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: Ökostromkosten steigen um 70 Prozent

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ami. BERLIN, 14. Oktober. Die deutschen Stromkunden müssen immer mehr Geld für den Ausbau der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen zahlen. 2011 wird die Umlage für grünen Strom um 70 Prozent höher ausfallen als in diesem Jahr.

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          ami. BERLIN, 14. Oktober. Die deutschen Stromkunden müssen immer mehr Geld für den Ausbau der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen zahlen. 2011 wird die Umlage für grünen Strom um 70 Prozent höher ausfallen als in diesem Jahr. Das geht aus Berechnungen der Netzbetreiber hervor, die sie an diesem Freitag vorstellen wollen. Im kommenden Jahr wird die Umlage nach dem Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG) demnach von 2,05 auf 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen.

          Für einen Dreipersonenhaushalt mit durchschnittlichem Stromverbrauch werden die Kosten damit im Monat von knapp 6 auf mehr als 10 Euro steigen. Rechnet man die Mehrwertsteuer hinzu, beträgt der Erneuerbare-Energien-Zuschlag 12 Euro im Monat.

          Ob deshalb die Strompreise kurzfristig steigen werden, blieb einstweilen offen. Konzerne und Verbände hielten sich mit Äußerungen zurück. In der Vergangenheit hatten Anbieter Preissteigerungen unter anderem mit der höheren Einspeisegebühr begründet und darauf hingewiesen, dass deren Umlage auf den Strompreis politisch gewollt sei. Andererseits sind die Preise auf dem Beschaffungsmarkt gesunken, was den Unternehmen finanzielle Spielräume bietet.

          Wer eine Solar- oder Windenergieanlage betreibt, bekommt für den Strom, der in das öffentliche Netz eingespeist wird, einen vom Staat garantierten Satz, der für 20 Jahre garantiert ist. Die vier Betreiber des Höchstspannungsnetzes, durch das der Strom fließt, sind gesetzlich verpflichtet, im Oktober die Umlage für das nächste Jahr bekanntzugeben. Stromversorger sollen etwaige Preisanstiege einkalkulieren können. Basis ist der Zubau von Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung von Januar bis Oktober. Das Verfahren wird von der Netzagentur überwacht.

          In der neuen Berechnung schlägt sich vor allem der starke Ausbau der Solarenergie nieder, für die es trotz Reduzierungen immer noch eine Förderung gibt, die den Preis an der Strombörse um das Sechsfache übertrifft. In der Branche wird für dieses Jahr mit einem Zubau von bis zu 8 Gigawatt Solarstromkapazität gerechnet. Ende vergangenen Jahres betrug die gesamte Kapazität in Deutschland knapp 10 Gigawatt.

          Die Bundesregierung will den Anteil erneuerbarer Energien weiter erhöhen, bis 2020 soll er laut Energiekonzept von heute 15 auf 35 Prozent der gesamten Stromerzeugung steigen, bis 2050 auf 80 Prozent. Dafür wird ein weiterer Ausbau vor allem der Offshore-Windanlagen angestrebt. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft betragen die Kosten dafür bislang kumuliert mehr als 60 Milliarden Euro. Zusammen mit den eingegangenen Verpflichtungen für die nächsten Jahre errechnen sich bis 2015 Kosten von über 150 Milliarden Euro. Die Bundesregierung will die Finanzierung durch eine Änderung des EEG-Gesetzes 2012 ändern. Verbraucherschützer und Vertreter der Unternehmen, unter denen nur wenige Großverbraucher von der Umlage ausgenommen sind, verlangen schon lange eine Änderung der Finanzierungsregeln für Ökostrom.

          Im kommenden Jahr wird ein Teil des Anstiegs auch auf den niedrigeren Börsenpreis in diesem Jahr zurückzuführen sein, Grund dafür ist die Berechnungsmethode. Denn die Netzbetreiber zahlen zwar den Betreibern von Windrädern und Solaranlagen eine gesetzlich festgelegte Einspeisegebühr. Wenn sie die Verbraucher belasten, müssen sie davon aber den Betrag abziehen, den man beim Bezug der Ökostrommenge über die Börse hätte bezahlen müssen. Das ergibt dann die "Differenzkosten", den Betrag, der tatsächlich zur Förderung des Ökostroms ausgegeben wird. 2010 sind das mehr als 8,2 Milliarden Euro bei einer Umlage von 12,7 Milliarden Euro. Weil die Netzbetreiber im vergangenen Jahr für 2010 von leicht steigenden Börsenstrompreisen ausgegangen waren, die Preise aber fielen, fehlen ihnen nun 1,1 Milliarden Euro in der Rechnung für 2010. Der Betrag wird auf die Umlage des Jahres 2011 aufgeschlagen.

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