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Quartalszahlen der US-Banken : Goldman glänzt mit Gewinnverdoppelung

Goldmans Logo Bild: Reuters

Die Kreditbanken Bank of America und Wells Fargo dagegen bekommen die niedrigeren Zinsen zu spüren. Immerhin ist anscheinend beim Vorsorgebedarf für faule Kredite der Höhepunkt überschritten.

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          Kapitalmarktgeschäft hui, Kreditgeschäft pfui. Dieses Fazit lässt sich ziehen, nachdem am Mittwoch mit Goldman Sachs, Bank of America und Wells Fargo drei weitere amerikanische Banken ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorgelegt haben. Am Vortag hatten JP Morgan und Citigroup noch dank überraschend geringem Risikovorsorgebedarf im Kreditgeschäft und boomendem Kapitalmarktgeschäft einhellig die Gewinnerwartungen der Aktienanalysten übertroffen. Am zweiten Tag der Berichtssaison dagegen trennte sich die Spreu vom Weizen: Die auf das Kapitalmarktgeschäft spezialisierte Investmentbank Goldman Sachs glänzte, die Universalbanken Bank of America und vor allem Wells Fargo enttäuschten. Doch der Reihe nach.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Goldman Sachs verdiente im dritten Quartal prächtig. Die stark auf das Kapitalmarktgeschäft fokussierte Bank, der Analysten einen Gewinnanstieg zwischen 5 und 10 Prozent zugetraut hatten, konnte ihren Nettogewinn zwischen Anfang Juli und Ende September gegenüber dem Vorjahresquartal glatt auf 3,5 Milliarden Dollar (3,0 Milliarden Euro) verdoppeln. Die Goldman-Aktie legte daraufhin am Mittwoch an der Börse im frühen Geschäft deutlich zu.

          Goldmans Handelsergebnisse ragen heraus

          Zwar ist bekannt, dass das Kapitalmarktgeschäft der Banken derzeit brummt, weil Kunden in der Corona-Krise ihre Hilfe brauchen: Firmenkunden besorgen sich Geld durch den Verkauf von Anleihen und Aktien. Und Wertpapiere werden bei schwankenden Kursen stärker gehandelt. Doch mit Einnahmesteigerungen um 30 Prozent im dritten Quartal ragt Goldman heraus unter den Banken, die bisher über ihre Geschäfte im dritten Quartal berichtet haben. Im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen, den auch die Deutsche Bank zu ihren Stärken zählt, kletterten Goldmans Einnahmen sogar um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

          Die Bank of America (Bofa) hingegen musste hinnehmen, dass ihre Einnahmen im dritten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal um 11 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro schrumpften. Die nicht nur im Kapitalmarktgeschäft, sondern auch im Kreditgeschäft tätige Großbank litt stärker unter den niedrigeren Zinsen, die von der amerikanischen Notenbank Fed zur Stützung der Konjunktur in der Corona-Krise gesenkt worden sind. Erschwerend kommt für Kreditgeber hinzu, dass im Vergleich zu Europa in Amerika in der Corona-Krise mehr Unternehmen insolvent und mehr Verbraucher arbeitslos werden.

          Bofa muss Risikovorsorge verdoppeln

          Bank of America musste deshalb ihre Risikovorsorge im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal auf 1,4 Milliarden Dollar verdoppeln. Allerdings hatte die Bank im zweiten Quartal sogar 5,1 Milliarden Dollar für faule Kredite zurückgestellt. Insofern verfestigte sich der Eindruck des Vortages, dass die Risikovorsorge der amerikanischen Banken in diesem Jahr den Höhepunkt überschritten haben könnte. Unter dem Strich verdiente Bank of America mit 4,44 Milliarden Dollar 16 Prozent weniger als im Vorjahresquartal und traf in etwa die Erwartungen.

          Schwächer schnitt Wells Fargo ab. Die Bank aus San Francisco leidet offenbar weiterhin unter einem Skandal um Phantomkonten. Sie musste 769 Millionen Dollar als Risikovorsorge für faule Kredite zurückstellen, ein Anstieg von 74 Millionen zum Vorjahresquartal, aber immerhin ein deutlicher Rückgang um 2,4 Milliarden Dollar gegenüber dem zweiten Quartal. Allerdings stiegen die Kosten, und die Erträge gingen zurück. Wells Fargos Quartalsgewinn brach etwas stärker als erwartet ein: um 57 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar.

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