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Medienmacher : Konstantin Neven DuMont geht eigenen Weg

  • -Aktualisiert am

Konstantin Neven DuMont verbreitet sich selbst Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Seine Beurlaubung ist vorbei: Konstantin Neven DuMont scheidet endgültig aus dem Vorstand des Zeitungsverlags M. DuMont Schauberg aus. Jetzt macht er sich selbstständig und investiert mehrere hunderttausend Euro in seine eigene Internetseite.

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          Konstantin Neven DuMont ist jetzt sein eigener Medienmann. Mit Beginn dieses Monats endet die Beurlaubung als Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg. Mit einer Abfindung verlässt er nun endgültig das operative Geschäft des drittgrößten Zeitungsverlags Deutschlands (“Kölner Stadt-Anzeiger“, „Berliner Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“). Der 41 Jahre alte Sohn des Verlegers Alfred Neven DuMont verbreitet seine Gedanken längst fast täglich im Internet via Twitter und Facebook. Bald startet er auch sein eigenes Medium unter „kndm.de“ und investiert dafür mehrere hunderttausend Euro.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ich habe die Hoffnung, dass wir unter Beweis stellen können, dass auch Journalisten in der digitalen Welt ihren Lebensunterhalt verdienen können“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Finanzieren soll es sich vor allem durch Werbung, später könnten Nutzer für einzelne Inhalte zahlen. Alle Kosten trägt Neven DuMont selbst: Mindestens ein Jahr nach dem Start, den er im September plant, will er das Projekt finanzieren, in dieser Zeit rechnet er mit Personalkosten von bis zu 350.000 Euro.

          Ihm gehe es mit dem Projekt darum, nicht nur Missstände, sondern auch Lösungswege aufzuzeigen. Das solle einen „aktivistischen Aspekt“ bedienen. Zu sehen ist davon noch nichts, nur ein Kontaktformular ziert die Internetseite. Seit vier Wochen kümmert sich Neven DuMont um die Gründung des Unternehmens. Für 200.000 Euro hat er Audio- und Videotechnik gekauft. In seinem Wohnzimmer in Bergisch Gladbach steht eine riesige grüne Leinwand für Filmaufnahmen. Die Verwaltung sitzt in Köln, in Bergisch Gladbach eine Redaktion, deren Mitarbeiter zumeist Honorarverträge erhalten.

          Sein Vater: Der Verleger Alfred Neven DuMont
          Sein Vater: Der Verleger Alfred Neven DuMont : Bild: Daniel Pilar

          Neven DuMont war im Herbst im Streit von seinem Vorstandsamt beurlaubt worden. Er gab an, Urlaub zu machen, um aus der öffentlichen Schusslinie zu verschwinden. Zuvor waren anonyme, zum Teil wirre Kommentare in einem Blog des Journalisten Stefan Niggemeier, Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, bekannt geworden, die dieser Konstantin Neven DuMont zuordnete. Neven DuMont selbst sagt, dass die Kommentare nicht von ihm stammten, sondern von Mitarbeitern.

          In der öffentlichen Auseinandersetzung legte sich Konstantin Neven DuMont mit seinem Vater an, der als Aufsichtsratschef weiter die Fäden im Unternehmen zieht. Der Sohn warf dem Vater etwa vor, keine Ahnung vom digitalen Geschäft zu haben. Einige Zeit sprach der Vater kein Wort mit ihm. Ganz verabschiedet sich der Sohn nicht aus dem Familienunternehmen. Er will seine Anteile von 7 Prozent behalten und bleibt in der Gesellschafterversammlung. Jüngst besuchte der Vater den Sohn. „Ich habe ihm die Philosophie des Projekts erzählt, und er war richtig begeistert“, sagt Konstantin Neven DuMont. „Er war auch überrascht, wie weit wir sind.“ Wenn das mal nicht die Hauptsache ist.

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