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Graffiti an jeder Ecke : Hessens Polizei geht gegen Sprayer vor

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Millionenschaden in Hessen: Immer wieder müssen Graffiti von S-Bahn-Zügen entfernt werden. Bild: Cornelia Sick

Für die einen ist es Kunst, für andere Vandalismus und für die Polizei Sachbeschädigung: Graffitis prangen auf Mauern, Fassaden und Bauwerken. Alljährlich müssen zur Beseitigung landesweit Millionen aufgewendet werden.

          Vielen Menschen fallen sie gar nicht mehr auf - dabei sind sie beinahe allgegenwärtig. Graffitis gehören mittlerweile vielerorts schon zum Straßenbild. Vom kleinen Schriftzug mit einem Stift bis hin zu großformatig gesprühten Bildern an Mauern und Fassaden. Ursula Elmas stechen die Kritzeleien und Malereien sofort ins Auge - von Berufs wegen. Die 57 Jahre alte Frau ist so etwas wie eine Graffiti-Jägerin. Doch so richtig gefällt ihr die Bezeichnung nicht. „Ich bin Ermittlerin. Da ist viel Feinarbeit nötig. Das funktioniert nicht nach dem Prinzip: Schuss und Treffer.“

          Elmas leitet in Hanau das Sachgebiet „Sprayer“. Die Kriminalhauptkommissarin ist viel in der Stadt unterwegs. Sie weiß, wo die Hotspots der Sprayer sind. In der Metzgerstraße oder am Bahndamm etwa reihen sich kleine, sogenannte Tags (selbsterdachte Signaturkürzel) und große, mit Farbspraydosen aufgebrachte Schriftzüge bunt aneinander. Um Graffitis zu dokumentieren, greift sie zur Handykamera und trägt den Fall später detailliert in eine sogenannte Crime-Datenbank ein. „Wenn die Polizei nichts unternehmen würde, würde es wahrscheinlich ausufern“, sagt Elmas zum Phänomen Graffiti - für Befürworter ist es Kunst aus der Subkultur der Großstadt, für Gegner blanker Vandalismus und Sachbeschädigung.

          Graffiti sorgen für Ärger

          In Hessen ist das Problem trotz großer Anstrengungen nicht kleiner geworden. Graffitis sorgen für Ärger. Die Schäden gehen laut Polizei alljährlich in die Millionen in Hessen. Die durch Wandmalereien verursachten Kosten steigen auch in einigen Städten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

          In der Landeshauptstadt Wiesbaden ist das Problem „erheblich“. Offenbach spricht von einem „großen und zunehmenden Problem“. Für Hinweise zu Tätern sind dort sogar Belohnungen ausgesetzt - genauso wie in Hanau, dort gibt es 1000 Euro. In Frankfurt und Kassel sind die Kosten zur Beseitigung 2017 gestiegen. Darmstadt spricht von einer „leichten Zunahme“. Nur Gießen hat offenbar Glück: Dort seien die Fallzahlen „eher abnehmend“, berichtet die Stadt. Bundesweit summieren sich die durch illegale Graffiti verursachten Schäden auf rund 200 Millionen Euro, wie der Deutsche Städtetag mitteilte.

          Das Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil, dass zum Beispiel wegen bemalter Brücken, Lärmschutzwände und Verkehrsschilder betroffen ist, muss viel Zeit aufwenden für Graffiti-Entfernung und Austausch von Verkehrszeichen. Wie viel Zeit explizit wegen Graffitis konnte eine Behörden-Sprecherin in Wiesbaden allerdings nicht sagen.

          Probleme für die Deutsche Bahn

          Die Deutsche Bahn hingegen führt genauer Buch. Im vergangenen Jahr seien die Graffiti-Straftaten im Vergleich zum Jahr 2016 um 20 Prozent zurückgegangen. „In Frankfurt gibt es ein Spezialeinsatzteam, das sich an Schwerpunkten auf die Lauer legt, um Täter auf frischer Tat zu ertappen“, sagte eine Bahn-Sprecherin in Frankfurt.

          Laut einer Langzeitstatistik werden pro Jahr etwa 5000 bis 6000 Fälle angezeigt. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des hessischen Innenministeriums rund 4800 Fälle. „Aber die Dunkelziffer ist sehr hoch. Es wird bei weitem nicht alles angezeigt. Dabei ist das enorm wichtig. Oft sind Einzelpersonen oder einzelne Gruppe für sehr viele Graffitis verantwortlich“, erklärt Elmas. Wenn dann ein Täter mit seiner persönlichen Signatur gefasst werde, könnten direkt Dutzende, manchmal Hunderte Fälle aufgeklärt werden.

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