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: Virtuelles Wasser führt in die Irre DERVOLKSWIRT

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Wasser ist eine lebenswichtige Ressource, die für unterschiedlichste Zwecke wie den Anbau von Nahrungsmitteln oder die Produktion von Industriegütern benötigt wird. Einige Regionen der Welt stoßen in ihrer Nahrungsmittelproduktion längst an Grenzen.

          Wasser ist eine lebenswichtige Ressource, die für unterschiedlichste Zwecke wie den Anbau von Nahrungsmitteln oder die Produktion von Industriegütern benötigt wird. Einige Regionen der Welt stoßen in ihrer Nahrungsmittelproduktion längst an Grenzen. Hier bietet sich allerdings die Möglichkeit, lokal knappe Wasserressourcen durch Lebensmittelimporte zu entlasten: Die Mengen an Wasser, die zur Produktion dieser Güter im Exportland aufgewendet wurden, werden im Importland eingespart, dies ist der "Handel" mit virtuellem Wasser. Virtuelles Wasser bezeichnet jenes Wasser, das zur Nutzung eines Produkts auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette aufgewendet wurde, von der Feldfrucht bis zum fertigen Produkt in unseren Regalen.

          Das Konzept hat in den vergangenen Jahren starke Aufmerksamkeit erregt. Unzählige Studien versuchen, virtuelle Wasserströme zu berechnen. Internationale Unternehmen und Organisationen schenken diesen Rechnungen zunehmend Beachtung, und erste Forderungen nach handelspolitischen Konsequenzen werden laut. Ähnlich dem "Carbon Footprint" für Kohlendioxidemissionen (CO2) macht der "Wasserfußabdruck" die Anspannung globaler Wasserressourcen sichtbar für ein Produkt, einen Menschen oder ein ganzes Land. So lässt sich nachlesen, dass in einem Kilogramm Weizen etwa 1300 Liter Wasser enthalten sind, während ein Kilogramm Rindfleisch 15 500 Liter enthält. Und während ein Amerikaner stolze 2483 Kubikmeter Wasser im Jahr verbraucht, sind es in China gerade einmal 702 Kubikmeter je Kopf. So lassen sich auch virtuelle Wasserströme zwischen Nettoimporteuren und -exporteuren aufdecken.

          Sind aber diese Wasservolumina und Handelsströme problematisch, wie häufig beklagt wird? Brauchen wir eine Regulierung im Interesse von Umweltschutz und fairem Konsum? Tatsächlich betrachten die Begründer des Wasserfußabdruck-Konzepts und andere Autoren diese globalen Bewegungen von Wasserressourcen durchaus kritisch, schließlich werde hier eine lebenswichtige Ressource den "unfairen" Regeln des Agrarhandels unterworfen. Kritik richtet sich auch an die "verschwenderischen" Konsumgewohnheiten in den Industrieländern, die Druck ausüben auf Wasserressourcen in anderen Teilen der Welt. Hier steht die Vorstellung einer "gerechten" Aufteilung der weltweit verfügbaren Wasserressourcen unter allen Erdbewohnern Pate; handelsregulierende Instrumente werden gefordert.

          Der internationale Handel beruht auf der Ausnutzung relativer Kostenvorteile eines Landes in der Produktion, welche auf den Reichtum an bestimmten Ressourcen zurückgeführt werden können. Ist ein Land reichlich mit einem Faktor (zum Beispiel Wasser) ausgestattet, ist dieser relativ billig im Vergleich zu anderen Produktionsfaktoren, was dem betreffenden Land einen Kostenvorteil für jene Güter verschafft, in deren Produktion dieser Faktor eingesetzt wird. Somit wirkt Handel für alle Seiten wohlstandsmehrend, indem er durch Spezialisierung und Austausch eine effiziente internationale Arbeitsteilung herbeiführt. Zudem kann Wasser dort eingesetzt werden, wo es am reichlichsten vorhanden ist, und Länder mit geringer Ressourcenausstattung kommen durch Handel in den Genuss lebenswichtiger Güter.

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