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: Deutsche Bank zahlt höchstens 1 Euro Dividende

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ham. FRANKFURT, 31. Januar. Die Deutsche Bank soll im vierten Quartal 1,1 Milliarden Euro vor und rund 700 Millionen Euro nach Steuern verdient haben. Diese Erwartung hegen rund 20 Analysten im Durchschnitt, die sich vor Bekanntgabe ...

          ham. FRANKFURT, 31. Januar. Die Deutsche Bank soll im vierten Quartal 1,1 Milliarden Euro vor und rund 700 Millionen Euro nach Steuern verdient haben. Diese Erwartung hegen rund 20 Analysten im Durchschnitt, die sich vor Bekanntgabe der Zahlen am kommenden Donnerstag mit einer Schätzung versucht haben. Träfe diese Erwartung ein, hätte die Deutsche Bank im Gesamtjahr einen Gewinn nach Steuern von 4,5 Milliarden Euro erzielt - nach einem Verlust von 3,8 Milliarden im Jahr 2009 und einem Gewinn von 6,5 Milliarden Euro im Rekordjahr 2007.

          Im Vorjahr hat die Deutsche Bank trotz des Jahresverlustes 2008 an ihre Aktionäre eine Dividende von 50 Cent je Aktie ausgeschüttet. Im Rekordjahr 2007 hatte sie noch 4,50 Euro Dividende gezahlt. Nach dem überraschend hohen Gewinn im dritten Quartal 2009 von 1,4 Milliarden Euro und der Bekanntgabe ehrgeiziger Ziele durch den Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann hatten einige Analysten ihre Dividendenerwartungen für 2009 erhöht. Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch zum Beispiel geht von 1,50 Euro Dividende aus. Doch mehr als 1 Euro je Aktie, wie sie zum Beispiel Stefan Stahlmann von Unicredit in London erwartet, erscheint nicht realistisch. Dafür sprechen mehrere Gründe.

          Der hohe Gewinn der Deutschen Bank im dritten Quartal war maßgeblich einer einmaligen Steuerrückerstattung in Höhe von 369 Millionen Euro und guten Geschäften im Investmentbanking zu verdanken. Die Erträge im Investmentbanking machten mehr als 60 Prozent der Gesamterträge aus. Im vierten Quartal aber sind weniger Anleihen vor allem durch Unternehmen begeben worden, und weniger Unternehmen haben Eigenkapital aufgenommen. Mit der Hilfe bei derartigen Transaktionen verdienen Investmentbanken wie Goldman Sachs, Credit Suisse und Deutsche Bank ihr Geld. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Deutsche Bank der schwächeren Transaktionsentwicklung auf dem Markt im vierten Quartal hat entziehen können. Die schon veröffentlichten Geschäftsergebnisse der amerikanischen Investmenthäuser J.P. Morgan, Citigroup, Morgan Stanley und eben Goldman Sachs lassen vielmehr auf einen Rückgang der Gebühreneinnahmen von 20 bis 30 Prozent zum Vorquartal auch bei der Deutschen Bank schließen.

          Die Analysten der UBS haben wegen der schwachen Geschäftszahlen der amerikanischen Investmenthäuser ihre Erwartungen an den Quartalsgewinn nach Steuern der Deutschen Bank in der vergangenen Woche um 6 Prozent gesenkt. Ihre Analystenkollegen von Goldman Sachs verringerten ihre Gewinnerwartungen um 7 Prozent. Die Gewinndynamik der Deutschen Bank lässt demnach nach. Insofern scheint das von Ackermann vor kurzem für 2011 in Aussicht gestellte, maßgeblich von prognostizierten Ertragszuwächsen im Investmentbanking getriebene Gewinnziel von 10 Milliarden Euro vor Steuern etwas in die Ferne zu rücken.

          Zwar nimmt der Abschreibungsbedarf auf "giftige" Wertpapiere ab. Zur Markterholung kommt aber hinzu, dass nach Berechnungen von J.P. Morgan durch die Umklassifizierung von Wertpapieren im Umfang von 35 Milliarden Euro, die nicht länger zum Marktwert bewertet werden, im dritten Quartal ein Vorsteuerverlust von 4,3 Milliarden Euro vermieden wurde. Hier lauern aber noch Lasten für die Zukunft. Nach den Wertpapieren rücken mit steigenden Unternehmensinsolvenzen aber ohnehin die Wertberichtigungen auf Firmenkredite in den Vordergrund. Die Risikovorsorge auf Kredite dürfte nach Schätzungen von J.P. Morgan in der Deutschen Bank im Jahr 2009 auf 3,1 Milliarden Euro angewachsen sein. Das wäre dreimal so viel wie in 2008.

          Wegen der nachlassenden Gewinndynamik hat die Aktie der Deutschen Bank mit Kursverlusten von 10 Prozent seit Jahresanfang doppelt so viel verloren wie der Dax. Auch die Dividendenrendite, die bei einer Ausschüttung von 1 Euro und damit zum aktuellen Aktienkurs von 45 Euro 2,2 Prozent betrüge, lockt kaum Käufer.

          Für eine nur moderate Erhöhung der Dividende auf höchstens 1 Euro spricht auch die politische Debatte. Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank, hat in dieser Woche die Banken mit deutlichen Worten aufgerufen, ihr Eigenkapital zu stärken. Anstatt hohe Boni und Dividenden auszuschütten, sollten die Banken lieber als Risikopuffer ihre Rücklagen auffüllen. Nun hat die Deutsche Bank derzeit mit einer "weichen" Kernkapitalquote von mehr als 10 und einer "harten" Kernkapitalquote von mehr als 8 Prozent keinen dringenden Kapitalbedarf. Im Vergleich mit Wettbewerbern wie Credit Suisse oder BNP Paribas liegt die Deutsche Bank im Mittelfeld.

          Kein Zweifel aber besteht, dass für die spätestens 2012 anstehende Übernahme der Postbank sowie für größere Akquisitionen etwa in Osteuropa die Deutsche Bank das Eigenkapital erhöhen müsste. Analysten taxieren den Kapitalbedarf auch wegen der steigenden Anforderungen durch die Regulierungsbehörden (Basel III) in den kommenden zwei Jahren auf 13 bis 15 Milliarden Euro. Eine Erhöhung der Dividende um 1 Euro je Aktie erhöht die Gesamtausschüttung um gut 500 Millionen Euro. Insofern dient eine knappe Dividende dazu, mehr vom Gewinn einzubehalten und einen Teil des Kapitalbedarfs so zu decken.

          Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank mit weiteren Kosten konfrontiert sein wird. Allein für die Mitarbeiter im Investmentbanking hatte sie nach dem dritten Quartal 1,3 Milliarden Euro Personalaufwand zurückgestellt - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Ein Großteil davon sind Boni, die wegen des gestiegenen Nettogewinns wieder reichlich fließen dürften. Falls das Geschäft im vierten Quartal nicht so gut lief, wird die Deutsche Bank zwar keine weiteren hohen Rückstellungen für Boni treffen müssen. Allerdings hat Ackermann angekündigt, die Kosten wegen der in London erhobenen Steuer von 50 Prozent auf Boni innerhalb der Bank zu übernehmen. Analysten erwarten deshalb einen zusätzlichen Kostenblock von 200 bis 350 Millionen Euro.

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