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: Irland und EU über Herabstufung verärgert

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bes./wmu. LONDON/BRÜSSEL, 13. Juli. Die Ratingagentur Moody's hat als erste der drei großen Agenturen nach den portugiesischen auch die irischen Staatsanleihen auf "Ramschniveau" herabgesetzt. Dies bedeutet, dass Irlands Anleihen ...

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          bes./wmu. LONDON/BRÜSSEL, 13. Juli. Die Ratingagentur Moody's hat als erste der drei großen Agenturen nach den portugiesischen auch die irischen Staatsanleihen auf "Ramschniveau" herabgesetzt. Dies bedeutet, dass Irlands Anleihen als spekulativ eingestuft werden und zahlreiche Fondsmanager die Schuldpapiere nicht mehr in ihren Portfolios halten dürfen. Der weitere Ausblick für künftige Ratings ist negativ. "Das heißt, dass einige Investoren unsere Staatspapiere nicht mehr anrühren werden. Das ist schlecht für uns und macht unsere Arbeit, eine Erholung für Irland herbeizuführen, nur noch schwieriger", kritisierte der irische Wirtschaftsminister Richard Bruton. Die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptiert die irischen Wertpapiere indessen weiterhin als Sicherheit, damit sich Banken mit Hilfe der Anleihen Geld von der EZB borgen können.

          EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Herabstufung unverständlich. Die irische Regierung habe entschlossen gehandelt, um die mit den internationalen Partnern vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen auf den Weg zu bringen, ließ Barroso in Brüssel mitteilen. Die "Troika" aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission will an diesem Donnerstag in Dublin einen neuen Zwischenbericht zum Fortschritt des Irland auferlegten Spar- und Reformprogramms vorlegen. Dass Moody's die Herabstufung unmittelbar vor Bekanntgabe der Troika-Ergebnisse veröffentlichte, nannte Barroso "zumindest fragwürdig".

          Freilich stellt Moody's - wie auch mit Blick auf Portugal - nicht in Frage, dass Irland bislang alle Anforderungen des Programms von EU und IWF korrekt erfülle. Mit der Senkung seines Staatsdefizits schreite Dublin sogar besonders gut voran. Die Kernbotschaft von Moody's zielt wie im Fall Portugal auf einen anderen Punkt ab. Auch Irland werde wohl nach dem derzeit laufenden Rettungsprogramm von 85 Milliarden Euro neue Finanzierungshilfe benötigen, da es Ende 2013 voraussichtlich nicht, wie geplant, an den Kapitalmarkt zurückkehren könne.

          Als Hauptschwierigkeit für Irland nannte Moody's die Diskussion um eine Beteiligung der privaten Gläubiger an einem nächsten Rettungspaket. Jegliche Beteiligung privater Gläubiger, also der Banken und Versicherungen, wirke sich negativ für die Anleger aus. "Das ist einer der wichtigsten Punkte, auf die Moody's bei der Bonitätsbewertung hochverschuldeter Staaten in der Währungsunion achtet", betonte die Ratingagentur am Mittwoch.

          In der politischen Diskussion um ein zweites Rettungspaket für Griechenland sei deutlich geworden, dass Politiker auf eine Beteiligung privater Gläubiger pochten. Dies könne in Form von Anleihetausch oder einem Kauf neuer Anleihen mit Kupon unter Marktkonditionen geschehen. Dies verscheuche aber Investoren vom Kapitalmarkt und mache es nur noch unwahrscheinlicher, dass sich Irland zu erschwinglichen Konditionen am Markt refinanzieren könne. Am Mittwoch kletterte die Rendite für irische Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit auf knapp 14 Prozent - mehr als doppelt so hoch, wie es langfristig tragbar wäre. Die Situation werde sogar noch ernster, warnte Moody's, sollte es bei Griechenland gar zu einem Zahlungsausfall kommen. Griechenlands Anleihe-Rating von "Caa" impliziert derzeit ein "hohes Ausfallrisiko".

          Das irische Kreditprogramm umfasst 85 Milliarden Euro. Davon kommen je 22,5 Milliarden Euro aus dem vom EU-Haushalt gestützten Stabilitätsfonds EFSM, vom Euro-Krisenfonds EFSF, ergänzt von bilateralen Krediten Großbritanniens, Dänemarks und Schwedens, und vom IWF. Zu diesen insgesamt 67,5 Milliarden Euro kommen 17,5 Milliarden Euro, die Irland selbst aus den nationalen Pensionsfonds und der Barreserve des Finanzministeriums beisteuert. Nach dem Hilfsprogramm ist vorgesehen, dass Irland im kommenden Jahr wieder Staatsanleihen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro begibt, 2013 soll die Finanzierung über die Märkte 14 Milliarden Euro betragen. Von 2014 an soll die Liquiditätslücke überwunden sein, woran Moody's nun zweifelt. (Umschuldung und Sparprogramme in der Diskussion, Seite 11; Lästige Ratingagenturen, Seite 18)

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