https://www.faz.net/-1va-y5ue

: Praktiker beendet seine 20-Prozent-Werbung

  • Aktualisiert am

tag. SAARBRÜCKEN, 16. Februar. "20 Prozent auf alles - außer auf Tiernahrung", dieser Werbespruch der Baumarktkette Praktiker gehört der Vergangenheit an. Das saarländische Unternehmen kündigte am Dienstag eine Umkehr der bisherigen Marktstrategie an.

          2 Min.

          tag. SAARBRÜCKEN, 16. Februar. "20 Prozent auf alles - außer auf Tiernahrung", dieser Werbespruch der Baumarktkette Praktiker gehört der Vergangenheit an. Das saarländische Unternehmen kündigte am Dienstag eine Umkehr der bisherigen Marktstrategie an. Nachdem der Konzern gegen den Trend Umsatzverluste hinnehmen musste, rudert Praktiker-Chef Wolfgang Werner nun zurück. Rabattaktionen soll es nicht mehr geben, die Märkte sollen kundenfreundlicher werden: Das Sortiment werde gestrafft, die Kosten gesenkt, die Eigenmarken gestärkt, die Logistik verbessert und die Führungsstrukturen verschlankt, sagte er bei der Präsentation der Pläne in Saarbrücken.

          Mit der Verpflichtung von Boris Becker als Werbepartner und einem eigenen Online-Shop will der Konzern verlorengegangenes Terrain zurückgewinnen. Ziel sei es, wieder flächenbereinigt zu wachsen und eine stärkere Marge zu erzielen, "um die Zukunft des Praktiker-Konzerns dauerhaft zu sichern". Praktiker werde aber ein aktionsfreudiger Baumarkt bleiben, sagte Werner. "Der Preis bleibt unser Hauptargument." Der Umbau der deutschen Praktiker-Märkte ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms. Neben den hausgemachten Schwierigkeiten im deutschen Kerngeschäft hatte die Gruppe in der Krise mit Währungsverwerfungen in Osteuropa zu kämpfen - eine Region, auf die Praktiker bei der Internationalisierung besonders gesetzt hatte.

          Umsatz und Nettoergebnis der Holding gehen seit 2007 zurück. Während die meisten heimischen Branchenkonkurrenten die Krise kaum spürten, schrieb Praktiker 2009 unter dem Strich sogar Verlust, die deutschen Märkte erwirtschafteten nur ganz knapp ein positives Betriebsergebnis. Werner sagte in Saarbrücken lediglich, Praktiker sei 2010 "besser geworden", konkrete Zahlen nannte er nicht. 2009 hat die Holding 3,6 Milliarden Euro umgesetzt und ein im Vergleich zum Vorjahr halbiertes Betriebsergebnis (Ebita) von 62,8 Millionen Euro ausgewiesen.

          Der Umbau der Märkte und die Neupositionierung verschlingen zunächst eine Menge Geld. Der im September von Escada geholte neue Finanzchef Markus Schürholz bezifferte die Restrukturierungsaufwendungen in der Zeit von 2010 bis 2012 auf knapp 100 Millionen Euro. Hinzu kämen Investitionen für den Umbau aller 234 deutschen Praktiker-Märkte von mehr als 100 Millionen Euro allein im laufenden Jahr. In Summe werde die Neupositionierung einen Millionenbetrag im "unteren dreistelligen Drittel" kosten. Im laufenden Jahr muss Praktiker nach Angaben des Managements dafür abermals auf die Reserven zurückgreifen, vom nächsten Jahr an soll das Programm aus dem laufenden Geschäft finanziert werden. Die Zahl der Mitarbeiter ist binnen Jahresfrist von 26 500 auf 25 000 gesunken, eine weitere Reduktion ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers nicht ausgeschlossen. Es seien nur vereinzelt Mitarbeiter gekündigt worden, das Gros des Abbaus hätten Fluktuation und nicht verlängerte Zeitverträge ausgemacht.

          Der Umbau soll Praktiker nach Werners Vorstellung wieder zu Margen aus besseren Zeiten führen. Bis 2013 will der Konzern das Betriebsergebnis um mehr als 100 Millionen Euro steigern. Werner, der die ehemalige Metro-Tochtergesellschaft seit zehn Jahren führt, sagte, er fühle sich von Aufsichtsrat und Aktionären in der Neuausrichtung unterstützt. Kritik an der bisherigen Rabattpolitik wies er zurück. Die 20-Prozent-Aktion habe Praktiker schließlich lange Zeit genützt und mithin den Börsengang 2005 erst möglich gemacht. Nun sei die Rabattaktion aber am Ende ihres Lebenszyklus angelangt. "Aber sie müssen keine Angst haben, das Geschäft geht weiter."

          Topmeldungen

          Markus Söder am Donnerstag in München

          Corona-Beratungen : Hat da jemand „schlumpfig“ gesagt?

          Bis in den späten Abend hinein ringen die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten um die neue Linie in Sachen Corona. Zu fortgeschrittener Stunde kommt es in der Schalte zum Schlagabtausch.
          Moria: Kinder im Flüchtlingslager auf Lesbos im März 2020

          Einfühlungsvermögen : Wann geht uns etwas nahe?

          In den Nachrichten sehen wir täglich Bilder von Leid, Schmerz und Zerstörung. Warum reagieren wir auf einige Bilder empathisch, auf andere wiederum nicht? Und können wir das steuern?