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: Naturgas ist noch für mindestens 60 Jahre vorhanden

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mos. BUENOS AIRES, 7. Oktober. "Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Gases, so wie das vergangene das Jahrhundert des Öls war." Mit diesem Ausruf versuchte Alexej Miller, Chef des russischen Erdgasgiganten Gasprom, zum Auftakt ...

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          mos. BUENOS AIRES, 7. Oktober. "Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Gases, so wie das vergangene das Jahrhundert des Öls war." Mit diesem Ausruf versuchte Alexej Miller, Chef des russischen Erdgasgiganten Gasprom, zum Auftakt der Weltgaskonferenz in Buenos Aires ein wenig Stimmung zu machen. Denn die Gasbranche hat derzeit wenig zu lachen. Im Zuge der globalen Wirtschaftskrise sind Preise und Absatz von Erdgas eingebrochen. Auf dem besonders stark liberalisierten Gasmarkt der Vereinigten Staaten waren die Spotmarkt-Preise gegenüber dem Stand von Mitte 2008 zeitweise auf kaum noch ein Viertel gesunken. Und anders als der Ölpreis haben sich die Gaspreise bisher kaum erholt (F.A.Z. vom 5. Oktober). Ganz so optimistisch wie Miller gaben sich die meisten anderen Gasmanager und Experten in Buenos Aires denn auch nicht. Doch mittel- und längerfristig werde sich die Gasnachfrage deutlich erholen, herrschte weitgehende Übereinstimmung.

          So werde der globale Anteil von Erdgas an der primären Energieversorgung von heute 21 Prozent bis 2030 auf einen Anteil von 23 Prozent zunehmen, heißt es in einer Studie der weltweiten Branchenvereinigung International Gas Union (IGU), die alle drei Jahre das Welttreffen der Gasindustrie organisiert. Mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum um 1,8 Prozent werde das Absatzvolumen bis 2030 von derzeit 3 auf mehr als 4,3 Billionen Kubikmeter im Jahr wachsen. Vor allem Schwellenländer wie China und Indien, die bisher noch vornehmlich auf Kohle setzen, dürften ihren Gasverbrauch stark ausweiten.

          Im Vergleich zu Erdöl sind an Naturgas reichhaltige Reserven vorhanden. Allein die nachgewiesenen Reserven reichen für 60 Jahre. Viele Vorkommen sind kaum erforscht, zudem macht die Fördertechnologie rasante Fortschritte. Darum sei das weltweite Angebot viel stärker gestiegen, als bei der letzten IGU-Konferenz erwartet worden war, sagte Ian Cronshaw, Experte der Internationalen Energieagentur. Vor allem in den Vereinigten Staaten habe es "eine Revolution" bei der Förderung von Gas aus unkonventionellen Quellen wie Schiefergestein (shale gas) gegeben. Nicht nur der durch die Wirtschaftskrise bedingte Nachfrageeinbruch, auch das unerwartet rasch steigende Angebot habe wesentlich zu dem Verfall der Gaspreise beigetragen.

          Sollten sich die Politiker weltweit darauf verständigen können, den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid mit hohen Kosten zu belegen, werde der weltweite Anteil von Gas am Energieverbrauch sogar noch stärker auf 28 Prozent im Jahr 2030 zunehmen. In diesem "grünen Szenario" werde der Einsatz von erneuerbaren Energien stark steigen. Zwar ist auch Gas ein fossiler Brennstoff, doch bei seiner Verbrennung werde mindestens ein Viertel weniger CO2 freigesetzt als beim Erdöl und fast die Hälfte weniger als bei Kohle. Damit sei Gas als Rückversicherung bei der Nutzung von erneuerbaren Energien wie Wind- oder Sonnenenergie die beste Alternative. "Gas ist relativ sauber, billig und flexibel", erklärt Daniel Yergin von IHS Cambridge Energy Research Associates. Wenn der Wind zu schwach wehe oder die Sonne nicht scheine, könne ein Gaskraftwerk rasch einspringen. Die Gasindustrie habe jedoch bisher zu wenig getan, um die Vorteile ihres Produkts der Politik und der breiten Bevölkerung zu erklären, sagte Yergin. "Wir müssen uns als Partner für den Klimaschutz anbieten", stimmte Bernhard Reutersberg zu, der Chef von Eon-Ruhrgas. Ein Hindernis für das Wachstum der Gasindustrie seien zudem geopolitische Konflikte und die politischen Rahmenbedingungen auf einzelnen Märkten, mahnte Coby van der Linde vom Clingendael International Energy Programme.

          Ein weiterhin starkes Wachstum prognostizieren die Experten für den Handel mit verflüssigtem Naturgas (LNG). Bis 2030 werde sich das Volumen des Welthandels mit LNG auf 650 bis 750 Milliarden Kubikmeter im Jahr etwa verdreifachen. Allein Europa werde seine Bezüge von 53 auf 230 Milliarden Kubikmeter LNG erhöhen.

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