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: Deutsche Börse nun in Eschborn

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dmoh. Eschborn, 4. November. Knapp drei Jahre nach der Ankündigung ihres Umzugs von Frankfurt nach Eschborn ist die Deutsche Börse in ihrem neuen Bürogebäude im Gewerbegebiet Eschborn-Süd angekommen. Lediglich 500 Meter vom Ortsschild ...

          dmoh. Eschborn, 4. November. Knapp drei Jahre nach der Ankündigung ihres Umzugs von Frankfurt nach Eschborn ist die Deutsche Börse in ihrem neuen Bürogebäude im Gewerbegebiet Eschborn-Süd angekommen. Lediglich 500 Meter vom Ortsschild Frankfurt entfernt, begrüßte der neue Hausherr Reto Francioni in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG rund 350 Gäste zur feierlichen Eröffnung. Johann Wolfgang von Goethe habe einst gesagt, drei Dinge seien bei einem Gebäude zu beachten: dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohlgegründet sei und dass es vollkommen ausgeführt sei. All dies sieht Francioni in der neuen Konzernzentrale gegeben. "Hier sind wir am richtigen Fleck", sagte Francioni und sprach von einem guten, pragmatischen und dynamischen Standort.

          Pragmatismus war vor zehn Jahren schon der Grund, die "Alte Börse" in der Frankfurter Innenstadt zu verlassen und die über mehrere Gebäude in Frankfurt verstreuten Mitarbeiter einer der führenden Weltbörsen unter einem Dach im Industriegebiet in Frankfurt-Hausen in der "Neuen Börse" zu vereinen. Nun ging es in nordwestlicher Richtung noch vier Kilometer weiter von der Innenstadt weg, vor allem um Gewerbesteuern zu sparen. Die Steuerquote des Börsenbetreibers soll von einst 33 Prozent auf etwa 25 Prozent sinken. Aber auch die Mietkosten in dem der Düsseldorfer Signa Property Funds gehörenden Gebäude werden deutlich niedriger sein als in der "Neuen Börse". Um Namen wie "Noch neuere Börse" oder "Neueste Börse" zu vermeiden, wurde die neue Konzernzentrale "The Cube", also "Der Würfel" genannt, was mathematisch nicht ganz exakt ist, aber auf die Kastenform des schwarz-grauen Bürogebäudes anspielen soll.

          Dass dort nun die Börse zuhause ist, erkennen Besucher zum einen am überdimensional über dem Eingang prangenden Firmenlogo der Börse, aber auch an den nur kniehohen Skulpturen von Bulle und Bär neben dem Haupteingang. Unverkennbar sind auch die bei der Deutschen Börse äußerst strengen Sicherheitsvorkehrungen am Einlass, die jeden Flughafenanforderungen gerecht würden. 1600 Mitarbeiter sind in den vergangenen zwei Monaten hier eingezogen. Hausherr Francioni begnügt sich mit einem Büro im vierten Stock. "Schon vom zehnten Stock aus können Sie unsere Kunden sehen, die Banken von Frankfurt", sagt Francioni. Ob er sich diesen täglichen Blick bei seiner Bürowahl ersparen wollte, dazu sagte er nichts.

          1500 Mitarbeiter hat die Deutsche Börse in Luxemburg, 200 in New York und zudem weitere in Büros in Prag, Singapur, Moskau und einigen anderen Städten. In Frankfurt hat die Börse kaum noch Mitarbeiter: An der "Alten Börse" bleibt die Handelsüberwachung und in Hausen das Rechenzentrum und die Verwahrstelle für Wertpapiere. Gleichwohl ist der offizielle Sitz der Deutschen Börse weiterhin Frankfurt. Oberhalb des Börsenparketts in der Frankfurter Innenstadt tagen Vorstand und Aufsichtsrat und haben Büroräume.

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sah denn auch in der Entscheidung für das neue Gebäude in Eschborn ein starkes Signal für den Finanzplatz Frankfurt/Rhein-Main, der sich nicht entlang von Kommunalgrenzen definiere. "Es hat schließlich länger die Diskussion gegeben, ob die Börse nicht nach London umsiedeln könnte", sagte Bouffier. Auch Eschborns Bürgermeister Wilhelm Speckhardt zeigte sich froh, dass dem nun nicht so ist. Er empfinde ehrliche Freude über den prominenten Neuzugang in seinem Gewerbegebiet und keine Schadenfreude gegenüber Frankfurt. Für die Börsenmitarbeiter hatte er auch noch eine gute Nachricht parat: Die Autobahnabfahrt nach Eschborn wird nun endlich zweispurig gebaut.

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