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: Ernest Hemingway war ein Mörder

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In Ihrer Berichterstattung zum Tod des Schriftstellers Ernest Hemingway vor fünfzig Jahren stellen Sie richtigerweise neben der literarischen Würdigung und Kritik des Autors seine moralische Umstrittenheit heraus (F.A.Z.

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          In Ihrer Berichterstattung zum Tod des Schriftstellers Ernest Hemingway vor fünfzig Jahren stellen Sie richtigerweise neben der literarischen Würdigung und Kritik des Autors seine moralische Umstrittenheit heraus (F.A.Z. vom 2. Juli). Weitgehend unbekannt ist dabei aber, dass Hemingway nach allen Regeln des Kriegsvölkerrechts ein Mörder war, der nach eigenen Angaben im Zweiten Weltkrieg "122 Krauts" eigenhändig getötet hat. Und dies, obwohl er 1944 an der Westfront als Reporter für den "War Correspondent" und nicht etwa als Soldat oder Combattant eingesetzt war. Einige dieser Mordtaten an deutschen Kriegsgefangenen schildert er in seinen Briefen ("Selected Letters" 1917-1961, Hrsg. Carlos Baker, Charles Scribner's Sons. New York 1981), deren Veröffentlichung er allerdings testamentarisch streng verboten hatte.

          So hatte ihn ein gefangener, waffenloser von ihm bedrohter deutscher Soldat auf die Genfer Konvention hingewiesen; darauf Hemingway: "Was für einen Fehler hast du gemacht, Bruder, sagte ich ihm und schoss ihm dreimal schnell in den Bauch. Dann, als er in die Knie ging, schoss ich ihm in die Birne, so dass das Gehirn aus dem Mund kam oder ich glaube es war die Nase." In einem anderen Brief (Seite 697 ff.): ". . . der Letzte war ein Soldat . . . der auf einem Fahrrad auf der Straße nach Aachen flüchtete. Ich sagte: ,Lass mich den nehmen' und erschoss ihn mit meiner Mpi. Als sie den Deutschen fanden, war es ein Junge, etwa so alt wie mein Sohn Patrick zu der Zeit. Ich hatte ihm durch das Rückgrat geschossen und die Kugel war durch die Leber herausgekommen." Es gibt noch andere Beispiele.

          Das ist auch heute noch schwer erträglich. Aber genau aus dem Grund muss man auch heute noch und gerade heute darüber schreiben. Denn jeder deutsche Soldat oder Zivilist wäre, auch heute noch, dafür wegen Mordes bestraft, in Amerika vielleicht hingerichtet worden. Dass solche Untaten auch von Deutschen wie von unseren damaligen Gegnern - da aber in einer unerträglichen doppelten Moral weitgehend totgeschwiegen - begangen worden sind, kann auch nicht ansatzweise eine Entschuldigung sein.

          Es sei denn, man hält es mit Stalins Ausspruch: "Der Sieger kennt kein Gericht." Aber was für einen Staat hätten wir dann? Oder all jene, die heute noch so verfahren und sich dennoch Rechtsstaat nennen?

          HANNO GRAF VON KIELMANNSEGG, WINSEN/ALLER

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