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VW in China : Die größte Autofabrik der Welt

  • -Aktualisiert am

Riesige, schnell wachsende Nachfrage: VW Embleme warten auf die Montage Bild: AP

Das Volkswagen-Werk in Schanghai läuft Wolfsburg erstmals den Rang ab. In der chinesischen Fabrik sollen in diesem Jahr gut eine Million Wagen vom Band rollen. Die Nachfrage im bisher noch wenig motorisierten China ist riesig.

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          Jahrzehntelang war das Volkswagen-Stammwerk in der niedersächsischen Stadt Wolfsburg die größte Autofabrik der Welt. Rund 750.000 Personenwagen rollten dort jedes Jahr vom Band - mehr als an jedem anderen Standort. Doch in diesem Jahr könnte Wolfsburg den Platz an der Spitze der Rangliste verlieren. Zwar bleibt der Status des größten Werks dem VW-Konzern erhalten. Aber die meisten Autos wird 2010 wohl das aus drei Fabrikhallen bestehende VW-Werk in Schanghai produzieren.

          Die „Autostadt Anting“ - eine Gemeinde gut 30 Kilometer westlich vom Zentrum der fast 18 Millionen Einwohner zählenden Hafenstadt - ist eines der Zentren der chinesischen Autoindustrie und zugleich der Standort des Gemeinschaftsunternehmens von VW und der Stadtregierung von Schanghai. Die bald 25.000 Arbeiter von Schanghai-Volkswagen schrauben in diesem Jahr eine Rekordzahl an Autos zusammen. „Es werden wohl zum ersten Mal mehr als eine Million Stück werden“, sagt Winfried Vahland, der seit 2005 das vor 30 Jahren begründete China-Geschäft von VW führt und in diesem Herbst zur tschechischen VW-Konzerngesellschaft Skoda wechselt.

          Der Nachholbedarf ist groß

          Gebaut werden in Schanghai an chinesische Bedürfnisse angepasste Modelle wie der „Lavida“, der „Polo Jinqing“ oder der „Polo Jinqu“. Vahland hat kurz vor seinem Weggang aus China noch die Weichen für riesige Investitionen gestellt: Binnen drei Jahren entwickelt VW für 6 Milliarden Euro mehr als 20 neue Automodelle und baut vier neue Werke im Süden des Landes. „Für den VW-Konzern ist China inzwischen der größte und wichtigste Absatzmarkt weltweit“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn kürzlich anlässlich der Vertragsunterzeichnung für ein neues Werk in der Provinzstadt Foshan. Bis 2013 verdoppelt sich die Produktionskapazität auf 3 Millionen Autos im Jahr. Schon im kommenden Jahr verkaufen die beiden VW-Unternehmen in China zusammen mehr als 2 Millionen Autos und festigen damit die Position als Marktführer in China - vor dem amerikanischen Rivalen General Motors.

          Der Nachholbedarf ist groß: Der Motorisierungsgrad in China entspricht dem deutschen im Jahr 1956. Im größten Automarkt der Welt werden in diesem Jahr erstmals über 10 Millionen neue Wagen verkauft - eine Verdoppelung binnen drei Jahren. Und in zehn Jahren dürften es laut Schätzung der Unternehmensberatung McKinsey jährlich 20 Millionen werden. Es geht also um eine riesige, schnell wachsende Nachfrage. Dementsprechend überlastet laufen die VW-Fabriken derzeit an mehr als 300 Tagen im Jahr - selbst an Sonntagen wird oft gearbeitet.

          Die Arbeiter in Schanghai verdienen bei VW mit umgerechnet etwa 600 Euro im Monat zwar doppelt so viel wie bei dem von Streiks geplagten japanischen Konkurrenten Honda. Es ist aber nur ein Zehntel von dem, was die deutschen Konzern-Kollegen bekommen. Für einen Neuwagen, der in China im Durchschnitt 15.000 Euro kostet, müssen die Arbeiter lange sparen. Weil die Chinesen so günstig arbeiten, werden sie vorerst nicht durch Roboter ersetzt: „Der Automatisierungsgrad ist in Schanghai viel geringer als in Wolfsburg - bei 85 zu 25 Prozent“, sagt Fabrikchef Torsten Knaussmann, der sich als einsame „Langnase“ unter „Kurznasen“ bezeichnet.

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