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: Daimler Trucks will Milliardenbetrag einsparen

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sup. STUTTGART, 20. März. Die Wirtschaftskrise lässt den Markt für Nutzfahrzeuge kräftig schrumpfen. Für Europa rechne er mit einem Rückgang der Nachfrage nach Lastwagen von 30 bis 50 Prozent, "tendenziell eher 50 Prozent", sagte ...

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          sup. STUTTGART, 20. März. Die Wirtschaftskrise lässt den Markt für Nutzfahrzeuge kräftig schrumpfen. Für Europa rechne er mit einem Rückgang der Nachfrage nach Lastwagen von 30 bis 50 Prozent, "tendenziell eher 50 Prozent", sagte Daimler-Vorstand Andreas Renschler, der die Nutzfahrzeugsparte der Stuttgarter Daimler AG leitet.

          In Nordamerika und Japan werde es ebenfalls noch einmal Rückgänge von 30 und 40 Prozent geben. "Von den zehn größten unabhängigen Herstellern werden nicht alle das Ende der Krise überleben", lautet daher die Prognose von Renschler: "Niemand ist ,to big zu fail'. Eine Marktbereinigung ist nötig", fügt er hinzu. Für Daimler seien die langfristigen Perspektiven ausgezeichnet, sagte Renschler. Das vierte Quartal habe Daimler Trucks zwar mit einem Rückgang beim Auftragseingang von 49 Prozent abgeschlossen, den großen europäischen Wettbewerbern sei es aber noch schlechter ergangen. Eine Prognose, wie die Sparte das laufende Jahr abschließen könnte, wagt Renschler nicht. "Wir sind gewappnet", sagte er vor Journalisten in Stuttgart lediglich, und: "Wir werden nicht davor zurückschrecken, notfalls auch harte Entscheidungen zu treffen."

          Die Kosten sollen quer durch alle Bereiche der Daimler-Nutzfahrzeugsparte gesenkt werden, vor allem durch Personalabbau und Werksschließungen im Ausland. Investitionen, soweit sie nicht produktrelevant seien, würden um 30 Prozent gekürzt. Unter anderem werde die Teilnahme an praktisch allen Messen abgesagt. In Asien und Nordamerika bekommen alle Mitarbeiter der Daimler-Truck-Sparte ab April 10 Prozent weniger Einkommen. Renschler sprach von einem "vierstelligen Millionenbetrag", der eingespart werden soll, also geht es um mindestens eine Milliarde Euro. "Sollte das nicht reichen, werden die Stellschrauben stärker angezogen", kündigte er vage an.

          Im vergangenen Jahr hat Daimler Trucks trotz schon kräftigen Marktrückgangs in Amerika und Asien den Absatz noch um 1 Prozent auf 472 000 Nutzfahrzeuge gesteigert. Der Umsatz stagnierte bei knapp 29 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) von Daimler Trucks liegt mit 1,6 Milliarden Euro ein Viertel unter dem Vorjahreswert.

          Ob die Nutzfahrzeugsparte in diesem Quartal in die Verlustzone gerutscht sei, wollte Renschler nicht sagen. Er betonte aber, dass Daimler Trucks so flexibel aufgestellt sei, dass ein Marktrückgang von bis zu 30 Prozent ohne Verlust verkraftet worden wäre. Der Stuttgarter Konzern, der mit 15 Prozent aller verkauften Nutzfahrzeuge mit großem Abstand Weltmarktführer ist, profitiere jetzt von dem schon 2006 aufgelegten Programm "Global Excellence": "Da haben wir mit kühlem Kopf schon all das ins Rollen gebracht, was die Wettbewerber jetzt in der Krise tun müssen." Der Ergebnisrückgang um 500 Millionen Euro bei der Truck-Sparte ist schon durch Einmaleffekte aus der im Oktober angestoßenen Restrukturierung des Geschäfts bei Freightliner in Nordamerika geprägt. Allein die Zahl der Mitarbeiter in der Produktion ist von 14 000 auf 6000 reduziert worden.

          "Alles, was gemacht werden kann, haben wir getan", erklärte Renschler mit Blick auf den amerikanischen Markt, der im Vergleich zum Jahr 2006 mittlerweile um etwa 70 Prozent geschrumpft ist. In Japan seien "2000 bis 3000 Stellen von etwa 15 000" schon gestrichen worden, weitere Kürzungen vor allem im Vertrieb seien wohl nötig, berichtete Renschler über die japanische Fuso-Gruppe, die noch ein Überbleibsel aus der Zeit ist, als Daimler größter Mitsubishi-Aktionär war.

          Von der Krise am wenigsten betroffen sind bisher die Werke der Mercedes-Benz-Nutzfahrzeuge, die beinahe ausschließlich in Europa und Lateinamerika verkauft werden. Dennoch sind auch hier alle befristeten Verträge gekündigt, und Daimler hat von April an Kurzarbeit für alle 18 000 Mitarbeiter beantragt. Dann würden die Zeitkonten von durchschnittlich mehr als 250 Stunden je Mitarbeiter auf null zurückgefahren sein, so Renschler. Theoretisch könnten die Konten auch bis zu 300 Stunden ins Minus geführt werden, sagte der Daimler-Nutzfahrzeugchef: "Aber uns fehlt im Augenblick die Phantasie, dass die Krise schnell vorbei ist."

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