hilfsorganisation schneller als Starbucks.

          Früher sahen Weltverbesserer anders aus. John Wood trägt schwarze Lederstiefeletten, graue Stoffhosen und ein dunkelblaues Sakko, seine langsam silbern werdenden rotbraunen Haare sind sorgfältig frisiert. Er hat ein Faible für steile Wachstumskurven und Erfolgsgeschichten, spricht wie ein Manager, lächelt wie ein Lausbub und lässt seine Augen blitzen wie Dean Martin. Und er verbessert die Welt, Tag für Tag seit mittlerweile fast acht Jahren - seitdem er Microsoft den Rücken gekehrt und "Room to Read" gegründet hat, um Kinder in der Dritten Welt mit Büchern und Bildung zu versorgen.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch für seine Vision wirbt der Mann aus San Francisco nicht in Gemeindezentren und Entwicklungshilfeministerien, sondern in den Konzernzentralen von New York, London, Frankfurt und Singapur. Denn John Wood verbessert die Welt mit einem Business Plan, er buchstabiert Entwicklungshilfe mit dem Abc der Bosse. Zuerst kommt die Analyse. "Es gibt 800 Millionen Analphabeten auf der Welt und 100 Millionen Kinder ohne Zugang zu Grundschulbildung - das ist ein beachtlicher Markt." Darauf folgt die Fokussierung aufs Kerngeschäft, verbunden mit dem Pragmatismus, der für einen guten Deal nötig ist. "Mit der Schulzeit endet auch unser Engagement. Religiöse und politische Fragen spielen für uns keine Rolle." Dann wird die Marketing-Abteilung bedient. "Wir konzentrieren uns auf Bildung. Dagegen kann man nicht sein." Und schließlich kommt seine Trumpfkarte, der Wille zum Wachstum. "Alle sechs Stunden eröffnen wir eine neue Bücherei. Unser Tempo ist schneller als das von Starbucks." Die notorisch expansive Kaffeekette - der Vergleich macht dem Kaffeetrinker sichtlich Spaß - habe acht Jahre nach ihrer Gründung 1000 Filialen gehabt. "Wir liegen jetzt schon bei 3800."

          Millionen auf dem humanitären Konto

          Die Motive eines Philanthropen und die Methoden eines Unternehmers - John Woods Mischung kommt bei Senior Consultants und Investmentbankern, Führungskräften und CEOs gut an. Seine einfachen Wahrheiten klingen in ihren Ohren nicht abgedroschen, sondern authentisch. Er spricht vor ihnen über den Zusammenhang von Schulbildung, Bruttosozialprodukt und Lebenserwartung, von der individuellen Verpflichtung zum Handeln und davon, dass sich die Verhältnisse tatsächlich ändern lassen. "Tief in meinem Herzen glaube ich daran", sagt John Wood dann, "dass Bildung den Menschen bessere Chancen für ihr Leben gibt." Die Folge: Goldman Sachs, Credit Suisse und Accenture stehen ganz oben auf der Liste seiner Spender, aber auch Stiftungen und Einzelpersonen unterstützen seine Idee - mit insgesamt 15 Millionen Dollar rechnet Wood für das laufende Jahr.

          Wenn sie für "Room to Read" spenden, dann machen sie ihre Kassen augenscheinlich für einen auf, der mit Geld umgehen kann. Vor der Gründung von "Room to Read" verbesserte Wood ganz andere Dinge als die Welt: seine Marathonzeiten zum Beispiel, vor allem aber seinen eigenen Kontostand und die Geschäftsergebnisse von Microsoft. Bei dem Software-Riesen hatte ihn der Spurt die Karriereleiter hinauf gerade in die Zone dünner werdender Luft gebracht - Wood war mit 35 Jahren zum zweitmächtigsten Mann des Unternehmens in China bestellt worden und hatte Aktienoptionen im Wert von 2 Millionen Dollar in seinem Depot -, als er sich zum Ausstieg entschloss. Die Idee hatte monatelang in ihm gegärt, im Himalaja war er buchstäblich in sie hineingewandert: Ein Beamter zeigte ihm die Schule von Bahundanda, einem Dorf am Rand seiner Trekking-Route. Die Bibliothek dort bestand aus einer Handvoll zerschlissener Bände. John Wood versprach noch an Ort und Stelle, Bücher zu senden. Solche Versprechen werden oft gegeben in Nepal, aber selten gehalten; John Wood bat noch aus Katmandu per E-Mail alle seine Bekannten, ihm Bücher für Bahundana zu senden. 3000 Stück kamen zusammen. Ein Jahr später verteilte er sie eigenhändig an zehn Schulen der Region.

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