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Zweite Liga : Fürth: Mehr als ein Glaubensbekenntnis

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Nach dem Desaster in der ersten Liga: Trainer Kramer sorgt bei der Spielvereinigung Greuther Fürth wieder für Aufstiegsstimmung.

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          Der Fluch der guten Tat - für Helmut Hack und seinen Verein fiel er ziemlich heftig aus in der vergangenen Saison. Die Spielvereinigung Greuther Fürth war nach vielen knapp gescheiterten Anläufen endlich an ihrem Traumziel angelangt, war in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Die Begeisterung war groß, und Hack, der Präsident, war der Mann, der das möglich gemacht hatte. Nun galt es, zu genießen, doch es gab nichts zu genießen für die Fürther, es gab in der Bundesliga fürchterliche Prügel. Nur 21 Punkte standen am Ende der Saison auf der Habenseite, Abstieg als Tabellenletzter, und was das Schlimmste war: Kein einziges Heimspiel hatte die Mannschaft gewonnen.

          Es gab Tage in dieser vergangenen Saison, da schien es, als könne der Klub zerbrechen. Hohn und Spott ergossen sich über ihn, der Vereinsfrieden ging verloren, in Fürth rumorte es. Hack, der Präsident, stand im Kreuzfeuer der Kritik. Auch persönlich, sagt er, sei er damals in einen kritischen Bereich gekommen, aber man müsse damit klarkommen, selbst wenn man denkt, sie sei ungerecht und unfair. Im Februar, nach 22 Spieltagen und zwölf Punkten, zog Hack die Notbremse, entließ Trainer Mike Büskens, ging volles Risiko und sortierte den Klub neu. Er nennt es heute „eine schwere Operation“, die damals nötig gewesen sei, „einen großen Schnitt“.

          Ein kleines Wunder binnen weniger Wochen

          Mit dem 41 Jahre alten Frank Kramer holte er einen neuen Trainer von der TSG Hoffenheim, der zuvor in Fürth mit Jugendmannschaften gearbeitet hatte und gerade erst seinen Fußballlehrerschein machte. Kramer stand gleich vor einer doppelten Aufgabe: halbwegs anständig aus der ersten Liga absteigen und nebenbei die kommende Zweitligarunde vorbereiten. Zwanzig Spieler verließen schließlich den Verein, dreizehn kamen. Fast alles war neu in Fürth, und es war klar, dass es schwer werden würde, sich mit den leidgeprüften, aufgebrachten Zuschauern zu versöhnen, und dann geschah ein kleines Wunder. Innerhalb von fünf Wochen bastelte Kramer um ein paar Kämpen, die blieben, ein Team, das zweitjüngste der Liga, das schon in den Testspielen überzeugte und von den ersten fünf Partien der Saison vier gewann. Vor dem Spiel an diesem Freitag in Dresden stehen die Fürther auf Platz zwei der Tabelle, kaum einer hätte ihnen das zugetraut. „Dass alles so schnell zusammenwuchs, das konnte man nicht planen“, sagt selbst Kramer.

          Die Fans sind längst versöhnt. Der Zuschauerschnitt liegt aktuell bei mehr als 10 000 und damit auf dem Niveau des Aufstiegsjahres. Damals hatte der Verein 3000 Dauerkarten abgesetzt, heute sind es 7500. Und dann gibt es noch das „Glaubensbekenntnis“, wer es abgibt, kauft bereits für die kommende Saison eine Dauerkarte, egal für welche Liga, und bezahlt dafür den aktuellen Zweitliga-Preis. 4500 Fans haben dieses Angebot bereits gebucht. Das ist erstaunlich, denn da droht schon wieder der Aufstieg. Die nächste Runde, in der man fürchterlich verprügelt wird? Nein, sagt Hack, die Bundesliga könne keine Drohung sein. „Wir haben eine neue Situation. Wir sind in der zweiten Liga wieder vorn dabei, aber wir wissen auch, dass wir uns noch gewaltig weiterentwickeln müssen. Auf diese Aufgabe konzentrieren wir uns. Es gibt noch keinen Plan, der erste Liga heißt. Aber wenn es klappen sollte, dann hätten wir wieder 34 Spiele, auf die sich jeder freut.“ Und vielleicht könne man sich dann besser aus der Affäre ziehen, wobei sich Hack nichts vormacht.

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