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: Der Wert des Papiers richtet sich nach dem Inhalt

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geg. FRANKFURT, 14. Oktober. Wertpapiere, für die mangels Nachfrage kein Kurs zustande kommt, dürfen künftig nach dem Inhalt (Zahlungsfähigkeit der Schuldner) bilanziert werden statt nach Kursen. Das ist, in einem Satz zusammengefasst, ...

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          geg. FRANKFURT, 14. Oktober. Wertpapiere, für die mangels Nachfrage kein Kurs zustande kommt, dürfen künftig nach dem Inhalt (Zahlungsfähigkeit der Schuldner) bilanziert werden statt nach Kursen. Das ist, in einem Satz zusammengefasst, der Inhalt der geplanten Veränderungen der Internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS. Für viele verbriefte Forderungen fehlt nach Ansicht von Fachleuten derzeit nur die Nachfrage. Das Papier an sich sei insofern werthaltig, als die überwiegende Zahl der dahinterstehenden Schuldner bisher ihren Verpflichtungen nachkomme und Zins und Tilgung planmäßig leiste. Von daher gebe es keinen Grund, diese Wertpapiere mangels Markt bis auf Null abzuwerten.

          Technisch wird die Möglichkeit der inhaltlichen statt der kursmäßigen Bewertung durch Umwidmung der Papiere in der Bilanz ermöglicht. Eine Bank kann Finanzinstrumente beim Kauf fünf verschiedenen Positionen auf der Aktivseite zuordnen. Insbesondere Investmentbanken, aber auch die schweizerische UBS, haben sehr viele Papiere in den Handelsbestand (held for trading) genommen, weil sie die Papiere pur oder in neuer Zusammensetzung kurzfristig weiter verkaufen wollten. Diesen Papieren im Handelsbestand ist nach den IFRS-Regeln ein fairer Wert (fair value) beizumessen, der bei handelbaren Produkten mit dem Kurswert (mark to market) übereinstimmen muss. Das Papier verliert gewinnt also mit dem Marktkurs an Wert in der Bankbilanz.

          In Zeiten fallender oder gar keiner Kurse wäre es von Vorteil, die Papiere beim Erwerb als "held zu maturity" (halten bis zum Verfallstermin) oder als "loans and receivables" (Darlehen, besicherte Forderungen) einzubuchen. Diese beiden Kategorien werden nicht nach dem Kurs des Papiers, sondern nach den fortgeführten Anschaffungswerten bewertet. Ein Wechsel der Einordnung war bisher aber verboten. Jetzt soll er rückwirkend zum 1. Juli 2008 möglich sein.

          Das bedeutet, eine Bank kann Wertpapiere aus dem Handelsbestand in den langfristig angelegten Bestand übernehmen. Als Anschaffungswert würde der Kurs am Tage der Umwidmung gelten. Viele Banken werden daher einen Tag vor dem dramatischen Kursrutsch der vergangenen Wochen wählen, wahrscheinlich den 1. Juli. Ein Reichrechnen ist das allerdings nicht. Denn in den Kategorien "held to maturity" und "loans und receivables" unterliegt man zwar nicht dem Diktat des Marktkurses. Aber damit man sich nicht reich rechnet, schreiben die Regeln hier bei jedem Abschluss vor, den Anschaffungswert auf Zeichen einer Wertminderung (impairment) hin zu prüfen und diese Wertminderung über die Gewinn-und-Verlust-Rechnung auch aufzudecken. Eine solche Wertminderung inhaltlicher Art liegt vor, wenn einer oder mehrere Schuldner ausfallen. Fallen alle Schuldner aus, fällt auch hier der Wert auf Null.

          Für viele deutsche Banken ist eine Änderung von Bedeutung, die zunächst nicht vorgesehen war. Deutsche Finanzinstitute halten viele Papiere über einen mittelfristigen Zeitraum, also in der Kategorie "available to sale". Für diese Papiere sehen die Regeln auch eine Fair-value-Bewertung vor, also eine Bewertung ausgerichtet am Kurs. Der Unterschied zum Handelsbestand besteht darin, dass die Wertänderung nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung auftaucht, sondern innerhalb der Bilanz direkt eigenkapitalmindernd verbucht wird. Damit gelingt es manchem Institut, trotz hoher Wertminderungen einen Gewinn auszuweisen. Diese Papier sollten zunächst nicht neu kategorisiert werden dürfen, weil sie bei angelsächsischen Banken keine große Rolle spielen. Das hat man im Laufe des Verfahrens jedoch geändert.

          Diese Neuzuordnungen sind allerdings nur ein einziges Mal für jedes Papier möglich. Außerdem muss die Bank im Anhang ausweisen, welche Wertpapiere neu zugeordnet worden sind. Wirtschaftsprüfer sind überzeugt, dass diese Änderungen das in Wertpapieren gebundene Vermögen sachgerechter bewerten.

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