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Carl Christian von Weizsäcker : Rationale Klimapolitik

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Wie kann man Klimapolitik kompatibel machen mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung? Das Problem des menschenverursachten Klimawandels ist für die Marktwirtschaft eine politische und geistige Herausforderung.

          Wie kann man Klimapolitik kompatibel machen mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung? Das Problem des menschenverursachten Klimawandels ist für die Marktwirtschaft eine politische und geistige Herausforderung. Bis heute ist die tatsächliche Klimapolitik ein Wildwuchs. Dies führt dazu, dass Grundprinzipien einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung verletzt werden, dass ferner die Stabilisierung des Klimas weitaus teurer wird als nötig. Derzeit fallen erschreckend hohe unnötige Kosten der Klimastabilisierung an. Im Folgenden skizziere ich, wie man es besser machen kann. Für den Marktwirtschaftler nicht überraschend, sind es gerade die Abweichungen von den Prinzipien einer marktwirtschaftlichen Ordnung, die für die hohen vermeidbaren Stabilisierungskosten verantwortlich sind.

          Eine rationale Politik orientiert sich an ihrem letztendlichen Ziel. Daraus leitet sie dann die Zwischenziele und die Zwischenschritte ab, bis sie hieraus schließlich die aktuell zu fällenden Entscheidungen deduziert. Rationale Politik rechnet "rückwärts" von der fernen Zukunft über die nahe Zukunft bis zur Gegenwart. Man sollte die gegenwärtigen Schritte in der Klimapolitik aus einem anzustrebenden wirksamen Weltklimaabkommen zwischen den wichtigsten Staaten der Welt ableiten. Ich beginne daher mit einer Skizze eines solchen Abkommens.

          Der Ausgangspunkt ist der einflussreich gewordene "Stern Review", den der britische Ökonom Nicholas Stern, heute Lord Stern, im Auftrage der britischen Regierung ausgearbeitet und vor gut zwei Jahren publiziert hat. In dieser ökonomischen Analyse des Weltklimaproblems kam er zu dem Ergebnis, dass die Schäden eines Klimawandels einen ökonomischen Gegenwert haben, der um eine Größenordnung höher liegt als die Kosten einer Stabilisierung des Klimas. Diese Aussage wurde in der offiziellen Klimapolitik eine maßgebliche Begründung dafür, dass es geboten sei, eine energische Politik der Klimastabilisierung möglichst rasch ins Werk zu setzen.

          Stern schätzt in seiner mittleren Variante, dass die Kosten der Klimastabilisierung ein Prozent des Weltsozialprodukts ausmachen. Mit anderen Worten: Wir müssen während des ganzen 21. Jahrhunderts von jedem Euro, den wir als Weltgesellschaft an Einkommen erwirtschaften, einen Euro-Cent abzweigen, um das Klima zu stabilisieren. Hieraus können wir den Preis abschätzen, den eine Tonne Kohlendioxid (CO2) kosten muss, um mittels eines weltweiten Marktes für CO2-Emissionszertifikate Marktanreize zu setzen, in deren Folge das Klima stabilisiert wird. Der klimastabilisierende Preis liegt bei rund 45 Euro pro Tonne CO2.

          Diese Abschätzung eines für die Klimapolitik geeigneten Preises von CO2-Emissionen muss richtig verstanden werden. Es wäre eine "Anmaßung von Wissen" im Hayekschen Sinne, wenn ich behaupten würde, der CO2-Preis von 45 Euro wäre der "richtige" Preis. Niemand kennt heute den "richtigen" Preis der Treibhausgase. Die Abschätzung dient einem anderen Zweck: Sie soll die Voraussetzungen explizit machen, die in der Politik derjenigen implizit sind, die ein Weltklimaabkommen mit dem Argument ansteuern, ein solches koste uns wesentlich weniger als ein Regime des Laissez-faire, als ein Regime des klimapolitischen Nichtstuns. Dieser Preis kann damit als eine Art Konsenspreis angesehen werden, auf den sich die Parteien eines Weltklimaabkommens als Startpunkt einigen können. Er muss nicht für alle Ewigkeit festgeschrieben werden, sondern kann später auf Basis neuer Erkenntnisse im Rahmen des Weltklimaabkommens allmählich verändert werden.

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