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: Signal für Zinserhöhung im Juli

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          ruh. FRANKFURT, 9. Juni. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit deutlichen Worten eine Zinserhöhung für Juli in Aussicht gestellt. "Die Risiken für die Preisstabilität sind aufwärts gerichtet. Hohe Wachsamkeit ist deshalb geboten", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rats, der den Leitzins unverändert bei 1,25 Prozent beließ. In der Vergangenheit hat die EZB nach der Verwendung des Signalbegriffs "strong vigilance" (hohe Wachsamkeit) stets binnen eines Monats die Leitzinsen erhöht. Die Geldpolitik wirke weiterhin stimulierend auf die Konjunktur, sagte Trichet. Unterdessen hält die Bank von England trotz der hohen Inflationsrate an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Der Geldpolitische Ausschuss beließ den Leitzins bei 0,5 Prozent und bestätigte den Umfang des Anleihekaufprogramms von 200 Milliarden Pfund.

          Obwohl die geldpolitischen Ankündigung keine Überraschungen enthielten, gab der Euro nach und fiel um rund 1 Cent auf 1,45 Dollar. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte: "Wir sind jetzt in einem Modus, in dem es bei unserem nächsten Treffen zu einer Zinserhöhung kommen kann." Für einen solchen Schritt könnten auch die erhöhten Inflations- und Wachstumsprognosen der EZB-Fachleute sprechen. Sie rechnen nun für dieses Jahr mit einer Inflationsrate zwischen 2,5 und 2,7 Prozent, was deutlich oberhalb des Ziels der EZB von knapp 2 Prozent liegen würde. Die Wachstumsrate der Wirtschaft im Euroraum erwarten die EZB-Fachleute zwischen 0,5 und 2,3 Prozent.

          Die meisten Analysten der Banken sind sich nun sicher, dass die EZB höchstens dann auf eine Zinserhöhung verzichten würde, wenn sich die Schuldenkrise in Griechenland zu einem Bankrott entwickelte. "Im Juli kommt die nächste Zinserhöhung", sagte zum Beispiel Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass die EZB jedes Quartal eine Zinserhöhung vornehmen wird." Das entspricht den Markterwartungen. Die Preise auf dem Terminmarkt spiegeln die Erwartung vieler Investoren, dass bis zum Jahresende zwei Zinsschritte auf 1,75 Prozent und spätestens Anfang 2012 ein weiterer auf 2 Prozent erfolgen werden. Im April hat die EZB erstmals seit dem Beginn der Wirtschaftskrise den Leitzins wieder angehoben.

          Unterdessen verlängert die Zentralbank ihre Nothilfen für das Bankensystem. Seit Beginn der Finanzkrise dürfen sich die Banken bei den Finanzierungsgeschäften der EZB so viel Geld zum Leitzins leihen, wie sie wünschen. Diese Vollzuteilung werde für die einwöchigen Geschäfte auf absehbare Zeit, mindestens aber bis Oktober 2011 fortgesetzt. Für die Ausleihungen mit einer Laufzeit von einem Monat soll die Regelung mindestens bis ins dritte Quartal fortgesetzt werden. Zudem wird es drei weitere dreimonatige Geschäfte mit Vollzuteilung geben im Juli, August und September. Damit stagniert die von der EZB angekündigte Rückführung der Kredithilfen für die Banken. (Kommentar, Seite 16)

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