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: Für die in Freiheit ungeübten Muslime

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Zur Dankesrede von Necla Kelek "Aus Muslimen müssen freie Bürger werden" (F.A.Z.-Feuilleton vom 9. November): Es ist beeindruckend, wie Necla Kelek den Rang westlicher Freiheit verinnerlicht hat. Da sieht man gern über den rasanten ...

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          Zur Dankesrede von Necla Kelek "Aus Muslimen müssen freie Bürger werden" (F.A.Z.-Feuilleton vom 9. November): Es ist beeindruckend, wie Necla Kelek den Rang westlicher Freiheit verinnerlicht hat. Da sieht man gern über den rasanten Geschwindgang hinweg, durch die zweitausendfünfhundertjährige europäische Geistesgeschichte - Athen - Jerusalem - Rom - und die islamische Geistesgeschichte - Bagdad - Córdoba - Kairo - der letzten zwölfhundert Jahre. Man nimmt Frau Kelek ab, dass es ihr, ohne jede Einschränkung, um die Freiheit "wofür", die Freiheit für die in Freiheit ungeübten Muslime in Europa geht. Es muss trotzdem die Frage erlaubt sein: Wer soll diesen Appell hören, wer hört ihn wirklich und trägt ihn weiter, wer versucht wenigstens in Teilen, die islamische Religionsrealität in Deutschland zu verändern?

          Deshalb seien hier nur wenige Entwicklungen angedeutet: Die heutige "Infrastruktur" der religiösen Vermittlung ist fest in der Hand islamischer Organisationen und Moscheevereine. Frau Kelek nennt an anderer Stelle selbst eine Zahl von dreitausend Standorten; das könnte man flächendeckend nennen. Wie die inhaltliche Vermittlung des Islam in Deutschland konkret aussieht, zeigt unter anderem das Buch von Rauf Ceylan "Die Prediger des Islam, Imame - wer sie sind und was sie wirklich wollen".

          Der Wissenschaftsrat hat einen Studiengang "Islam, für Imame und Religionslehrer" beschlossen. Versucht man sich ein Bild vom geistigen und wissenschaftlichen Standort einiger bisher bekannter Hochschullehrer zu machen, kann man zu dem Eindruck kommen, dass diese Ausbilder zukünftiger Imame und Religionslehrer nicht Frau Kelek geistig nahestehen, sondern Tariq Ramadan. Immerhin hat dieser mit seiner Definition für den Islam in Europa den Begriff des "Dar asch-Schahada, Haus der Bezeugung" geschaffen, der im deutschen Sprachgebrauch schlicht als neutraler "Euroislam" daherkommt. Ramadan hat unmissverständlich zu einer friedlichen Islamisierung Europas in verschiedenen Büchern aufgerufen, sich zum Beispiel aber für die drakonischen Körperstrafen nur zu einem Moratorium aufraffen können. Es bleibt zu hoffen, dass die jetzt berufenen Hochschullehrer im Laufe der Zeit erkennen, welche einmalige Chance zu unbeeinflusster Forschung des Islam das deutsche Hochschulsystem bietet.

          Frau Kelek beschreibt sehr aufschlussreich das inhaltliche Verständnis von Freiheit bei Muslimen in der Umma. Dieses Beispiel macht deutlich, dass es in Deutschland nicht nur darum geht, dass Muslime das Grundgesetz formal akzeptieren, sondern dass bestimmte Verfassungsgüter neu durchdacht werden müssen. Unser wehrhafter Staat muss im Sinne von Frau Kelek notfalls auch neue Straftatbestände gesetzlich verankern, wie dies im Falle der Zwangsverheiratung, ein im Westen weitgehend unbekanntes Delikt, richtigerweise gerade von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde.

          HORST-GÜNTHER FALKENHAN, KÖNIGSTEIN

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