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: Klage gegen ehemaligen Siemens-Vorstand Uriel Sharef

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Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen ein weiteres ehemaliges Siemens-Vorstandsmitglied Anklage wegen Bestechung erhoben. Die Behörde nennt den Angeklagten nicht namentlich: Sie spricht davon, dass der Angeschuldigte zwischen 2000 und 2007 dem Zentralvorstand der Siemens AG angehörte.

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          Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen ein weiteres ehemaliges Siemens-Vorstandsmitglied Anklage wegen Bestechung erhoben. Die Behörde nennt den Angeklagten nicht namentlich: Sie spricht davon, dass der Angeschuldigte zwischen 2000 und 2007 dem Zentralvorstand der Siemens AG angehörte. Tatsächlich handelt es sich um Uriel Sharef, der die Region Amerika betreute, auf die sich die Staatsanwaltschaft in der Anklage bezieht. Sharef, 66 Jahre, ist neben Thomas Ganswindt und dem früheren Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger das dritte Mitglied der einstigen Siemens-Vorstandsetage, gegen den ermittelt worden ist.

          Das Verhalten der Staatsanwaltschaft und die Anklage gegen den 1944 in Israel geborenen Manager hat unter Beobachtern zu einer gewissen Verwunderung geführt. Erst vor knapp vier Wochen musste sie eine schwere Niederlage hinnehmen, als das Gerichtsverfahren gegen Thomas Ganswindt gegen Zahlung einer Geldauflage von 175 000 Euro eingestellt wurde. Der 50 Jahre alte frühere Chef der Siemens-Sparte Kommunikationstechnik ist damit nicht vorbestraft. Der Hauptbelastungszeuge Reinhard Siekarczek fiel in sich zusammen, nachdem er mit Vorwürfen konfrontiert worden war, er habe aus bestehenden schwarzen Kassen bei Siemens Geld in die eigene Tasche abgezweigt, was er jedoch offiziell bestritten haben soll. Die 4. Strafkammer urteilte, dass die Schuld von Ganswindt geringer sei als ursprünglich absehbar.

          Gespannt wird das Verfahren gegen Sharef erwartet, das vor derselben Kammer stattfinden soll, wenn sie die Klage zulässt. Wie die Behörde am Dienstag mitteilte, wird dem Angeschuldigten unter anderem vorgeworfen, von Schmiergeldzahlungen an argentinische Regierungsvertreter gewusst zu haben, damit Siemens einen Auftrag für fälschungssichere Ausweise erhalte. Der Projektvertrag sei im Mai 2001 nach dem Regierungswechsel in Argentinien zwar zurückgenommen worden. Doch hätten Regierungsvertreter gegenüber Siemens auf die Zahlung von mindestens 27 Millionen Dollar bestanden.

          Sharef soll darüber informiert gewesen sein und verfügt haben, die geforderte Summe aus einer ihm bekannten schwarzen Kasse zumindest teilweise zu begleichen. Auch soll er sich persönlich in einem Treffen mit einem Mittelsmann auf die Zahlung von 4,7 Millionen Dollar geeinigt haben. Sharef, der auch für das Siemens-Kraftwerksgeschäft zuständig war, soll seine Unschuld beteuert haben.

          kön.

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