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Management : Klimaschutz als Wettbewerbsfaktor

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Besonders in Europa ändern sich mit Blick auf den Klimawandel die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln. Man denke nur an die regulatorischen Eingriffe des Gesetzgebers oder an die sich dadurch verändernden Markt- und Wettbewerbsbedingungen.

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          Besonders in Europa ändern sich mit Blick auf den Klimawandel die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln. Man denke nur an die regulatorischen Eingriffe des Gesetzgebers oder an die sich dadurch verändernden Markt- und Wettbewerbsbedingungen. Allein das Klimaschutzpaket der Bundesregierung und die Verpflichtung der EU, bis zum Jahr 2020 die CO2-Emission um 20 Prozent zu reduzieren, werden die bestehende Geschäftsmodelle in nahezu allen Branchen massiv beeinflussen. So wird der Emissionshandel auf weitere Branchen ausgedehnt, die Emissionsberechtigungen sollen versteigert werden, und die Emissionsauflagen für den Verkehrssektor werden schärfer.

          Hinzu kommt, dass Kunden das Thema Klimaschutz immer stärker in ihre Kaufentscheidungen einbeziehen. Ein erstes Beispiel liefert der Einbruch des Pkw-Absatzes in Deutschland. Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes ZDK führt diesen Rückgang nicht zuletzt auf die Verunsicherung der Kunden durch die sehr breit diskutierte Limitierung des CO2-Ausstoßes von Neuwagen zurück.

          Weitere Akteure beginnen ebenfalls, ihre Entscheidungen am Klimaschutz auszurichten. Kapitalgeber ziehen zusätzliche klimarelevante Kriterien für ihre Entscheidungen heran. Schon werden durch Investoren Studien veröffentlicht, in denen Branchen und Sektoren nach ihren Klimarisiken beurteilt werden. Als Beispiel kann der Deutschland-Bericht des Carbon Disclosure Projects für das Jahr 2007 dienen, der im Namen von weltweit 315 institutionellen Investoren veröffentlicht wurde. Zudem werden Aufsichts-, Prüfstellen sowie Verbraucherschützer ihre Bewertungskriterien verändern.

          Zentraler Bezugspunkt der veränderten Rahmenbedingungen sind für ein Unternehmen nicht nur die selbst verursachten Emissionen an Treibhausgasen, sondern alle Emissionen entlang der Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Sie sind von regulativen Eingriffen betroffen und werden so zum Kostenfaktor, der sich auch auf vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen auswirkt. An diesen CO2-Emissionen setzt die Methodik des Climate Value Management an.

          Den Auftakt des Climate Value Management bildet eine Climate Due Diligence. Mit ihrer Hilfe werden die zentralen Bereiche und Wertschöpfungsstufen herausgefiltert, die den veränderten Rahmenbedingungen unterworfen sind. Dadurch wird transparent, welche ökologischen und ökonomischen Effekte das eigene Geschäftsmodell beeinflussen werden. Climate Due Diligence - was ist das?

          Zunächst werden jene Stufen der Wertschöpfungskette identifiziert, in denen relevante CO2-Emissionen entstehen. Dieser Ausstoß an Treibhausgasen wird berechnet, um die Prozesse oder Teilprozesse auf ihre Klimawirkung (Climate Impact) hin zu bewerten.

          Im nächsten Schritt wird die Klimaposition des Unternehmens ermittelt. Hierzu werden klimainduzierte Änderungen sichtbar gemacht, die das Unternehmen treffen, wie regulatorische Eingriffe, tatsächliche Klimaänderungen oder verändertes Wettbewerbsverhalten anderer Markteilnehmer. Chancen und Risiken des Klimawandels werden somit, bezogen auf das eigene Unternehmen, offengelegt.

          Die Climate Due Diligence betrachtet das Unternehmen im Kontext der gesamten Wertschöpfungskette, also auch in seinen Beziehungen zu Vorlieferanten und Abnehmern, sowie die damit verbundene Transportlogistik. Setzt ein metallverarbeitendes Unternehmen beispielsweise Stahl ein, so sind die eigenen Emissionen unter Umständen recht gering, die der Stahlproduktion als vorgelagerte Wertschöpfungsstufe dafür umso höher. Die Stahlproduktion ist einerseits sehr energieintensiv, und andererseits unterliegt dieser Sektor dem Emissionshandel. Der Preis ist also entsprechend abhängig von dem volatilen Emissionshandelspreis. Europäischer Stahl wird sich entsprechend verteuern, chinesischer Stahl gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit - mit entsprechenden Auswirkungen auf das Unternehmen. Eine Betrachtung, die nur auf die eigenen Emissionen abstellt, griffe daher zu kurz.

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