https://www.faz.net/-1qk-usrj

ICE Frankfurt-Paris : In weniger als vier Stunden vom Main an die Seine

Ein ICE wird „fit für Frankreich” gemacht Bild: Reuters

Mit Tempo 320 von Frankfurt nach Paris: Vom 10. Juni an verbindet die neue ICE-Strecke die Städte in drei Stunden und 49 Minuten und verkürzt damit die bisherige Fahrtzeit um zwei Stunden. Die Bahn AG spricht von einer „Zeitenwende“.

          Viele Jahre ist geplant und gebaut worden, am 10. Juni geht es los: Die neue ICE-Strecke von Frankfurt nach Paris soll beide Städte in drei Stunden und 49 Minuten verbinden und die bisherige Fahrtzeit um zwei Stunden verkürzen. Bei der Bahn AG war bei der Präsentation des Angebots von einer „Zeitenwende“ die Rede. Von Innenstadt zu Innenstadt sei man auf der Schiene nun schneller als mit dem Auto – laut www.viamichelin.de fünf Stunden 18 Minuten – oder mit dem Flugzeug – nach Bahnberechnung braucht man einschließlich Check-in vier Stunden und 15 Minuten.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorverkauf für die vergünstigten Einführungstickets zu 29 statt 99 Euro hat in der vorigen Woche begonnen. Die Bahn berichtet von einem „Ansturm“, aber offenbar ist es nicht so einfach, an die Fahrkarten zu kommen. Die Tickets, die im Internet erworben werden können, werden nach und nach auf den Markt gebracht. 15.000 sollen es in der Einführungsphase insgesamt werden. Laut Bahn sind 7000 davon bereits angeboten und etwa 6000 verkauft worden. Bahn-Projektleiter Knut Rothmann zufolge sind die Chancen auf ein Ticket bei den Abendzügen am größten, außerdem solle man Hin- und Rückfahrt in einem Vorgang buchen, das erleichtere den Zuschlag.

          Von Dezember an fahren fünf Züge je Richtung und Tag

          In den neuen grenzüberschreitenden Zügen will die Bahn auch einen neuen Service-Standard schaffen. In der ersten Klasse werde wie im Flugzeug eine leichte Mahlzeit am Platz serviert, außerdem soll es dort Ledersitze und einen Taxi-Reservierungsservice für Paris geben sowie mehr Steckdosen für Laptops. „Reisezeit soll bei uns Nutzzeit sein“, sagte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch, der früher bei der Lufthansa für die Passage zuständig war. Die Bahn hoffe, nach der Einführungsphase auf 1,5 Millionen Reisende im Jahr zu kommen: „Das wäre ein Marktanteil von 40 Prozent“, so Rausch.

          Die neue Strecke besteht aus zwei Ästen: Auf dem Nordast zwischen Paris und Frankfurt fährt die Deutsche Bahn AG mit ihren ICE-Zügen, auf dem Südast zwischen Paris und Stuttgart, später auch München, verkehrt die französische Staatsbahn SNCF mit ihrem TGV-Zügen.

          In der Einführungsphase soll es nach Bahnangaben zwischen Frankfurt und Paris zunächst in jeder Richtung einen durchgehenden Zug pro Tag geben sowie zwei Verbindungen mit Umsteigen in Saarbrücken. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember beginnt dann das volle Angebot, mit fünf durchgehenden ICE-Zügen je Richtung und Tag – der erste wochentags um 6.34 Uhr ab Frankfurt Hauptbahnhof.

          ICE-Rekord liegt bei 406,9 Kilometer je Stunde

          Die Pläne für die Verbesserung der Zugverbindung zwischen Frankreich und Deutschland stammen schon aus dem Jahr 1992, als Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und der französische Staatspräsident François Mitterrand das Regierungsabkommen von La Rochelle vereinbarten. Zu den Herausforderungen des Projekts gehörten die unterschiedlichen Strom- und Sicherungssysteme in den beiden Ländern, allein die Bahn AG hat nach Unternehmensangaben 76 Millionen Euro in die Umrüstung der Züge investiert, außerdem 28 Millionen Euro für eine Erweiterung des Instandhaltungswerks in Frankfurt-Griesheim.

          Dort sollen sich jetzt die 275 Mitarbeiter auch um die Wartung der Paris-Züge kümmern. Etwa 30 Beschäftigte haben nach den Worten von Werksleiter Christoph Koch sogar Französisch gelernt – freiwillig mit einem speziellen Schulungsprogramm.

          Auf deutscher Seite seien für den Ausbau der Schienenstrecke 570 Millionen Euro ausgegeben worden, teilte die Bahn weiter mit. In Frankreich sei in weiten Teilen eine vollkommen neue Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut worden. Dort können die ICE künftig mit Tempo 320 fahren. Das ist in Deutschland bisher nicht möglich: Fahrplanmäßig ist im Inland bisher Tempo 300 das Maximum, etwa auf der Strecke von Frankfurt nach Köln. In Frankreich war ein TGV, allerdings in einer Spezialausführung, vor drei Wochen zum ersten Mal sogar 574,8 Kilometer je Stunde gefahren – ein neuer Weltrekord. Der Rekord des deutschen ICE liegt bei 406,9 Kilometer in der Stunde und stammt noch aus dem Jahr 1988.

          Topmeldungen

          Klage vor Supreme Court : John Majors Verachtung für Boris Johnson

          Der frühere Premierminister John Major ging zu seiner Amtszeit nicht mit Samthandschuhen vor. Doch Boris Johnsons Mittel gehen ihm zu weit. Deswegen hat er sich der Klage gegen die Beurlaubung des Parlaments angeschlossen.
          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          F.A.Z.-Sprinter : Plötzlich kleinlaut

          Trump, Netanjahu und Johnson kennt man großspurig. Doch plötzlich zögert Trump, kämpft Netanjahu um sein politisches Überleben und muss sich Johnson vor dem Supreme Court rechtfertigen. Alles Wichtige steht im F.A.Z.-Sprinter.
          Die Talkrunde zum Thema Klimapolitik bei Frank Plasberg

          TV-Kritik: Hart aber fair : Die Realität der Zwickmühle

          Die Klimapolitik ist so verzwickt, dass es den üblichen Verdächtigen kaum noch gelingt, Einsicht in das Notwendige oder gar Verhaltensänderungen zu erreichen. Tatsächlich sehen einige das Format der Talkshow als Pranger für üble Phantasien.