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: Die Elektronik zwingt Fachverlage zu Kooperationen

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geg. FRANKFURT, 7. Oktober. Fachzeitschriften haben einen guten Ruf - bei denen, die sie nutzen. Kein anderes Medium schafft mehr Markttransparenz, kein anderes Medium ist glaubwürdiger, niemand zeigt neue Trends schneller, und selbst ...

          geg. FRANKFURT, 7. Oktober. Fachzeitschriften haben einen guten Ruf - bei denen, die sie nutzen. Kein anderes Medium schafft mehr Markttransparenz, kein anderes Medium ist glaubwürdiger, niemand zeigt neue Trends schneller, und selbst die Anstöße zu Investitionsentscheidungen kommen häufig aus der Fachpresse. Und trotz dieser Ergebnisse einer Entscheideranalyse, die der Verein Deutsche Fachpresse vor wenigen Wochen veröffentlicht hat, sieht sich die Branche immer im Schatten der bekannteren Publikumsverlage. Dabei steige die Bedeutung der Fachzeitschrift noch immer, je höher die Anforderungen an die Mitarbeiter in der Wirtschaft sind, ist Bernd Adam, Geschäftsführer des Vereins Deutsche Fachpresse, überzeugt. Daher seien die wirtschaftlichen Aussichten für Fachverlage insgesamt auch günstig. Fachverlage in diesem Sinn sind alle jene Verlage, die Zeitschriften oder Bücher herausgeben, die vor allem beruflich genutzt werden.

          Aber auch die deutschen Fachverlage haben im vergangenen Jahr einen Rückgang ihrer Umsätze hinnehmen müssen. Der Gesamtumsatz sank um 4,2 Prozent auf 3 (Vorjahr: 3,1) Milliarden Euro. Dieser Rückgang ist nach Angaben von Adam vor allem auf den Anzeigenrückgang der Fachzeitschriften zurückzuführen. Fachzeitschriften sind mit etwa 60 Prozent der größte Umsatzbringer der Fachverlage. Der Umsatz mit Fachbüchern ist dagegen um 4,5 Prozent gestiegen und jener mit elektronischen Medien sogar um 22 Prozent auf 359 Millionen Euro.

          Vor allem viele wissenschaftliche Verlage erzielen schon heute bis zu 50 Prozent und mehr ihres Umsatzes durch den Verkauf elektronischer Medien. Für die vor allem auf ein wirtschaftliches Publikum abzielenden Fachverlage stellt die Umstellung auf Elektronik nach den Worten von Karl-Heinz Bonny, Vorsitzender des Vereins Deutsche Fachpresse und Hauptgeschäftsführer des Landwirtschaftsverlages Münster, eine große Herausforderung dar. Vor allem finanziell seien viele kleine Verlage überfordert. Bonny erwartet daher eine Kooperationswelle, in der auch Übernahmen einzelner Verlage nicht ausgeschlossen sind. "Die Investitionen in elektronische Redaktionssysteme, in Web-Applikationen oder in Web-Fernsehen gehen schnell in sechs- oder sieben-stellige Summen", sagt Bonny.

          Aber die elektronischen Medien spielen eine immer größere Rolle. Selbst für landwirtschaftliche Verlage, deren Abnehmer noch überwiegend Papierprodukte konsumieren, seien heute Web-TV-Einspielungen selbstverständlich, in denen die Wartung und Reparatur von Maschinen vermittelt wird. Ähnliches gelte für Verlage, die sich an das Handwerk richten und dort über Internet dem Handwerker zeigen, wie eine neue Heizung funktioniert. Hier spiele auch wieder die Weiterbildung eine große Rolle, das klassische Aufgabenfeld der Fachverlage. Hier erwächst aber auch große Konkurrenz. Bisher finanzieren sich viele Fachmedien über Anzeigen. Diese brechen weg, weil im Internet plötzlich neue Internetmarktplätze für freie Stellen in einer Branche oder für Immobilien auftauchen.

          Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren sich die Fachverlage dennoch selbstbewusst. Vor allem für die Gewinnung neuer Mitarbeiter sei es wichtig, das Image der kleineren grauen Schwester der strahlenden Publikumsverlage zu verlieren. Dabei kann die Branche nicht nur mit auflagenstarken, umsatzstarken und kritisch berichtenden Zeitschriften (Deutsches Ärzteblatt, VDI-Nachrichten, Lebensmittel Zeitung oder Textilwirtschaft) unter ihren insgesamt etwa 3800 Titeln aufwarten, sondern auch mit vielen Neugründungen in zukunftsträchtigen Bereichen, vor allem der Energie.

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