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: Disney zahlt 4 Milliarden Dollar für Comicstudio Marvel

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lid. NEW YORK, 31. August. Der amerikanische Unterhaltungskonzern Walt Disney Co. wagt eine Großakquisition: Disney kündigte am Montag die Übernahme des auf Comicverfilmungen wie "Spider-Man"oder "Iron Man" spezialisierten Studios Marvel Entertainment Inc.

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          lid. NEW YORK, 31. August. Der amerikanische Unterhaltungskonzern Walt Disney Co. wagt eine Großakquisition: Disney kündigte am Montag die Übernahme des auf Comicverfilmungen wie "Spider-Man"oder "Iron Man" spezialisierten Studios Marvel Entertainment Inc. an. Die beiden Unternehmen haben sich auf einen Preis von rund 4 Milliarden Dollar geeinigt, der zum Teil in bar und zum Teil in Aktien bezahlt werden soll.

          Für Disney ist Marvel die größte Akquisition seit dem Kauf des Zeichentrickstudios Pixar im Jahr 2006, die 7,4 Milliarden Dollar kostete. Vorstandschef Bob Iger fädelte diese Übernahme kurz nach seinem Amtsantritt ein. Er wollte damit eine seit Jahren dauernde Schwäche bei Zeichentrickfilmen wettmachen. Das Unternehmen, von dem Klassiker von "Bambi" bis "König der Löwen" stammen, hatte eine Serie von Flops hingelegt, während Pixar mit Filmen wie "Toy Story" und "Findet Nemo" einen Kassenknüller nach dem anderen landete.

          Pixar blieb auch nach der Übernahme durch Disney eine unabhängige Einheit im Konzern und setzte seine Erfolgsserie mit Filmen wie "Ratatouille" und "Wall-E" fort. Der jüngste Pixar-Film "Up" ist einer der umsatzstärksten Filme des Jahres in Amerika. Bei Marvel will Disney nun einen ähnlichen Weg gehen. Bob Iger sagte am Montag, er wolle die Marke Marvel erhalten. Marvel war früher in erster Linie ein Comicverlag, das Unternehmen hat Lizenzen für seine Figuren wie "Spider-Man" an Filmstudios gegeben. Vor wenigen Jahren beschloss das Unternehmen aber, selbst stärker aus seinem Fundus von Comicfiguren Kapital zuschlagen - und wandelte sich von einem reinen Lizenzgeber zu einem echten Filmstudio um. Im vergangenen Jahr brachte Marvel seinen ersten selbst produzierten Film "Iron Man" ins Kino - und landete damit einen großen Erfolg. Der Streifen mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle spielte weltweit fast 600 Millionen Dollar ein. Im nächsten Jahr wird eine Fortsetzung des Films in die Kinos kommen. Marvel hoffte mit seinem Strategiewandel, bei Verfilmungen ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen. Analystenschätzungen zufolge erhielt Marvel bei den Verfilmungen seines prominentesten Superhelden "Spider-Man" nur rund 5 Prozent der Kinoeinnahmen, der Anteil an den DVD-Verkäufen soll sogar noch deutlich niedriger liegen. "Spider-Man" wird vom Filmstudio Sony produziert. Freilich ist die Eigenproduktion auch ein Wagnis, und Marvel trägt ein viel größeres Risiko, wenn ein Film floppt. Bislang hat sich die neue Strategie aber positiv in den Zahlen von Marvel niedergeschlagen: Im vergangenen Jahr baute das Unternehmen seinen Umsatz um 39 Prozent auf 676 Millionen Dollar aus. Der Nettogewinn erhöhte sich um 47 Prozent auf 205 Millionen Dollar.

          Disney will nun für jede Marvel-Aktie 30 Dollar in bar sowie 0,745 eigene Aktien bezahlen. Gemessen am Disney-Schlusskurs vom Freitag, entspricht dies einem Preis für Marvel von 50 Dollar je Aktie - oder einem Aufschlag von 29 Prozent auf den letzten Marvel-Kurs. Disney zahlt somit rund 60 Prozent des Kaufpreises in bar. Der Aktienkurs von Disney reagierte am Montag mit einem leichten Rückgang um 2 Prozent auf rund 26,30 Dollar.

          Marvel besitzt nach eigener Aussage die Rechte an insgesamt 5000 Figuren. Viele von ihnen sind bereits in Streifen wie "Spider-Man", "X-Men" oder "Fantastic Four" filmisch verwertet worden. Etliche Figuren haben es aber noch nicht auf die Leinwand geschafft. Bob Iger betonte am Montag weiter, dass die Marvel-Figuren auch in anderen Sparten des Disney-Konzerns zum Einsatz kommen werden, etwa in den Freizeitparks.

          Iger sieht das auf Action-Helden spezialisierte Portfolio von Marvel auch als Chance, sich in der Zielgruppe von Jungen stärker zu positionieren. Viele der jüngsten großen Erfolge von Disney wie etwa die Fernsehserie "Hannah Montana" mit Miley Cyrus zielen eher auf Mädchen ab.

          Disney wagt die Akquisition von Marvel in einer schwierigen Zeit. Das Unternehmen ist in den Sog der Wirtschaftskrise geraten. So leiden vor allem die Freizeitparks des Unternehmens unter der Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Im Filmgeschäft fehlte es Disney zuletzt jenseits von "Up" an einem zugkräftigen Programm. Außerdem hat sich das bis vor einiger Zeit wachstumsstarke Geschäft mit DVDs erheblich abgeschwächt.

          Trotz seiner Erfolge mit Comicfiguren hat Marvel eine Geschichte mit Höhen und Tiefen erlebt und war bis vor wenigen Jahren vor allem damit beschäftigt, sich zu stabilisieren. Marvel musste im Jahr 1996 nach einer übereilten Akquisitionstour Insolvenz beantragen. Das Unternehmen gehörte damals dem Investor Ron Perelman, der heute Mehrheitseigner des Kosmetikkonzerns Revlon ist. Marvel schloss sein Insolvenzverfahren nach zwei Jahren ab. Das Unternehmen gab seine vormalige Diversifizierungsstrategie wieder auf und konzentrierte sich stattdessen darauf, Lizenzen für seine Figuren zu vergeben.

          Jenseits großer Erfolge wie "Spider-Man" und "X-Men" erwies sich aber nicht jeder Film mit Figuren aus dem Marvel-Portfolio als Besuchermagnet. Filme wie "The Punisher" und "Elektra" blieben zum Beispiel mit bescheidenen Einnahmen hinter den Erwartungen zurück.

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