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Handel : Konsumfreude hilft vor allem Luxusgüteraktien

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft: Ausgeprägter Konjunkturoptimismus Bild: dpa

Es ist ein Traumstart, den der Einzelhandelsverband in diesem Weihnachtsgeschäft hinlegt. Das positive Konsumklima wirkt sich auch am Aktienmarkt aus. Auch die Partizipation über Indexzertifikate ist möglich.

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          Die Konsumfreude der Deutschen ist derzeit so gut wie lange nicht. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, sprach am Sonntag von einem Traumstart in das für die Branche enorm wichtige Weihnachtsgeschäft. Vergangene Woche hatte die GfK in ihrer monatlichen Konsumentenumfrage einen ausgeprägten Konjunkturoptimismus festgestellt. Die Befragten erwarten steigende persönliche Einkommen, empfinden ihre Arbeitsplätze als sicher und zeigen eine höhere Anschaffungsneigung.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Dieses positive Konsumklima wirkt sich auch am Aktienmarkt aus. Ein Konsumwert wie Metro zählt mit einem Kursanstieg um mehr als 30 Prozent seit Jahresanfang zu der Spitzengruppe im Dax. Die Mehrheit der Analysten rät weiterhin zum Kauf. Die Analysten von Goldman Sachs erhöhten kürzlich das Kursziel auf 66 Euro und sind damit die größten Optimisten für die Aktie, die am Montag rund 56 Euro kostete. Falls sich die gute Stimmung tatsächlich in den Kassen der Metro-Märkte, bei Media Markt und Saturn, sowie bei Real und Kaufhof niederschlägt, gilt die Aktie als attraktiv bewertet, zumal der Konzern mittlerweile nennenswertes Geschäft in Asien macht.

          Gewinnmargen von 90 Prozent kommen gut an

          Die dortigen Märkte gelten wegen der schieren Zahl der Einwohner und des sehr viel dynamischeren Wachstums von einem noch immer spürbar geringeren Lebensstandard aus als besonders attraktiv für die Konsumbranche. Davon profitieren Unternehmen wie Adidas, ganz besonders aber Luxusgüterhersteller wie die Compagnie Financière Richemont oder die französische Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH). Der französische Anbieter von Champagner, Cognac, edlen Uhren, Schmuck, Parfüm und Mode überzeugt die Analysten vor allem von seiner Marke Louis Vuitton, die in Asien zu einem wichtigen Statussymbol geworden ist.

          Gewinnmargen von 90 Prozent und mehr in einzelnen Produkten kommen an der Börse gut an. Am Montag erreichte der Kurs mit 122 Euro ein neues Rekordhoch. Der Kursanstieg seit Jahresbeginn ist mit mehr als 50 Prozent nach BMW der zweithöchste im Euro Stoxx 50 und der Börsenwert ist mit fast 60 Milliarden Euro höher als der von BASF oder Daimler und wird in Deutschland nur von Siemens übertroffen. Die Analysten raten trotz des rasanten Kursaufschwungs weiterhin fast ausnahmslos zum Kauf der Aktie.

          Mit Indexzertifikaten an der Entwicklung partizipieren

          Wer von einem weiteren Kursanstieg der Konsumaktien überzeugt ist, sich jedoch nicht mit einer Einzeltitelauswahl befassen möchte, der findet im Stoxx 600 Konsumgüter gleich 27 Hersteller von Konsumartikeln. Aus Deutschland sind Adidas, Beiersdorf, Henkel und Puma im Index enthalten. Hinzu kommen Aktien wie die von LVMH, Cie Richemont, L'Oréal und Swatch. Anleger können mit Indexzertifikaten an der Entwicklung partizipieren. Die Hypo Vereinsbank bietet unter der Wertpapierkennnummer (WKN) HV16EZ eines ohne jährliche Verwaltungsgebühr und einer Geld-Brief-Spanne von am Montag 0,25 Prozent.

          Wer im Handel mit Konsumgütern die besseren Perspektiven sieht, der kann im 25 Werte umfassenden Stoxx 600 Einzelhandel anlegen. Im Index befinden sich neben Metro die französische Handelskette Carrefour, die britische Debenhams, die schwedische Hennes & Mauritz oder das in Spanien ansässige Inditex. Ein Zertifikat auf den entsprechenden Index bietet die Commerzbank unter der WKN CB5HCG. Wer sich auf den Euro-Raum beschränken möchte, findet im Euro Stoxx Retail Index die Aktien von 11 Einzelhändlern und ein Zertifikat unter der WKN HV16E0.

          Beliebt unter den Konsumwerten am Aktienmarkt gerade zur Weihnachtszeit ist zudem die Aktie von Lindt & Sprüngli aus der Schweiz. Die Aktien des Schokoladenherstellers sind im Jahresverlauf um rund 30 Prozent im Wert gestiegen und kosteten am Montag an der Börse Frankfurt rund 22.800 Euro. Für das kleinere Portemonnaie gibt es in Frankfurt aber auch Partizipationsscheine schon zum Preis von aktuell gut 2000 Euro das Stück.

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