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Schwedens Finanzminister Borg : Lieber Lagarde als Steinbrück

Schwedens Finanzminister Borg zu Strauss-Kahn: „Ich gehe davon aus, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt” Bild: Matthias Lüdecke / FAZ

Schwedens Finanzminister Anders Borg warnt: Die Europäer dürfen ihren Einfluss im IWF nicht verspielen. Als Nachfolger von Strauss-Kahn ist er für die Französin Lagarde, obwohl er Steinbrück schätzt. „Sie ist extrem beeindruckend“, sagte er der F.A.Z.

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          Schwedens Finanzminister Anders Borg warnt die Europäer, ihren Einfluss im Internationalen Währungsfonds (IWF) leichtfertig zu verspielen. „Da die Vereinigten Staaten nicht zu erkennen geben, auf ihren Anspruch auf den Vizeposten im IWF oder den Präsidenten der Weltbank zu verzichten, fände ich es sehr merkwürdig, wenn die Europäer auf diese wichtige Position verzichteten“, sagte er am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Es gibt keinen europäischen Kandidaten, momentan benötigen wir auch keinen. Aber wenn sich das ändert, komme ich als Erstes auf den Namen Christine Lagarde.“

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Für Borg ist die Französin die geborene Nachfolgerin ihres Landsmanns Dominique Strauss-Kahn, falls dieser sich genötigt sehen sollte zurücktreten. Er sitzt derzeit wegen Vergewaltigungsvorwürfen in New York in Untersuchungshaft. „Ich gehe davon aus, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt“, meinte Borg. „Wenn wir in die Situation kommen sollten, einen neuen IWF-Chef zu benötigen, dann sollte dies ein Europäer sein. Es ist sehr wichtig, dass wir den europäischen Einfluss im IWF stark halten.“

          Der Schwede, der mit seinem kurzen Pferdeschwanz und Ohrring so gar nicht dem Klischee konservativer Politiker entspricht, äußert sich fast hymnisch über die französische Finanzministerin. „Sie ist extrem beeindruckend.“ Sie gehöre zu denjenigen, die es verstünden, in Brüssel Kompromisse zu schmieden. Lagarde wisse um die Bedeutung stabiler öffentlicher Finanzen. Gleichzeitig könne sie deutlich machen, wie wichtig Maßnahmen zur Stabilisierung von Ländern mit großen Schwierigkeiten seien.

          Nachfolge gesucht: Dominique Strauss-Kahn im Gericht in New York

          Griechenland nicht mehr in der richtigen Spur

          Angesprochen auf den zuweilen ebenfalls genannten Peer Steinbrück, äußert Borg Respekt vor dessen Leistung, macht aber zugleich deutlich, dass er die Französin für besser geeignet hält. Zum einen wäre es nach seinen Worten an der Zeit, dass eine Frau an die Spitze der internationalen Organisation rückt. Zum anderen sei sie bis zuletzt in die Treffen der zwanzig wichtigsten Wirtschaftsnationen eingebunden gewesen. „In der Situation, in der wir uns befinden, wäre ich für Frau Lagarde, obwohl ich Peer Steinbrück wirklich schätze.“ Den im Herbst aus dem Amt scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, dessen Name in den Spekulationen um eine Strauss-Kahn- Nachfolge gelegentlich zu hören ist, lobt Borg als geldpolitischen Experten, hält ihn aber offenbar nicht für einen ernsthaften Anwärter für die neue Aufgabe.

          Borg wirft der Regierung in Athen vor, die Einnahmen des Staates nicht wie zugesagt erhöht zu haben. „Es sieht derzeit so aus, als wäre das Land nicht mehr in der richtigen Spur.“ Es sei nicht ungewöhnlich, dass es Abweichungen von den IWF-Anpassungsprogrammen gebe. „Das Problem ist nicht, dass Griechenland nicht mehr in der Spur ist, sondern dass man sich sorgen muss, dass Athen nicht die notwendigen Korrekturen durchsetzt.“ Das Defizit verharre auf zu hohem Niveau. Dafür könnten die Griechen nicht den Abschwung verantwortlich machen. „Sie müssen mehr auf der Einnahmeseite tun, sie müssen auch mehr auf der Ausgabenseite machen.“ Dies sei notwendig, um Vertrauern zurückzugewinnen.

          Sehr wichtig sei zudem, dass die Opposition zeige, dass sie sich ebenfalls für die Gesundung der öffentlichen Finanzen verantwortlich fühle - so wie es in Portugal und in Irland der Fall sei. Voraussetzungen weiterer Hilfsmaßnahmen sei, dass die Griechen selbst größere Anstrengungen unternähmen. Die Regierung sollte sich ein Beispiel an der deutschen Treuhandanstalt nehmen. Ein solches Privatisierungsprogramm führe nicht nur zu zusätzlichen Einnahmen, sondern löse auch strukturelle Probleme, indem es zur Öffnung der Wirtschaft beitrage.

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