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: Es gibt zu wenige Kurse für Migrantinnen-Mütter

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Zum Thema Sarrazin: Etwa die Hälfte der hier lebenden türkischen Frauen sprechen unzureichend Deutsch. Ungefähr dreißig Prozent der Teilnehmerinnen an den verpflichtenden Deutschkursen brechen den Kurs frühzeitig ab.

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          Zum Thema Sarrazin: Etwa die Hälfte der hier lebenden türkischen Frauen sprechen unzureichend Deutsch. Ungefähr dreißig Prozent der Teilnehmerinnen an den verpflichtenden Deutschkursen brechen den Kurs frühzeitig ab. Leider gibt es bis heute kein Deutschlehrbuch, das den spezifischen Interessen und Fähigkeiten von bildungsfernen Migrantinnen, die hauptberuflich Mütter sind, Rechnung tragen würde. Die Pflichtkurse sind für Frauen und Männer und für alle Bildungsschichten gemeinsam. Der Kenntnisstand, der nach maximal 600 Unterrichtsstunden erreicht wird, reicht nicht für die Anforderungen einer Berufsschule. Wer als bildungsferner Erwachsener (Heiratsmigrant) nach Deutschland kommt, insbesondere als Ehefrau, die durchschnittlich etwa zehn Jahre intensiv mit der Kindererziehung zu tun hat, hat minimale Chancen einer Berufsausbildung und ist dementsprechend von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Situation der bildungsfernen Mütter bleibt weitgehend im Schatten der Diskussion, obwohl die unzureichende Kompetenz einer Erziehung der Kinder in einer fremden Kultur ein gewichtiger Grund für die prozentual zu hohen schlechten Schulerfolge der Migrantenkinder sind.

          Unser Staat brüstet sich mit der liberalen Gesetzgebung der freien Partnerwahl, fordert und fördert die Heiratsmigrantinnen anschließend aber völlig unzureichend. Solange es keine spezifischen, verpflichtenden, kostenlosen, mindestens zweijährige Deutsch- und Integrationskurse für bildungsferne Migrantinnen-Mütter inklusiv Kleinkindbetreuung während der Unterrichtszeit gibt, solange wird sich zu wenig ändern.

          Dr. Christiane Aschoff-Ghyczy, Köln

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