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Im Gespräch: Svein Harald Øygard : „Island könnte Symbol für den Wiederaufbau werden“

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Svein Harald Øygard Bild: Sedlabanki

Der Norweger Svein Harald Øygard ist seit Februar Chef der isländischen Notenbank. Strenge Kapitalkontrollen und internationale Hilfskredite haben den Kurs der Krone seither stabilisiert. Im FAZ-Interview spricht Øygard über sinkende Inflation und die Stabilisierung der isländischen Wirtschaft.

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          Der Norweger Svein Harald Øygard ist seit Februar Chef der isländischen Notenbank. Strenge Kapitalkontrollen und internationale Hilfskredite haben den Kurs der Krone seither stabilisiert. Im FAZ-Interview spricht Øygard über sinkende Inflation und die Stabilisierung der isländischen Wirtschaft.

          Noch im Oktober stand Island am Rand des Staatsbankrotts, jetzt malen Sie die Zukunft rosarot: Die Inflation soll Anfang 2010 auf 2,5 Prozent fallen, die Wirtschaft im dritten Quartal 2010 wieder wachsen. Woher der Optimismus?

          Die Inflation lag im Januar bei 18,6 Prozent. Aber jetzt haben wir schon fast keinen Inflationsdruck mehr und auch keine Inflationsspirale, wie sie in Europa typisch wäre. Zum Beispiel wurden alle Tariferhöhungen verschoben, damit greift das isländische Volk das Übel bei der Wurzel. Wir können deshalb schon im Sommer eine einstellige Inflationsrate erreichen. Und was die Wirtschaft angeht: Die Importe sind zwar um rund 30 Prozent gesunken, das Minus für die Inlandsnachfrage liegt aber nur bei 5 Prozent.

          Lassen sich überhaupt Prognosen anstellen, solange die genaue Höhe der Vermögenswerte und Schulden der drei kollabierten Banken nicht ermittelt ist?

          Uns liegt inzwischen ein Bericht über die Bilanzen der Banken vor, aber das ist zurzeit noch keine öffentliche Angelegenheit. Der rapide Wertverfall ist aber vor allem im internationalen Kreditportfolio der Banken zu verorten und reflektiert deshalb nicht den Zustand der isländischen Realwirtschaft.

          Ob die ausländischen Kunden der Landsbanki-Tochter Icesave entschädigt werden, ist aber immer noch unklar.

          Darüber verhandeln die isländischen, britischen und niederländischen Behörden zurzeit. Das ist - neben der Inflationsentwicklung, dem Wiederaufbau der Banken, dem Stabilitätsprogramm des Internationalen Währungsfonds und den Kronen-Anleihen - eine der großen Aufgaben, die wir zurzeit bearbeiten. Alles hängt miteinander zusammen, wie in einem Puzzlespiel, aber in allen Punkten machen wir gute Fortschritte.

          Seit dem Herbst sind die in Kronen ausgegebenen Anleihen ausländischer Investoren eingefroren. Wann geben Sie diese "Glacierbonds" im Schätzwert von drei Milliarden Euro wieder frei?

          Die Summen, bei denen es sich etwa zur Hälfte um kurzfristige Investitionen handelt, sind für die internationalen Kapitalmärkte zwar nicht groß, wohl aber für isländische Verhältnisse. Deshalb müssen wir die Kapitalkontrollen aufrechterhalten, um eine Schwächung der Devisenreserven, des Staatsbudgets, der Unternehmen und der Privathaushalte zu vermeiden. Einen Zeitplan, wann sich dies grundsätzlich ändern wird, haben wir nicht. Aber wir wollen die kurzfristigen Investitionen nun in langfristige umwandeln. Exportorientierte isländische Unternehmen sollen dazu Kredite von den Eigentümern der "Glacierbonds" aufnehmen und später in Fremdwährung zurückzahlen können. Wir prüfen gerade die Anträge der Unternehmen, die sich für einen solchen Kredit interessieren.

          Haben isländische Unternehmen zurzeit ausreichend Zugang zu Krediten?

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