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Lebenserwartung steigt : Deutschland hat eine der ältesten Bevölkerungen

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Bild: F.A.Z.

Wer sind die Deutschen? Das neue Statistische Jahrbuch gibt Antworten auf rund 750 Seiten. Die alarmierendste Nachricht: Deutschlands Bevölkerung ist eine der ältesten der Welt.

          Die deutsche Bevölkerung gehört inzwischen zu den ältesten der Welt. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin mit. 17 Millionen Menschen seien in Deutschland älter als 65 Jahre, das entspreche 20 Prozent der Bevölkerung, sagte der Präsident des Amtes, Roderich Egeler, bei der Vorstellung des Statistischen Jahrbuchs. 1950 seien dagegen nur 10 Prozent in diese Altersgruppe gefallen.

          Ein Junge, der zwischen 2007 und 2009 geboren wurde, hat eine Lebenserwartung von 77 Jahren, ein Mädchen von 83 Jahren. Anfang der fünfziger Jahre war die Lebenserwartung in Deutschland 13 bis 14 Jahre niedriger.

          Zahl der Geburten seit 1950 nahezu halbiert

          Gleichzeitig hat sich die Zahl der Geburten seit 1950 fast halbiert. Damals wurden 1,1 Millionen Kinder geboren, 2010 waren es nur noch 678000 - obwohl 1950 weniger Menschen in Deutschland lebten als heute. Die wenigsten Geburten gab es mit 665000 bislang im Jahr 2009; im vergangenen Jahr kamen wieder etwas mehr Kinder auf die Welt. In Indien, einem Land mit einer jungen Bevölkerung, kommen nach Angaben der Statistiker 23 Neugeborene auf 1000 Einwohner. In Amerika sind es 14, in Frankreich 13, in Deutschland nur 8.

          1950 kamen hierzulande noch 16 Geburten auf 1000 Einwohner, so viele wie heute in Brasilien. Die demographische Entwicklung - eine steigende Lebenserwartung bei gleichzeitigem Rückgang der Geburten - führt regelmäßig zu Debatten über das deutsche Rentensystem, weil weniger Erwerbstätige mehr Rentner finanzieren müssen. Auch der Fachkräftemangel, der angesichts der Demographie droht, beschäftigt immer wieder Politik und Wirtschaft. Gefordert wird in diesem Zusammenhang regelmäßig eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland. Derzeit stammen nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts 19 Prozent der Menschen, die in Deutschland leben, ursprünglich aus dem Ausland oder haben ein Elternteil mit Migrationshintergrund. Neun Millionen dieser insgesamt 16 Millionen Menschen haben einen deutschen Pass. Etwa ein Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund seien in Deutschland geboren worden, sagte Egeler, zwei Drittel seien zugewandert. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei, Polen und Russland.

          Trotz der gesellschaftlichen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten sind die Statistiker auch auf Konstanten gestoßen: Schon 1950 war Einzelhandelskauffrau der beliebteste Ausbildungsberuf bei Mädchen, was sich bis heute nicht geändert hat. Jungen dagegen wollten damals am liebsten Maurer werden - und heute Kraftfahrzeugmechatroniker.

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