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Wall Street : Apple überflügelt Microsoft

  • -Aktualisiert am

Hat die Nase vorn: Der Computerhersteller Apple Bild: dpa

Beide Technologieunternehmen kämpfen hinter dem Ölkonzern Exxon Mobil um den zweiten Platz unter den Börsenriesen. Analysten gestehen Apple die größeren Wachstumschancen zu.

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          Unter den großen Technologieaktien der Wall Street hat es - zumindest kurzzeitig - eine Wachablösung gegeben. Der Computer- und Elektronikkonzern Apple wies am Mittwoch erstmals seit mehr als zwanzig Jahren einen höheren Börsenwert auf als der Softwarehersteller Microsoft. Apple kam trotz leichter Kursverluste zum regulären Handelsende an der elektronischen Börse Nasdaq auf eine Marktkapitalisierung von 222,6 Milliarden Dollar. Der Börsenwert von Microsoft belief sich nach deutlich stärkeren Abschlägen auf 219,2 Milliarden Dollar. Apple war damit, gemessen an der Marktkapitalisierung, das zweitgrößte Unternehmen im amerikanischen Standardwerteindex S&P 500 hinter dem Ölkonzern Exxon Mobil. Am Donnerstag ging das Elefantenrennen weiter. Im frühen Handel lag Microsoft nach deutlicheren Kursgewinnen aber zeitweise wieder vor Apple.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Vorstandschef von Microsoft, Steve Ballmer, spielte die Bedeutung des vielbeachteten Meilensteins an der Börse herunter. „Ich werde mehr Gewinn machen, und es gibt sicherlich kein Technologieunternehmen auf dem Planeten, das so profitabel ist wie wir“, sagte Ballmer auf einer Veranstaltung in Indien. Der Gewinn von Microsoft war im vergangenen Geschäftsjahr mit knapp 15 Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch gewesen wie die knapp 6 Milliarden Dollar von Apple. Auch mit einem Jahresumsatz von rund 58 Milliarden Dollar liegt Microsoft noch deutlich vor dem Konkurrenten, der 43 Milliarden Dollar einnahm.

          Die Rolle des Mitbegründers Steve Jobs

          An der Börse, wo Zukunftserwartungen gehandelt werden, gesteht man Apple aber offenbar größere Chancen zu. „Vereinfacht gesagt, glauben Investoren, dass die Wachstumsaussichten von Apple besser sind als die von Microsoft“, kommentierte Bill Whyman, Leiter der Aktienanalyse beim Wertpapierhaus ISI Group. Der Höhenflug von Apple an der Börse ist eng mit der Rückkehr des Mitbegründers Steve Jobs verbunden, der 1985 aus dem Unternehmen gedrängt worden war und zum Jahresende 1996 wieder die Leitung übernommen hatte. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich der Aktienkurs von Apple versiebenfacht. Der Aktienkurs von Microsoft stagnierte dagegen. Der begnadete Vermarkter Jobs brachte bei Apple einige innovative Produkte für Verbraucher auf den Weg, die einfach zu bedienen waren, ein cooles Image hatten und entsprechend reißenden Absatz fanden. Dazu gehört der 2001 eingeführte digitale Musikspieler iPod, das erstmals 2007 vorgestellte Multimediahandy iPhone und der erst kürzlich auf den Markt gekommene Tablet-Computer iPad. Die herausgehobene Rolle von Jobs gilt an der Börse aber auch als Risikofaktor. Als Jobs kürzlich sichtlich Gewicht verloren hatte, wurde der Aktienkurs von Apple wegen der Gerüchte über eine mögliche Krebserkrankung des Managers stark belastet.

          Bild: F.A.Z.

          Mit den jüngsten Quartalsergebnissen hatte Apple für einen Glanzpunkt in der Berichtssaison für das erste Quartal gesorgt. Getrieben von den Umsätzen mit dem iPhone und dem Wachstum auf internationalen Märkten, war der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 49 Prozent und der Gewinn um 90 Prozent gestiegen. Selbst die optimistischsten Analysten waren von den Resultaten überrascht und erhöhten das Kursziel für die Apple-Aktien auf teilweise deutlich mehr als 300 Dollar. Aktuell notiert die Aktie mit rund 250 Dollar. Microsoft hatte den Umsatz im vergangenen Quartal um 6 Prozent gesteigert und den Gewinn um 36 Prozent. Das übertraf zwar die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Einige Investoren hätten aber insgeheim mehr erhofft, hieß es an der Wall Street.

          „Microsoft war das Arbeitspferd der PC-Revolution“

          Windows-Software von Microsoft läuft auf 9 von 10 Personal Computern (PC). Das Unternehmen hatte aber zuletzt wenig Erfolg in den Bereichen, die Apple dominiert. Die Absatzzahlen des Musikspielers Zune und des Multimediahandys von Microsoft blieben hinter den Resultaten von Apple zurück. Ein Projekt für einen eigenen Tablet-Computer wurde von Microsoft-Chef Ballmer beendet, bevor es auf den Markt kam. „Der Markt sieht Apple als einen Motor für Innovation und Wachstum. Microsoft macht die Mehrheit des Gewinns mit Produkten, die schon lange auf dem Markt sind“, sagt Yair Reiner, Analyst beim Wertpapierhaus Oppenheimer.

          „Microsoft war das Arbeitspferd der PC-Revolution. Aber es sieht so aus, als ob die Tricks des Pferdes zur Neige gehen“, meint Reiner. Aber auch Apple darf sich nach Einschätzung von Analysten nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Denn nicht nur Microsoft gehört zu den mächtigen Konkurrenten. Das Internetunternehmen Google hat auch ein Handy auf den Markt gebracht, und der Computerhersteller Hewlett-Packard will mit der Übernahme von Palm auch in den Markt für multifunktionale Handgeräte vordringen.

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