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: Teldafax wird russisch

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bü. BONN, 19. Oktober. Die Troisdorfer Teldafax, einer der wenigen konzernunabhängigen Energieanbieter auf dem deutschen Markt, kommt sehr wahrscheinlich in russische Hände. Trotz diverser Versuche von außen, die Gespräche durch ...

          bü. BONN, 19. Oktober. Die Troisdorfer Teldafax, einer der wenigen konzernunabhängigen Energieanbieter auf dem deutschen Markt, kommt sehr wahrscheinlich in russische Hände. Trotz diverser Versuche von außen, die Gespräche durch Falschinformationen über die Lage des Unternehmens zu torpedieren, seien die Verhandlungen so gut wie abgeschlossen, sagte ein Sprecher.

          Am Dienstag machten gezielt gestreute Gerüchte über eine schwere finanzielle Schieflage die Runde. Von hohen Steuerschulden und erheblichen Liquiditätsproblemen war die Rede, ebenso von angeblich verweigerten Bestätigungsvermerken für den Jahresabschluss. "Das Ganze war ein Erpressungsversuch", sagte ein Unternehmenssprecher. Bei Teldafax soll ein Schreiben eingegangen sein, in dem hohe Geldzahlungen verlangt wurden, um sensible Unternehmensinformationen unter der Decke zu halten. Eine Strafanzeige werde vorbereitet. "Die Personen, die versuchen, die Firma zu diskreditieren, sind uns bekannt", hieß es.

          Teldafax gehört einer Schweizer Investorengruppe um den Unternehmer Anton Stiffler, der rund zwei Drittel der Anteile hält. Die Schweizer Anteile und damit die unternehmerische Mehrheit werde ein "strategischer Investor aus Russland" übernehmen, dessen Namen Teldafax noch nicht verraten wollte. Auch über den Kaufpreis schwieg man sich am Dienstag noch aus. Teldafax versorgt nach eigenen Angaben 550 000 Kunden mit Strom und weitere 150 000 Haushalte mit Gas. Der letzte veröffentlichte Jahresabschluss weist für das Geschäftsjahr 2007 einen Bilanzverlust von 2,7 Millionen Euro aus. Bei einem Umsatz von voraussichtlich knapp 500 Millionen Euro werde man auch in diesem Jahr noch einen Verlust machen, sagte der Sprecher. Gleichwohl wehrt man sich in Troisdorf gegen Behauptungen, das Unternehmen stehe finanziell auf der Kippe. Eine anscheinend illegal abgefangene E-Mail des Holding-Vorstands Klaus Bath legt nahe, dass bei Teldafax kurzfristig mindestens zwanzig Millionen Euro Liquidität fehlen. Diese Aufstellung spiegle die Situation nur unvollständig wider, hieß es. Kundenlastschriften über zwölf Millionen Euro und weitere Positionen seien darin nicht erfasst; von einer Liquiditätslücke oder gar einer drohenden Insolvenz könne keine Rede sein. Kein Hehl macht Teldafax daraus, dass das Unternehmen vorübergehend Schwierigkeiten hatte, seinen Zahlungsverpflichtungen an die Zollverwaltung nachzukommen, die die Stromsteuer erhebt. Die Zahlungen seien gestundet worden, inzwischen sei das Konto aber vollständig beglichen. Die Zollverwaltung bestätigte, dass es keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gebe.

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