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MENSCHEN & WIRTSCHAFT : Mittler zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

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Wie auch in Deutschland herrscht in Österreich ein Mangel an Fachkräften. Unternehmen haben Mühe, geeignetes Personal zu finden. Vor allem Techniker in allen Sparten sind gefragt. Diesen Umstand hat sich Alexander Wozak zunutze gemacht.

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          Wie auch in Deutschland herrscht in Österreich ein Mangel an Fachkräften. Unternehmen haben Mühe, geeignetes Personal zu finden. Vor allem Techniker in allen Sparten sind gefragt. Diesen Umstand hat sich Alexander Wozak zunutze gemacht. Er vermittelt Arbeitskräfte im technischen Bereich. Spezialisiert ist er auf Informatik, Telekommunikation und Elektrotechnik.

          Selbständig gemacht hat sich der ausgebildete Ingenieur für Elektrotechnik vor drei Jahren, damals gründete er die HR Consulting- Personal- und Managementberatung. Davor arbeitete er für den Personaldienstleister Manpower, wo er das Geschäft von der Pike auf lernte. Den Sprung in die Selbständigkeit hat er aus Frust gewagt, wie er erzählt: "Als Angestellter habe ich viel gearbeitet, dabei wenig verdient und weder Anerkennung noch Weiterbildung erhalten."

          In der Nische kann er gut leben. Auf dem Gebiet der Vermittlung von technischen Talenten tummeln sich in Österreich eine Handvoll maßgeblicher Konkurrenten, so dass das Ertragspotential noch entsprechend ausfällt: In seinem ersten Geschäftsjahr 2008 kam er auf einen Umsatz von 300 000 Euro, 2010 waren es 1,1 Millionen Euro. Operativ verdient wurden zehn Prozent. Mittelfristig strebt er eine Umsatzrendite von 15 bis 20 Prozent an und ein jährliches Umsatzwachstum von fünf Prozent. Für seine Beratungsleistungen verrechnet Wozak 18 bis 25 Prozent des Bruttojahresgehalts.

          Die aktuelle Marktlage sieht der Fachmann unverändert gut für Techniker. Gesucht sind Entwickler, Programmierer, Systemspezialisten und Hardwaretechniker. Der Headhunter erkennt jedoch einen Wandel seit dem Platzen der Dot-com-Blase vor zehn Jahren: Es könne nicht mehr jeder Fachfremde rasch umgeschult werden zu einem Programmierer, heißt es. Vielmehr schauten potentielle Arbeitgeber auf eine solide Erfahrung und seien auch bereit, entsprechend viel Geld dafür auszugeben. Jedoch sei nur ein Drittel bis zur Hälfte besetzbar. "Für 50 Aufträge einer speziellen Qualität können wir maximal 25 Kandidaten anbieten. Diese Relation verschlechtert sich."

          Für HR Consulting- Personal- und Managementberatung ist der Fachkräftemangel nicht nur ein Segen. "Wenn wir zu wenige Leute finden, machen wir keinen Umsatz", erläutert Wozak. Auch Deutschland ist für den Makler ein Zielgebiet in der Rekrutierung von Arbeitskräften. Mittlerweile hat er zwei Dutzend Deutsche nach Österreich vermittelt. Über einen Auftrag eines deutschen Unternehmens für seine österreichische Tochtergesellschaft ist es ihm gelungen, auch in Deutschland Arbeitsstellen zu besetzen. Der Geschäftsführer war zufrieden mit seinem durch HR Consulting vermittelten Personalneuzugang und wollte von Wozak wissen, ob er auch in der deutschen Zentrale besetzen kann. "Wir probieren es", war dessen Antwort. Mit erhöhtem Aufwand hat er es geschafft. Ein halbes Dutzend deutsche Spezialisten hat der Wiener seit 2010 in Nordrhein-Westfalen vermittelt. Hilfreich dabei ist eine Kooperation mit der TU Berlin, die der Personaler seit Jahren pflegt.

          Überdies nützen seine Branchenkenntnisse, die er vor seiner Zeit als Personalvermittler als Gutachter in der Schweizer Sachverständigen-Gesellschaft SGS gesammelt hat. Dort hat er Expertisen für Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau verfasst. "Diese Kunden brauchen irgendwann Personal", erinnerte sich Wozak seiner alten Netzwerke zu Beginn seines Unternehmerdaseins. Dennoch war der Weg in die Selbständigkeit wegen der fehlenden Büroräumlichkeiten hürdenreich. "Ich habe im Kaffeehaus zu rekrutieren begonnen." Zunächst hatte er ein Büro in seiner Wohnung eingerichtet mit einem acht Jahre alten Computer, den er für 200 Euro von einem EDV-Leiter erworben hatte. Ebenfalls gebraucht gekauft wurden Faxgerät sowie ein Drucker. Wenn Kunden ihn in seinem Büro besuchen wollten, sagte er: "Es wird umgebaut."

          Mit Ersparnissen von rund 60 000 Euro hat er schließlich begonnen, ein Büro einzurichten. "Habe meine Reserven genutzt, um was aufzubauen mit vollem Risiko. Wäre es in die Hosen gegangen, hätte ich mir wieder einen Job suchen müssen." Firmengründung, Gewerbescheine, Anmeldung sowie die Prüfungen für Arbeitskräfteüberlassung und Unternehmensberatung kosten in Österreich einige tausend Euro. Der höchste finanzielle Aufwand entsteht in dieser Branche für Büroausstattung. "Viele machen den Fehler, alles neu zu kaufen. Es genügt aber gebraucht. Man muss aufpassen, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen."

          Sieben Mitarbeiter beschäftigt HR Consulting an insgesamt vier Standorten. Eine Erweiterung Richtung Westösterreich und Deutschland wird überlegt. Zu drei Büros in Österreich kommt derzeit eine Niederlassung in Deutsch-Klausenburg in Rumänien. Personal von dort schätzt er besonders, denn nach seiner Erfahrung sind die Techniker aus Rumänien gut ausgebildet und deutlich eifriger als Österreicher und Deutsche. Sie hätten ebenso wie Tschechen und Slowaken weniger Ansprüche und seien wesentlich flexibler, sagt der Österreicher Wozak. Allen gemeinsam sei die Lässigkeit im Umgang mit Kleidung und Auftreten. Und da fährt Wozak gerne in die Parade. Denn er will seine Schützlinge nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch vermarkten. "Ich sorge dafür, dass der jeweilige Kandidat geschniegelt zum Bewerbungsgespräch kommt." Bei Technikern sei das ja in den zurückliegenden Jahren nicht so wichtig gewesen. Da hieß es: Ein Techniker muss nicht elegant daherkommen, sondern nur gescheit sein. "Es nützt nichts, wenn ein Dandy eine hohle Nuss ist. Es ist aber ebenso von Nachteil, wenn ein fähiger Mensch mit Birkenstocksandalen daherkommt."

          MICHAELA SEISER

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